Wusstest du eigentlich, dass Zecken stechen und nicht beißen? Die Parasiten haben einen Stechrüssel, mit dem sie das Blut saugen. Wenn du eine Zecke an deinem Körper entdeckst, dann hat sie dich also nicht gebissen, sondern gestochen. Im Alltag sprechen wir aber oft von einem Zeckenbiss anstelle eines Zeckenstichs.  Erfahre hier,

  • wie du eine Zecke erkennst,
  • wann und wo Zecken lauern,
  • wie gefährlich Zecken sind,
  • wie du dich vor Zecken schützt,
  • und wie du eine Zecke richtig entfernst.

So erkennst du eine Zecke

Zecken sind kleine runde Milben, also Spinnentiere. Die häufigste Zeckenart in Deutschland ist der Gemeine Holzbock. Du erkennst den Gemeinen Holzbock an seinem eiförmigen und rötlich-braunen bis schwarzen Körper. Lauern erwachsene weibliche Tiere auf ihre Beute, sind sie nur rund 3 mm klein – nach einer üppigen Mahlzeit rund 1 cm groß. Zecken-Larven und Nymphen können ebenfalls Menschen stechen. Doch sie leben meist dicht an ihrem bevorzugten Wirt, den Nagern – zum Beispiel in Mäusebauten. Als Wirt bezeichnet man in der Biologie einen pflanzlichen, tierischen oder menschlichen Organismus, der beispielsweise von einem Parasiten befallen ist und diesem zum Schutz, als Nahrung oder Transportmittel dient.

Andere in Deutschland heimische Zecken wie die Taubenzecke sind für den Menschen ungefährlich. Doch durch den Klimawandel steigt die Durchschnittstemperatur immer weiter an. Dadurch kommen neue Arten nach Deutschland und verbreiten sich. Beispielsweise Hyalomma-Zecken – potenzielle Überträger des Krim-Kongo-Fiebers, die durch doppelte Größe und ihre gestreiften Beine auffallen.

Wann und wo lauern Zecken?

Ab 8 °C wird der Gemeine Holzbock munter. Er kommt somit im Frühjahr, Sommer und Herbst vor. Der Klimawandel hat zur Folge, dass immer öfters Zecken im Winter gefunden werden. Die Spinnentiere lauern in Wald und Wiesen ebenso wie in Parks und Gärten. Anders als andere Zeckenarten bewegt der Gemeine Holzbock sich nicht aktiv auf seinen Wirt zu. Das heißt, das Lebewesen, welches die Zecke stechen möchte. Er verbringt den Großteil seines Lebens mit Warten. In hohen Gräsern oder Büschen lauert er auf einen Wirt, um sich an ihn zu haften. Zecken suchen sich auf ihrem potentiellen Wirt eine dünnhäutige, feuchte und gut durchblutete Stelle zum Blutsaugen. Daher stechen diese den Menschen besonders gerne in den Kniekehlen, zwischen den Beinen, unter den Armen sowie am Haaransatz. Nach rund sieben bis zehn Tagen ist die Zecke satt und sie lässt sich fallen. Entweder, um ins nächste Entwicklungsstadium überzugehen oder um Eier zu legen.

Wie gefährlich sind Zecken?

Beim Saugen geben die ungebetenen Gäste Speichel ab, der die Blutgerinnung des Opfers anregt. Damit können die Parasiten in Deutschland vor allem zwei Krankheiten auf den Menschen übertragen:

Borreliose

Borrelien sind schraubenförmige Bakterien. Geschätzt eine von 100 Personen leidet nach einem Zeckenstich an Borreliose. Häufig – nicht immer – zeigt sich nach dem Stich einer mit Borrelien infizierten Zecke eine Hautrötung. Diese sogenannte Wanderröte ist ein Warnsignal. Sollte sich nach einem Zeckenstich also eine ringförmige Hautentzündung um den Stich bilden, solltest du zum Arzt gehen. Der Arzt verschreibt dir in der Regel dann Antibiotika – die Gefahr der Borreliose ist gebannt. Leider gibt es keine Impfung gegen Borreliose. Borreliose ist schwierig zu erkennen. Eine Infektion kann viele Symptome nach sich ziehen: von Kopfschmerzen bis zu Nerven-, Gelenk- und Hirnhautentzündungen.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Zecken, die das FSME-Virus übertragen, leben nur in bestimmten Gebieten – dazu gehört der Süden Deutschlands. Wie gefährlich ist FSME? Die Mehrzahl der Betroffenen hat lediglich leichte Grippesymptome oder keinerlei Beschwerden. Doch einige Betroffene versterben oder erleiden irreparable Hirnschäden. 2019 erkrankten laut Robert-Koch-Institut (RKI) 444 Menschen in Deutschland. Bei zwei davon endete die Infektion tödlich. Wenn du in einem Risikogebiet – beispielsweise Baden-Württemberg oder Bayern – lebst oder Urlaub machst, kann du dich gegen FSME impfen lassen. Dies ist für alle sinnvoll, die sich gerne in Wald und Wiesen aufhalten. Nach der Grundimmunisierung ist die FSME-Impfung alle drei Jahre aufzufrischen.

