Lesezeit: 4-5 Minuten

Soziale Medien haben viele Vorteile. Sie verbinden uns mit Freunden und Verwandten, verlinken auf interessante Artikel und Informationen und laden alle zum Mitmachen ein. Manche Menschen verhalten sich jedoch, als gäbe es im virtuellen Miteinander keine Regeln. Aber das ist falsch. Wer sich auf Facebook, Twitter, Youtube & Co. im Ton vergreift und einen Hasskommentar postet, muss mit Folgen rechnen. Wir sagen dir, wo bei Kommentaren im Internet die Grenzen sind, welche Strafen drohen und wie sich Opfer zur Wehr zu setzen können.

Hasskommentare im Netz nehmen zu

Die Corona-Pandemie hat nicht nur unser Gesundheitssystem und das Leben vieler Menschen stark verändert. In der Corona-Krise ist auch der Ton im Internet schärfer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forsa-Instituts über „Hate Speech im Internet“ im Auftrag der Landesmedienanstalt Nordrheinwestfalen. Dabei sind längst nicht nur Menschen betroffen die wie Politiker in der Öffentlichkeit stehen.

In der Umfrage geben drei von vier Menschen in Deutschland an, im Netz schon einmal Hass direkt erlebt zu haben. Damit einhergehend betrachten immer mehr Menschen die Verschärfung des Tons im Internet als Problem. Diese Mehrheit fordert die Gesellschaft dazu auf, gegen die Hetze im Internet schärfer vorzugehen. Vier von fünf Befragten sind der Überzeugung, dass Verfasser eines Hasskommentars strafrechtlich verfolgt werden sollten.

Was ist ein Hasskommentar?

Ein Hasskommentar ist eine Aussage, mit der eine Gruppe oder ein einzelner Mensch angegriffen und bewusst abgewertet und mit Worten verletzt wird. Du kannst einen Hasskommentar oft daran erkennen, dass er im Gegensatz zu einer legitimen Meinungsäußerung nicht begründet ist. Er fällt ein Urteil, ohne dafür vernünftige Argumente anzugeben. Viele Hasskommentare sind zudem gewaltverherrlichend und beinhalten Vorurteile über eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe wie Frauen, Migranten, Juden, Muslime oder Homosexuelle.

Wann wird ein Hasskommentar ein Fall für die Polizei und den Staatsanwalt?

Für das Wort „Hasskommentar“ gibt es keine exakte juristische Definition. Das liegt daran, dass in Deutschland das Recht auf Meinungsfreiheit eine sehr große Bedeutung hat. Deshalb muss nicht jede Bemerkung, die ein Mensch subjektiv als beleidigend empfindet, gleich ein Fall für eine Anzeige bei der Polizei sein. Es spielt übrigens rechtlich keine Rolle, ob eine Aussage im Netz oder im „echten Leben“ getätigt wurde. Egal, ob du im Internet oder auf der Straße unterwegs bist, es gelten immer die gleichen Regeln. Eine straf- oder zivilrechtliche Grenze wird immer dann überschritten, wenn eine Aussage die Menschenwürde oder das Persönlichkeitsrecht eines anderen Menschen verletzt oder ein Straftatbestand wie Volksverhetzung vorliegt.

Warum gibt es im Internet so viel Hate Speech?

Menschen haben sich schon immer abwertend und verletzend über andere Menschen geäußert. Das Internet hat diese Tendenz zusätzlich verstärkt. Bei der zunehmenden Häufung von „Hate Speech“ (englisch für Hasskommentare) haben vor allem soziale Medien wie Facebook, Instagram, YouTube und Twitter eine entscheidende Rolle gespielt. Forscher sprechen von einem Online-Enthemmungs-Effekt.

Was ist damit gemeint? Dieser Effekt beschreibt die Tatsache, dass viele Menschen bei Auseinandersetzungen in Chats, Diskussionsforen und auf Social-Media-Plattformen ungehemmter auftreten, als sie das im direkten Kontakt mit einem anderen Menschen tun würden. Psychologen führen das darauf zurück, dass bei der Kommunikation im Internet das direkte Gegenüber fehlt. Es gibt keinen Augenkontakt und die Mimik und Gestik von anderen wird nicht gesehen. Außerdem denken viele Menschen, dass sie im Internet wie in einem Spiel in eine Rolle schlüpfen würden. In dieser Rolle fühlen sie sich unbeobachtet und meinen, sie könnten deshalb anderen Regeln folgen als im „wahren Leben“.  

