In Deutschland gelten strenge Waffengesetze. Wer Waffen kaufen und besitzen möchte, muss Anträge stellen und seine Eignung und Befähigung sowie die besondere Notwendigkeit für das Tragen einer Waffe nachweisen. Rechtlich ist zwischen dem kleinen und großen Waffenschein sowie der Waffenbesitzkarte zu unterscheiden.

Das deutsche Waffenrecht: Der „große“ und der „kleine“ Waffenschein

Das deutsche Waffengesetz (WaffG) kennt einen „kleinen Waffenschein“ und einen „großen Waffenschein“. Der kleine Waffenschein wird seit dem Jahr 2003 für das Führen von Gas-, Schreckschuss- und Signalwaffen in der Öffentlichkeit benötigt. Wo der Antrag gestellt wird, ist je nach Gemeinde unterschiedlich. Der Antrag kann z. B. bei der örtlichen Polizeidienststelle oder beim Gemeindeamt erfolgen.

Für den kleinen Waffenschein benötigen Antragsteller einen gültigen Personalausweis. Zudem muss eine Gebühr entrichtet werden. In München beträgt die Gebühr für den kleinen Waffenschein z. B. regelmäßig 100 Euro. Bis zur Ausstellung dauert es ca. vier Wochen.

Folgende Voraussetzungen und Regelungen sind zu beachten

Die Behörde führt nach dem Antrag auf einen kleinen Waffenschein eine Zuverlässigkeitsprüfung durch. Deren Umfang ist in § 5 WaffG festgelegt. Eingeholt werden demnach eine unbeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralregister, eine Auskunft aus dem zentralen staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister und eine Stellungnahme der örtlichen Polizeidienststelle.

Liegt eine einschlägige oder größere Vorstrafe vor oder sprechen andere Gründe gegen das Verleihen einer Erlaubnis, wird der Antrag auf den Waffenschein laut Gesetz abgelehnt. Solche anderen Gründe können z. B. das Vorliegen von Drogen- oder Alkoholproblemen sein.

Der große Waffenschein berechtigt dazu, erlaubnispflichtige Schusswaffen in der Öffentlichkeit zu tragen. Neben der bestandenen Zuverlässigkeitsprüfung müssen für diesen Waffenschein weitere Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu zählen insbesondere ein Sachkundenachweis und ein Nachweis über das Bedürfnis, eine Schusswaffe zu führen.

Gemäß § 7 WaffG „hat den Nachweis der Sachkunde erbracht, wer seine Prüfung von der dafür bestimmten Stelle bestanden hat oder seine Sachkunde durch eine Tätigkeit oder Ausbildung nachweist“. Umfang und Rahmen der Sachkundeprüfung können zwischen den verschiedenen Bundesländern variieren. In Bayern gibt es z. B. staatlich anerkannte Lehrgangsträger, auch Vereine und Verbände ermöglichen das Ablegen der Sachkundeprüfung.

Waffenscheine werden an Privatpersonen in Deutschland sehr selten herausgegeben. Der Grund dafür ist die strenge Auslegung des Bedürfnisnachweises. Zum Führen einer Schusswaffe in der Öffentlichkeit ist nur berechtigt, wer nachweislich besonders gefährdet ist UND diese Gefährdung durch das Tragen einer Schusswaffe signifikant reduzieren kann. Diese Anforderungen werden z. B. durch Werttransport- und Bewachungsunternehmer erfüllt.

Ausgenommen von den Vorschriften sind lediglich einzelne Personenkreise. Dazu gehören Mitglieder der Sicherheitsbehörden (Polizei, Zoll, Geheimdienst) sowie Jäger. Der Jagdschein berechtigt beispielsweise dazu, dass Waffen ohne Waffenschein getragen werden dürfen, wenn sie der Jagdausübung und damit verbundene Tätigkeiten dienen (z. B. Forstschutz, Ausbildung von Jagdhunden).

Waffenbesitzkarte: Rechte und Voraussetzungen

Die Waffenbesitzkarte ist vom Waffenschein zu unterscheiden. Eine Waffenbesitzkarte berechtigt zum Kauf und Besitz der eingetragenen Waffen, nicht aber zu deren Führung in der Öffentlichkeit. Die Voraussetzungen für eine Waffenbesitzkarte entsprechen denen des Waffenscheins. Allerdings reicht für die Bedürfnisprüfung der Nachweis über eine Tätigkeit als Sportschütze, Waffensammler etc.