Zeckenschutz

Vorsorge ist auch beim Zeckenschutz besser als Nachsicht. Hier unsere Tipps:

1. Zecken meiden

Die beste Zeckenprophylaxe: fernhalten! Nutze in Wald und Flur die Haupt- und Forstwege statt kleiner Pfade. Meide hohes Gras. Wenn du querfeldein gehst, kleide dich passend: Lange Hosenbeine und Ärmel sowie hochgeschlossene Schuhe verhindern das Andocken der Zecke. Auf heller Kleidung kannst du die krabbelnden Parasiten schneller finden. Kontrolliere nach Spaziergängen durch Gräser und Gebüsch Kleidung und Körper.  Zecken sterben erst bei einer 60-Grad-Wäsche ab. Besonders mögen Zecken dunkle, feuchte Orte, zum Beispiel Hautfalten. Oft finden sich Zecken in Kniekehlen, im Bereich von Bauch und Brust sowie an Kopf, Haaransatz oder Nacken.

2. Insektenabweisende Mittel auftragen

Du liebst die freie Natur? Dann lege dir am besten ein insektenabweisendes Mittel, ein Repellent, zu. Ein Repellent ist ein Wirkstoff, der von einem Organismus meist über den Geruchssinn wahrgenommen wird und der diesen zurückhält, ohne ihn zu töten. Dies liefert zuverlässigen Schutz gegen Stechmücken und Zecken. Halte dich an die Anweisung auf der Verpackung. Häufig muss Zeckenschutz alle ein bis drei Stunden erneuert werden, um sicher zu wirken.

3. Hausmittel gegen Zecken?

Wer „Dr. Google“ befragt, erhält zahlreiche Tipps rund um natürliche Zeckenabwehr. Von Kokos- über Schwarzkümmel- bis hin zu Teebaumöl. Der Haken: Die Mittel helfen nicht zuverlässig. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte zu speziellem Zeckenschutz aus der Apotheke greifen.

4. Haustiere vor Zecken schützen

Du hast Hund oder Katze, die von Zecken geplagt sind? Mit einem monatlichen Spot-on kannst du dafür sorgen, dass die Zecken sich nicht am Blut deines Gefährten verköstigen. Ein Spot-on sind flüssige antiparasitisch wirkende Tierarzneimittel, die an einer Stelle der Haut aufgetragen werden. Die Wirkstoffe verteilen sich dann entweder auf der Haut oder gelangen durch die Haut in den Organismus. So werden Parasiten abgeschreckt. Denn auch auf Tiere können Zecken Krankheiten übertragen – zum Beispiel Babesiose bei Hunden. Achtung: Zeckenmittel für Menschen können Tieren schaden – das gilt übrigens auch für Hausmittel. Sprich mit deinem Tierarzt über eine geeignete Prophylaxe.

Zecken richtig entfernen

Wie erkennt man einen Zeckenstich? Da er nicht schmerzhaft ist, fällt den meisten Menschen die Zecke als dunkler Punkt auf. Findest du eine Zecke, solltest du sie möglichst schnell entfernen, um das Risiko einer Borrelien-Infektion zu senken. Am besten nutzt du dafür eine Zeckenzange oder eine Zeckenkarte. Das sind praktische Hilfsmittel zum sicheren Entfernen einer Zecke. So gehst du vor:

  1. Greife die Zecke mit der Zeckenzange oder einer Zeckenkarte möglichst weit unten, um den Körper der Zecke nicht zu quetschen.
  2. Ziehe die Zecke senkrecht aus deiner Haut.
  3. Desinfiziere die Stelle nach dem Entfernen mit einem Desinfektionsmittel.

Hinweis: Du solltest eine Zecke nur im Notfall mit der Hand entfernen. Auf Reisen, insbesondere auf Wanderausflügen, solltest du immer eine Zeckenzange und Desinfektionsmittel dabeihaben, um eine Zecke schnell und sicher entfernen zu können.

Du fragst dich, was passiert, wenn die Zecke nicht ganz entfernt wird? Es kann passieren, dass Teile der Zecke in der Haut verleiben. Oft spricht man davon, dass der Kopf der Zecke zurückbleibt. Das ist aber ein Irrtum. Meist handelt es sich um den Stechapparat der Zecke. Bleibt ein Teil des Stechapparates in der Haut, wird dieser nach einiger Zeit von der Haut abgestoßen. Es ist nicht weiter gefährlich oder erhöht das Risiko einer Erkrankung mit Borreliose oder FSME-Viren, wenn der Stechapparat der Zecke in der Haut verbleibt.

Was ist nach einem Zeckenstich zu tun?

Suche bei unklaren Beschwerden deinen Hausarzt auf. Juckt ein Zeckenstich, kann dies ein Hinweis auf eine Infektion sein. Weitere Symptome, die du ärztlich abklären lassen solltest:

  • Fieber
  • Gelenkschwellungen
  • Rötungen
  • neurologische Symptome wie Schwindel
  • Unwohlsein, Abgeschlagenheit

Treten diese Symptome auf, ist ein Arztbesuch notwendig.
Wir wünschen eine sichere Zeit im Freien.

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