Welche Folgen haben Hasskommentare für die Betroffenen?

Wer im Internet einen beleidigenden Kommentar schreibt, meint oft, dies seien ja „nur“ Worte, die andere Menschen nicht verletzten könnten. Das ist jedoch falsch. Zum einen kann ein Hasskommentar im Internet andere Menschen zu Gewalt und anderen schlimmen Taten anstacheln. Zum anderen verletzen Hasskommentare die psychische Gesundheit ihrer Opfer massiv. Viele Opfer von Hasskommentaren leiden unter Stress, Angst und körperlichen Beschwerden. Hasskommentare führen bei vielen Betroffenen zu Selbstwertproblemen und Depressionen.

Welche Strafen drohen bei einem Hasskommentar?

Ein Hasskommentar kann verschiedene Straftatbestände erfüllen. Bei Hasskommentaren können Volksverhetzung, Beleidigung, Verleumdung, Nötigung oder Bedrohung zur Anklage kommen. Diese Straftatbestände werden laut Strafgesetzbuch alle unterschiedlich bestraft. So können für Volksverhetzung oder die Anstachelung zu einer Straftat bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug verhängt werden. Bei Bedrohung, Beleidigung oder Verleumdung sehen die Gesetze mehrmonatigen Freiheitsentzug und hohe Geldstrafen vor. Dabei hängt es vor Gericht in vielen Fällen davon ab, in welchem konkreten Zusammenhang eine Aussage getätigt wurde.

Was kann ich tun, wenn ich im Internet beleidigt werde?

Opfer von Hasskommentaren erhalten oft den Ratschlag, sich einfach ein dickes Fell zuzulegen und den Computer am besten ganz auszuschalten. Das ist aber keine Lösung. Weder sollten wir denjenigen den Kommunikationsraum in den sozialen Medien überlassen, die es auf Hetze und Hass abgesehen haben. Noch sollten sich Opfer von Ihren Peinigern einschüchtern und mundtot machen lassen. Wenn du im Internet beleidigt wirst, musst du immer aktiv werden.

Bei einem kleineren Vorfall kann es ausreichen, den „Hater“ einfach über die Einstellungen zu blockieren und den Kommentar zu löschen. Innerhalb eines Forums oder auf einer Plattform wie Facebook kannst du den Vorfall auch melden und damit an den Anbieter übergeben.

Hast du das Gefühl, dass du oder eine Gruppe durch einen Hasskommentar massiv beleidigt wirst, solltest du den Vorfall zur Anzeige bringen. Bist du selbst betroffen, schalte am besten einen Anwalt ein. Hasskommentare, die den Tatbestand der Volksverhetzung, Beleidigung, üblen Nachrede oder Verleumdung Dritter erfüllen, kannst du an eine Meldestelle übermitteln, die den Vorfall genau prüft und den Verfasser oder die Verfasserinnen gegebenenfalls anzeigen.

Wo bekommen ich bei Hasskommentaren weitere Hilfe?

Diese gemeinnützigen Stellen unterstützen Menschen bei Hasskommentaren:

  • respect! – Die Meldestelle gegen Hetze im Netz: Hier können Hasskommentare gemeldet werden, die gegen deutsches Recht verstoßen. respect! beantragt gegebenenfalls beim Netzwerkbetreiber die Löschung des Beitrags und bringt den Vorfall zur Anzeige.
  • Hassmelden: Diese Seite bringt strafrechtlich relevante Hasskommentare in Zusammenarbeit mit der Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt am Main zur Anzeige.
  • Hate Aid: Beratungsstelle, die Betroffene von digitaler Gewalt in Deutschland unterstützt. Außerdem findest du hier viele interessante Artikel zum Thema.

Zusammenfassung:

Hasskommentare sind ein weit verbreitetes Übel im Internet. Sie beleidigen und verunglimpfen einzelne oder Gruppen und können im Extremfall einen Straftatbestand darstellen. Gegen Hasskommentare im Netz sollten wir immer aktiv vorgehen. Dafür kannst du auf verschiedene Hilfsangebote zurückgreifen.

Dein starker Partner gegen Beleidigungen und mehr: die ADVOCARD-Rechtsschutzversicherung

Mit ADVOCARD-360°-PRIVAT umfassend gegen Rechtsstreitigkeiten im privaten Umfeld absichern

Alle Journal-Artikel