Lesezeit: 6-7 Minuten

Urlaub mit dem Wohnmobil verspricht ein Höchstmaß an Flexibilität, Freiheit und Individualität. Doch vor der ersten großen Reise gibt es einiges zu berücksichtigen. Als Wohnmobilfahrer benötigst du die richtige Fahrerlaubnis und solltest alle relevanten Regelungen bezüglich Zulassung, Parkerlaubnis, Beladung etc. kennen. Die ersten Urlaube im Wohnmobil solltest du mit einem Mietmodell unternehmen, um Camping mit all seinen Freiheiten, Schönheiten aber auch Nachteilen kennen zu lernen. Zu einem späteren Zeitpunkt kann sich auch der Kauf eines Wohnmobils lohnen.

Diese Gesetze und Vorschriften musst du beim Urlaub mit dem Wohnmobil beachten
Urlaub mit dem Wohnmobil liegt im Trend. Die Zahl der Wohnmobile in Deutschland wächst seit mehr als zehn Jahren – und zwar immer schneller. 2021 dürfte es in Deutschland rund 675.000 Wohnmobile geben. 2009 waren es noch rund 325.000.

Wer sich für einen Urlaub mit dem Wohnmobil entscheidet, erhofft sich räumliche Unabhängigkeit, maximale Flexibilität und mittlerweile auch ein Stück weit fahrbaren Komfort. Doch bevor du deinen ersten Trip mit dem Wohnmobil antrittst, solltest du einen Blick auf die Gesetze und Vorschriften werfen, die für diese Fahrzeuge gelten.

Führerschein für Wohnmobil: Was gilt?

Es gibt keinen speziellen Wohnmobilführerschein. Wer einen alten Führerschein der Klasse 3 besitzt (diese Fahrerlaubnis wurde vor 1999 ausgestellt), darf Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 7,5 t bewegen. Fahrzeuggespanne dürfen sogar bis zu ca. 18,5 t wiegen (mehr geht fahrzeugrechtlich nicht). Mit diesen Führerscheinen lässt sich jedes Wohnmobil fahren.

Achtung: Wer älter als 50 Jahre ist, muss sich auf Gespanne mit einem Gesamtgewicht von 12 t (und wiederum ein Zugfahrzeug mit maximal 7,5 t) beschränken. Um mehr bewegen zu dürfen, sind der Führerschein der Klasse B mit der Erweiterung CE79 sowie alle fünf Jahre ein Sehtest erforderlich.

Anders verhält es sich mit einem Führerschein der Klasse B (ausgestellt ab 1999). Diese Fahrerlaubnis gestattet das Bewegen von Fahrzeugen bis zu einer Gesamtmasse von lediglich 3,5 t. Ein Anhänger bis 750 kg ist erlaubt, wenn das Gesamtgewicht aus Zugfahrzeug und Anhänger 3,5 t nicht überschreitet. Für die überwiegende Mehrheit der Wohnmobile reicht diese Fahrerlaubnis aus.

Wer die Erlaubnis der Klasse B erweitern möchte, kann mit einer eintägigen Schulung ohne Fahrprüfung den Zusatz B96 in den Führerschein eintragen lassen. Dann erhöht sich das zulässige Gesamtgewicht auf 4,25 t (maximal 3,5 t schweres Zugfahrzeug).

Für die Fahrerlaubnis der Klasse BE musst du dagegen eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen. Mit dieser Fahrerlaubnis darfst du neben einem 3,5 t schweren Zugfahrzeug auch einen bis zu 3,5 t schweren Anhänger ziehen. Inklusive Prüfungsgebühren musst du mit Kosten ab ca. 800 EUR aufwärts rechnen.

Wohnmobil anmelden und Kennzeichen erhalten: So geht es

Wenn du ein Wohnmobil anmelden möchtest, musst du die Zulassungsstelle aufsuchen wie bei der Anmeldung eines Pkws oder eines Motorrads. Für die Anmeldung benötigst du einige Dokumente. Neben einem amtlichen Ausweisdokument musst du die Zulassungsbescheinigung Teil II, die Versicherungsbestätigung (eVB Nummer) sowie bei mehr als drei Jahre alten Fahrzeugen eine Bescheinigung über Haupt- und Abgasuntersuchung (TÜV) vorlegen.

