basische Ernährung

Die moderne, hektische Lebensweise bringt es mit sich, dass viele Menschen vermehrt zu Fertiglebensmitteln, schnellem Essen und anderen ungesunden Lebensmitteln greifen. Wie viele Ernährungswissenschaftler betonen, ist zum Beispiel der Konsum von Fleisch und Zucker in Deutschland im Durchschnitt zu hoch. Zudem sind wir heute deutlich mehr Stress ausgesetzt als etwa unsere Vorfahren in den 1950er-Jahren.

Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist dabei eine Ernährungslehre populär geworden, die davon ausgeht, dass diese (vor allem westliche) Lebens- und Ernährungsweise zu überschüssigen Säuren im Körper führt, weil die Nieren ihrer regulativen Funktion aufgrund von Überlastung immer weniger nachkommen können . Die Vertreter dieser Ernährungslehre führen an, dass ein solcher Ernährungssstil zunächst eine latente (verborgene) Übersäuerung und schließlich eine chronische Übersäuerung (Azidose) zur Folge hat, da dadurch der pH-Wert im Blut im bedrohlichen Maße absinkt. Dies macht sich, so die Schlussfolgerung, zunächst in unspezifischen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Müdigkeit bemerkbar, kann dann zu Phänomenen wie Akne, Allergien, Migräne und Haarausfall führen, schließlich aber auch zahlreiche ernsthafte Krankheiten wie Arthrose, Gicht, Herzerkrankungen oder Krebs zur Folge haben, um nur einige anzuführen. Es geht deswegen logischerweise darum, diesem Prozess entgegenzuwirken und das Säure-Basen-Gleichgewicht im Körper wieder herzustellen, indem gezielt basische Lebensmittel konsumiert werden. Im Folgenden finden Sie nähere Informationen dazu.

Basische und säurebildende Lebensmittel

Gemäß der basischen Ernährungslehre gibt es drei Gruppen von Nahrungsmitteln: basische, säurebildende und neutrale.

Zu den basischen Lebensmitteln gehören die meisten Obst- und Gemüsesorten. Beispiele hierfür sind Kartoffeln, Blattgemüse, Kräuter, Pilze, Mandeln, Trockenobst, Wasser und ungesüßte Kräutertees. Säurebildend sind hingegen vor allem eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst, Käse, Fisch und Eier, aber auch Genussmittel wie Kaffee, Süßgetränke oder Schwarztee. Weißmehlprodukte und raffinierter Zucker gelten ebenfalls als säurebildend. Neutrale Lebensmittel sind etwa die meisten Fette, wobei in der Küche hochwertige pflanzliche Öle oder Bio-Butter zu bevorzugen sind.

Zudem wird zwischen „guten“ und „schlechten“ Säurebildner unterschieden. Ein gewisses Maß an Säure ist demnach für die Gesundheit notwendig, jedoch sollte man diesen Bedarf vorwiegend mit Vollkorngetreide, Pseudogetreide wie Amaranth oder Quinoa und Tofu decken und außerdem Produkte wie Fertiglebensmittel, Milcherzeugnisse oder stark verarbeitete Soja-Erzeugnisse meiden. Im Idealfall sollte man eine streng basische Ernährung praktizieren, die für die meisten Menschen aber im Alltag schwer umzusetzen ist. Deswegen spricht man in letzter Zeit häufiger von „basenüberschüssiger Ernährung“, was eine etwas entschärftere Variante des gleichen Grundgedankens darstellt. Damit sollen nicht nur ernsthafte Erkrankungen verhindert werden, sondern wir sollen uns auch wohler, fitter, lebenslustiger und vitaler fühlen und außerdem leistungsfähiger werden. Denn neben einer basischen Ernährung stehen im Zuge dieser Lebensweise auch mehr Bewegung, Fitness und ein gesunder Lebensstil auf dem Programm.

