Zu niedrige oder zu hohe Temperaturen am Arbeitsplatz können die Konzentration beeinträchtigen und sogar gesundheitsgefährdend sein. Gibt es einen Anspruch gegen den Chef auf eine Mindesttemperatur? Sieht das Arbeitsrecht eine Höchsttemperatur vor, oberhalb derer nicht mehr gearbeitet werden muss?

Arbeitsstättenregel regelt Temperaturen am Arbeitsplatz

Das Gesetz kennt keine genauen Höchst- oder Mindesttemperaturen für den Arbeitsplatz: § 618 Abs.1 BGB legt lediglich fest, dass Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer so weit wie möglich gegen Gefahren für Leben und Gesundheit schützen müssen.

Etwas detaillierter ist die Arbeitsstättenregel ASR A3.5. Diese empfiehlt minimale Raumtemperaturen für verschiedene Tätigkeiten. Je schwerer die Arbeit, desto niedriger fällt die empfohlene minimale Temperatur aus. So lauten die Empfehlungen:

  • schwere Arbeit: 12° C
  • mittelschwere Arbeit (Sitzen und Gehen): 17° C
  • leichte körperliche Arbeit (z. B. in Büros): 20° C

Für Pausen- und Bereitschaftsräume gilt eine empfohlene Mindesttemperatur von 21° C. Die ASR A3.5 versteht sich als Richtlinie ohne rechtliche Bindung und lässt Unternehmen Raum für individuelle Lösungen.

Zu kalt im Büro: Möglichkeiten für Arbeitnehmer

Ist es im Büro zu kalt, darf man trotzdem nicht einfach zuhause bleiben. Dann drohen arbeitsrechtliche Konsequenzen und im Ernstfall sogar die Kündigung. § 273 BGB sieht Fernbleiben nur als Option vor, wenn ein konkretes Gesundheitsrisiko besteht. Arbeitnehmer sollten deshalb zunächst das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber und bei Bedarf mit dem Betriebsrat suchen.

Grundsätzlich sollte der Arbeitgeber ein Interesse an einer angemessenen Temperatur an den Tag legen. Schließlich gehen sehr unangenehme Temperaturen zwingend mit einem Konzentrations- und damit auch Produktivitätsverlust einher. Lässt sich der Vorgesetzte nicht darauf ein, können Angestellte mit konkreten Gesundheitsrisiken argumentieren – etwa, weil eine zu niedrige Raumtemperatur im Büro mit einem stark erhöhten Erkältungsrisiko einhergeht.