Außerdem benötigst du die sogenannten COC Papiere. Diese werden auch als EG-Typgenehmigung bezeichnet. COC steht für "Certificate of Conformity", auf deutsch Konformitätsbescheinigung. Es handelt sich um eine Bescheinigung, die dir der Hersteller beim Kauf aushändigen muss. Mit den COC Papieren erbringt der Hersteller den Nachweis darüber, dass ein Fahrzeug allen Normen der EU entspricht. Die Papiere sind häufig mit der Bezeichnung EG Übereinstimmungsbescheinigung überschrieben. Bestandteil der COC Papiere sind zum Beispiel Maße und Gewicht, Verbrauchs- und Schadstoffwerte, Reifengröße etc.

War dein Wohnmobil zwischenzeitlich abgemeldet, solltest du auch die Abmelde- bzw. Stilllegungsbescheinigung mit zur Zulassungsstelle nehmen.

Die Zulassung inklusive Wohnmobilkennzeichen kostet ca. 100 EUR.

Ein Tipp: Auch für Wohnmobile gibt es Saisonkennzeichen. Mit diesen lässt du das Fahrzeug nur für einen bestimmten Zeitraum im Jahr zu. Möglich sind 2-11 Monate. Außerhalb des Zulassungszeitraums musst du dein Wohnmobil dann durchgängig auf einem privaten Stellplatz parken. Dafür sparst du bei Kfz-Steuer und -versicherung.

Wohnmobil und parken: Das musst du wissen

Wohnmobile nehmen auf der Straße mehr Platz ein – auch beim Parken. Wenn du dein Wohnmobil für einen längeren Zeitraum am Straßenrand parkst, könnte es zu Beschwerden seitens der Anwohner kommen. Grundsätzlich gilt jedoch: Parken am Straßenrand ist auch für Wohnmobile prinzipiell erlaubt. Einschränkungen gelten in der Regel nur für Fahrzeuge mit einem Gesamtgewicht von mehr als 7,5 t.

Gerade in Wohngebieten mit knapp bemessenem Raum musst du jedoch einige Grundregeln der Straßenverkehrsordnung beachten. Die StVO verlangt, dass trotz deines geparkten Wohnmobils die Durchfahrt eines Fahrzeugs weiterhin möglich sein muss. Dabei musst du von der maximalen Fahrzeugbreite von 2,55 m und einem Sicherheitsabstand von 0,5 m ausgehen.

Besondere Vorsicht ist beim Parken gegenüber Einfahrten geboten. Du musst dem Grundstücksnutzer mindestens 3,5 Meter Platz lassen, damit er seine Einfahrt nutzen kann. Du darfst zudem die Parkflächenmarkierung nicht überschreiten und zumeist auch dann nicht auf Gehwegen parken, wenn dies vor Ort gestattet ist. Das Parken auf Gehwegen gilt ausschließlich bis zu einem Fahrzeuggewicht von 2,8 t.

Wie lange darf ein Wohnmobil an der Straße stehen? Parkst du dein Wohnmobil gemäß den Regeln der StVO, gibt es grundsätzlich keine zeitliche Obergrenze. Allerdings können Kommunen davon abweichende Regeln festlegen.

Achtung: Nutzt du ein Wohnmobil mit Saisonkennzeichen, darf es außerhalb des Zulassungszeitraums nicht am Straßenrand, sondern nur auf privatem Grund geparkt werden. Falls du nicht selbst über einen Stellplatz verfügst, musst du einen Stellplatz anmieten.

Gewicht, Beladung und Höchstgeschwindigkeit im Wohnmobil

Bevor du mit deinem Wohnmobil einen Urlaub startest, solltest du dir Gedanken um die Beladung machen. Verständlicherweise möchtest du in deinen individuellen Urlaub möglichst viele Dinge mitnehmen. Bedenke jedoch, dass du dein Wohnmobil nur bis zu einer bestimmten Gewichtsobergrenze beladen darfst.

Wiegt dein Wohnmobil in fahrbereitem Zustand ohne Insassen und Gepäck zum Beispiel 3,0 t, kannst du weitere 500 Kilo hinzuladen. In diesem Gewicht sind sämtliche Insassen und Gepäckstücke enthalten. Beträgt das zulässige Gesamtgewicht 3,5 t, darfst du diesen Wert insgesamt nicht überschreiten.