Als Richtwert gilt, dass etwa 70 bis 80 Prozent der verzehrten Lebensmittel basisch und circa 20 bis 30 Prozent säurebildend sein sollten. Im Gegenzug geht man davon aus, dass rund 50 Prozent der Bevölkerung in Deutschland durch eine falsche Ernährungsweise übersäuert ist und deswegen dringend einer Ernährungsumstellung nach oben genannten Prinzipien sowie einer zusätzlichen Zufuhr an basischen Mineralien bedarf. Die drastische Zunahme an Zivilisationserkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes Typ 2, erhöhten Cholesterinwerten etc. sei damit zu erklären, so die Theorie. Auch Krankheiten wie Osteoporose (Knochenschwund) seien damit erklärbar, weil zum Beispiel der Oberschenkelhalsknochen durch die chronische Übersäuerung auf Dauer zu viel Kalzium verliere und deswegen porös werde. Die Folge sind vermehrte Knochenbrüche.

Vertreter der basischen Ernährungslehre unterstreichen zudem, dass dem Körper zusätzlich basische Mineralstoffe wie Kalzium oder Magnesium zugeführt werden sollten, um das Säure-Basen-Gleichgewicht aufrecht zu erhalten. Außerdem würden viele Menschen durch chronische Übersäuerung an einem Mangel an notwendigen Spurenelementen und Mineralien leiden. Aus diesem Grund sind zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit sogenannten basischen Mineralien auf dem Markt erhältlich. Dabei handelt es sich vor um Citratsalze, die es in Form von Pulver zu unterschiedlichen Preisen zu kaufen gibt. Hintergrund ist die Annahme, dass der moderne (westliche) Mensch vermehrt Umweltgiften, den Angriffen freier Radikaler (aggressiver Sauerstoffverbindungen, die im Verdacht stehen, ernste Krankheiten zu verursachen), Bewegungsmangel, einer stressbehafteten Lebensweise und anderen abträglichen Faktoren ausgesetzt ist, was zusätzlich zur Übersäuerung des Körpers beiträgt. Die genannten Nahrungsergänzungsmittel sollen dem (neben einer basischen Ernährung) unterstützend entgegenwirken.

Wissenschaftliche Belege für die basische Ernährung

Was aber ist nun von der basischen Ernährungslehre zu halten?

Tatsächlich kennt auch die Schulmedizin das Phänomen der Azidose, der Übersäuerung des Körpers. Davon spricht man, wenn der pH-Wert im Blut unter 7,36 sinkt, also saurer wird. Dies kann zum Beispiel eine Folge von Diabetes oder Alkoholismus sein, aber auch Organschäden wie Nierenversagen oder Asthma bronchiale kommen als Ursache in Frage. Eine Azidose ist ein medizinischer Notfall und dringend behandlungsbedürftig. Es ist ebenfalls unumstritten, dass vor

allem eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch und Wurst säurebildend sind und deswegen nur in Maßen verzehrt werden sollten.

Jedoch unterstreichen Anhänger der basischen Ernährung, dass auch viele andere Nahrungsmittel säurebildend sind und ein Großteil der Bevölkerung demzufolge übersäuert ist und krank wird. Dafür gibt es nach Meinung der Schulmedizin (noch) keine Belege. Auch wird von der Schulmedizin in Frage gestellt, ob tatsächlich viele Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes oder Gicht auf eine Übersäuerung des Körpers zurückzuführen sind, wie Vertreter der basischen Ernährung behaupten, denn denkbar sind auch zahlreiche andere Ursachen und Auslöser. Kritisiert wird unter anderem auch, dass Anhänger der basischen Ernährung den pH-Wert im Urin messen, um eine Übersäuerung des Körpers festzustellen. Dieser pH-Wert unterliegt aber im Laufe des Tages großen Schwankungen, weswegen eigentlich der pH-Wert im Blut gemessen werden müsste, um eine Azidose verlässlich diagnostizieren zu können.

Wissenschaftlich untermauert ist die Theorie vom ausgeglichen Säure-Basen-Haushalt des Körpers als Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden deswegen nicht. Allerdings hat diese Ernährungslehre viele Anhänger, die sich sicher sind, dass dies ein probater Weg ist, um gesund zu bleiben. Unter dem Strich lässt sich außerdem festhalten, dass die basenüberschüssige Ernährung mit viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch, Fertiglebensmitteln und Genussgiften wie Koffein oder Alkohol sicher nicht schädlich ist und einige Vorteile aufweist. Ob dies allerdings tatsächlich der Schlüssel zu Gesundheit und einem langen Leben ist, muss erst noch bewiesen werden.

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