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Neuroathetik ist eine relativ junge Methode des Athletiktrainings. Sie betrachtet das Gehirn als zentrale Steuereinheit jeglicher körperlichen Aktivität. „Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer oder Beweglichkeit sind in erster Linie Fähigkeiten des Gehirns“, schreibt der bekannteste deutsche Neuroathletiktrainer Lars Lienhard. Physisches Training beginnt im Gehirn, „der Körper führt dieses dann nur aus“. Lienhard machte das Trainingskonzept, das der amerikanische Athletiktrainer Eric Cobb zu Beginn der 2000er-Jahre entwickelte, im deutschen Spitzensport bekannt. Bei der Fußballweltmeisterschaft 2014 gehörte er zum Trainerteam der siegreichen deutschen Nationalmannschaft, Vereine und Spieler der Fußballbundesliga, Rennrodler und Sprinter befolgen Lienhards Ratschläge, hören auf Trainer wie den Ex-Skispringer Marc Nölke, Sportwissenschaftler Martin Weddemann, Physiotherapeut Gregor Comploi oder den ehemaligen Nordischen Kombinierer Steffen Tepel.

Die Perspektive wechseln: Das Gehirn steuert den Körper

Für Spitzensportler ebenso wie für Freizeitathleten beginnt neuroathletisches Training mit Gehirnkunde. Alle neurologischen und neurozentrierten Prozesse wie Bewegung und Schmerzwahrnehmung werden durch das Gehirn koordiniert. Unsere Schaltzentrale bestimmt auch, wie stark, schnell, beweglich oder ausdauernd der Körper ist. Die Neuroathletik versucht vor allem, Probleme zu bewältigen und Beschwerden zu überwinden, Minderleistungen können auf eine Schwächung des Gehirns zurückgehen.

Eine Stärkung ist erreichbar, weil das Gehirn neuroplastisch ist, das heißt, dass es sich verändern, optimieren und anpassen kann. Beim neurozentrierten Training wird versucht, Gehirn, Nervensystem und Muskeln besser zu vernetzen. Die Fachleute sprechen von Sensory Priming, bei dem bestimmten Hirnbereichen ein gezielter starker Reiz vermittelt wird.

Ziel der Neuroathletik im Hochleistungsbereich ist es ebenso, die schützenden Reflexe des Gehirns quasi zu umgehen. Die jeweilige Analyse basiert auf der Erkenntnis, dass das Gehirn zu Gefahrenbewältigung eingreift. Werden die eingehenden Informationen als verunsichernd eingestuft, ergreift der Körper Maßnahmen, die die Leistungsfähigkeit des Athleten mindern oder sogar blockieren können.

Die entsprechenden Informationen erlangt das Gehirn durch die drei bewegungssteuernden Systeme des Körpers: durch das visuelle System, sprich über die Augen, durch das vestibuläre System, gemeint ist das Gleichgewichtsempfinden, sowie durch das propriozeptive System, das die Selbstwahrnehmung des Körpers im Raum aufnimmt. Diese drei bilden den Input, der im Gehirn analysiert und zusammengefasst wird. Ein Mangel beim Input, so die Erkenntnis der Neuroathletik, begrenzt den Output, führt zu physischen Einschränkungen.

Die Leistung optimieren durch Brain Work

Neuroathletik hilft im Spitzensport, um das Potenzial der Profis auszuschöpfen und zu erweitern, Asymmetrien und Dysbalancen aufzuheben. Die sichtbaren Erfolge haben auch Freizeitathleten ermutigt, sich mit Neuroathletik zu beschäftigen. Wer die Grenzen seiner Belastbarkeit verschieben möchte oder an immer denselben Schmerzen leidet, kann durch gezielte Stimulation des Gehirns Verbesserungen und Lösungen erreichen. Die Betonung liegt auch „kann“, denn jeder Neuroathletiktrainer verweist darauf, dass jedes Nervensystem individuell ausgebildet ist und eigene Wege geht, jede Sportlerin, jeder Sportler hat sein eigenes neuronales Profil und sehr individuelle Probleme bei In- und Output.

Beim Workout die Bewegungsqualität verbessern

Der Neuroathletik-Pionier Lars Lienhard hat mehrere Bücher herausgebracht, in denen individuelle Erhebungen beschrieben werden, wie das Gehirn und das zentrale Nervensystem auf einen Stimulus reagieren. Die sogenannten Assessments liefern gute Hinweise auf die unmittelbare Wirkung der Übungen – und helfen dabei, ein eigenes Trainingsprogramm zu entwickeln.

Einfach mal das körperliche Wohlbefinden bessern, auch das geht mit Neuroathletik.

  • Die Hände mobilisieren mit Kreisen der Finger oder des Handgelenks.
  • Das Gleichgewichtsempfinden aktivieren mit Kopfbewegungen wie Nicken und Kopfschütteln.
  • Die Augenmuskeln trainieren durch Augenkreisen. Außerdem einen Finger anschauen und diesen langsam näher zur Nase führen, sodass sich die Augen zum Schielen kreuzen.

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