Wie steht es um die Höchstgeschwindigkeit im Wohnmobil? Wiegt ein Fahrzeug bis zu 3,5 t, gelten dieselben Regeln wie für einen Pkw. Bei Wohnmobilen mit einem Gewicht von 3,5-7,5 t gilt außerorts eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h und auf Autobahnen von 100 km/h.

Kaufen oder mieten: Was kostet ein Wohnmobil?

Was kostet ein Wohnmobil, wenn du es kaufst? Dies hängt genauso wie bei gewöhnlichen Pkw maßgeblich von Marke, Modell und Ausstattung ab. Ein neues Wohnmobil mit einer Grundausstattung an Zubehör kostet ca. 40.000 EUR. Für diesen Preis kannst du Modelle im unteren und mittleren Preisbereich kaufen. Die modernen Baureihen der großen Hersteller mit gehobener Ausstattung kosten schnell 100.000 EUR und mehr.

Gebrauchte Wohnmobile älteren Jahrgangs kannst du mit etwas Glück schon für einige tausend Euro erwerben. Doch auch ältere Modelle bewegen sich leicht im unteren und sogar mittleren fünfstelligen Preisbereich. Es gibt eine Vielzahl an Faktoren, die den Preis beeinflussen.

Vor allem, wenn du zum ersten Mal eine Reise mit dem Wohnmobil planst, solltest du auf eine Mietlösung setzen. Schließlich solltest du zunächst herausfinden, ob der Urlaub im Wohnmobil wirklich zu dir passt. Die Mietpreise richten sich nach Marke, Größe, Ausstattung und Alter des Modells. Auch die Saison spielt eine Rolle. In der Hauptsaison solltest du mit 150 EUR Mietkosten pro Tag rechnen.

Ob Miete oder Kauf günstiger sind, hängt nicht zuletzt von der Häufigkeit und der Saison der Nutzung ab.

Wohnmobil kaufen: Laufende Kosten für Steuern und Versicherung

In der Miete sind laufende Kosten wie Steuern und Versicherung bereits enthalten. Für ein gekauftes Wohnmobil gilt dies nicht.

Die Kfz-Steuer richtet sich nach zulässigem Gesamtgewicht und Abgasemissionen. Für ein neues Wohnmobil mit maximal 3,5 t Gesamtgewicht musst du mit jährlichen Kfz-Steuern in Höhe von 240 EUR rechnen.

Eine Kfz-Haftpflichtversicherung ist für Wohnmobile ohnehin vorgeschrieben. Sinnvoll ist zusätzlich eine Kaskoversicherung. Bedenke, dass Wohnmobile in letzter Zeit häufiger gestohlen werden oder durch Vandalismus in Mitleidenschaft gezogen werden.

Die Kosten der Kaskoversicherung richten sich nach dem Wert des Fahrzeugs und einigen weiteren Aspekten. So spielen der jeweilige Tarif und seine Deckung eine wesentliche Rolle. In jedem Fall ist ein Vergleich verschiedener Angebote empfehlenswert.

Für dein Wohnmobil musst du mit einigen weiteren Kosten rechnen. Dazu gehören der Wertverlust, TÜV Untersuchungen sowie Wartungen und Reparaturen. Langfristig muss auch ein Austausch der Batterie (ab ca. 300 EUR) erfolgen. Die Kosten für einen überdachten Stellplatz musst du gegebenenfalls zusätzlich tragen.

Zusammenfassung und Fazit

Mit der richtigen Vorbereitung wird dein Urlaub im Wohnmobil ein Erfolg. Achte auf den richtigen Versicherungsschutz, eine korrekte Beladung und das Einhalten aller Vorgaben der StVO – dann steht einer erholsamen Reise nichts im Wege. Bedenke, dass dein Besitz beim Camping verschiedenen Risiken ausgesetzt ist.

Mit einer speziellen CampingversicherungCampingversicherung kannst du Gegenstände wie Vorzelte, Satellitenschüsseln oder Sonnenkollektoren gegen verschiedene Risiken schützen.

Die Campingversicherung bietet grenzübergreifenden Versicherungsschutz für stationäre Wohnwagen und Vorzelte

Alle Journal-Artikel