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Auf den ersten Blick sind Marder putzige kleine Wesen. Dabei zählen sie zu den Raubtieren. Ihre spitzen Zähne sind nicht nur bei Mäusen und Kaninchen gefürchtet. Auch Autofahrern kann durch Marderbiss an Kabeln und Leitungen im Motorraum großer Schaden entstehen. In diesem Artikel erklären wir dir, wann du dich als Autofahrer vor Mardern unter deiner Motorhaube in Acht nehmen musst und wie du gegen Marderbiss vorbeugen kannst.

Wie kommt es zu Marderbissen an Kabeln?

Kabel und andere Autoteile stehen nicht auf der Speisekarte von Mardern. Deshalb stellt sich die Frage, warum sich Autobesitzer trotzdem vor ihnen in Acht nehmen sollten. Um das zu verstehen, musst du ein paar Dinge über die Lebensgewohnheiten dieser Tiere wissen.

Marderbisse gehen fast immer auf Steinmarder zurück. Diese Unterart der Marder sind sogenannte Kulturfolger. Sie sind also nicht mehr nur in ihrer natürlichen Umgebung wie Mischwäldern und steinigen Naturräumen zu Hause, sondern haben ihren Lebensraum auf menschliche Siedlungsbereiche ausgedehnt. Dabei haben sie sich im Laufe der Jahre immer besser an die von Menschen geschaffenen Lebensräume angepasst. Mittlerweile fühlen sich Steinmarder auch in großen Städten wohl, gerade in der Nähe von Parks und Grünflächen.

Marder sind nachtaktive Einzelgänger. Die Männchen haben eigene Reviere. Sie bauen sich in diesen Revieren eine größere Anzahl von Verstecken und Rückzugsräumen auf. Damit diese Orte nicht von männlichen Rivalen übernommen werden, hinterlassen die Marder dort Markierungen in Form von Geruchsstoffen. Hier kommen die Autos ins Spiel. Denn die Tiere nutzen besonders den Motorraum eines Autos sehr gerne als Unterschlupf oder Speisekammer. Problematisch wird dieses Verhalten, wenn später ein zweiter Marder einen Motorraum entdeckt, der zuvor von einem Konkurrenten markiert wurde. Denn Marder reagieren auf Konkurrenz unter der Motorhaube aggressiv. Diese Aggression führt zu einer wilden Attacke von Marderbissen, bei der Kabel, Leitungen und andere weichere Teile im Motorraum stark beschädigt werden können.

Woran erkenne ich, ob mein Auto besonders gefährdet ist?

Marderbisse im Motorraum stellen eine wachsende Gefahr dar. Deutschlands Autofahrer meldeten im Jahr 2019 mit 233.000 Fällen so viele Marderbisse an ihre Versicherungen wie nie zuvor. Die Fälle erstrecken sich über das gesamte Bundesgebiet. Kfz-Halter auf dem Land sind genauso betroffen wie solche in Großstädten.

Marderbisse treten das ganze Jahr über auf. Die Hochzeiten liegen jedoch zwischen April und Juni. Dann beginnt die Paarungszeit der kleinen Raubtiere. Auch im Herbst häufen sich die Fälle, wenn die Tiere vor der beginnenden Kälte Schutz suchen.

Der Standort eines Autos spielt bei einem Marderbiss ebenfalls eine große Rolle. Betroffen von Marderbissen an Kabeln und Schläuchen sind besonders Autos:

  • die regelmäßig nachts draußen geparkt werden und
  • deren Standtort in der Nähe eines Parks, einer Grünanlage oder eines Waldgebietes liegt.

Marder haben übrigens, statistisch gesehen, keine erkennbare Vorliebe für bestimmte Pkw-Typen oder Automarken.

Wichtig zu wissen: Für Menschen stellen Marder keine Gefahr dar. Wenn ihr einen Marder entdeckt, solltet ihr ihm jedoch nicht zu nahekommen, weil die Tiere unter Stress aggressiv reagieren und beißen können. Außerdem unterliegen Steinmarder dem Jagdrecht und dürfen nicht ohne Erlaubnis gefangen oder gar getötet werden.

Wie kann ich Marderbisse erkennen?

Schäden durch Marder sind für Autofahrer schwer zu erkennen. Das liegt daran, dass die Tiere ihr Unheil in der Nacht anrichten. Zudem sind Marderbisse an Kabeln, Schläuchen und anderen Leitungen im Motorraum von außen oftmals nicht zu erkennen. Besonders häufig betroffen sind folgende Teile:

  • alle Arten von Kabeln und Schläuchen aus Gummi oder Kunststoff wie Zündkabel, Heizungsschläuche oder die Zuleitungen zum Kühl– und Scheibenwaschwasser
  • die Gummimanschetten zum Schutz der Antriebswellen und der Lenkung
  • Isolierstoffe und Stromleitungen

Wer sein Auto nachts in einem Gebiet parkt, in dem Marderschäden vorkommen, sollte es regelmäßig auf Marderbisse überprüfen. Die Anwesenheit von Mardern lässt sich an folgenden Spuren erkennen:

  • Aus dem Motorraum kommt ein strenger Geruch.
  • Es finden sich Abdrücke von Pfoten oder Fellteile in der Nähe des Autos.
  • Unter oder neben dem Auto liegt Marderkot. Ihr erkennt ihn an seiner besonderen Form: Marderkot ist leicht gekrümmt, etwa 1,5 Zentimeter dünn und acht bis zehn Zentimeter lang. Er enthält oft unverdaute Beuteteile aus Fell oder Federn.

Die folgenden technische Hinweise können ebenfalls auf einen Marderbiss hindeuten:

  • Der Motor läuft unruhig, weil angebissene Zündkabel die Zündkerzen stilllegen.
  • Die Motorkontrollleuchte zeigt eine Störung an.
  • Die Scheibenwaschanlage funktioniert nicht richtig.
  • Die Kühlwassertemperatur steigt stark an.
  • Der Bremsdruck lässt plötzlich nach.

Wenn du glaubst, dass du einen Schaden durch einen Marderbiss hast, musst du unverzüglich eine Werkstatt aufsuchen und dein Auto von einem Kfz-Experten durchchecken lassen. Denn die kleinen Bisse können sich, wenn sie nicht repariert werden, zu teuren Schäden auswachsen und deine Sicherheit im Straßenverkehr massiv gefährden.  

Ist mein Auto gegen Marderbiss versichert?

Marderschäden sind grundsätzlich nur dann versichert, wenn du eine Kfz-Versicherung mit Teilkasko oder Vollkasko hast. Eine Kfz-Haftpflicht deckt Schäden durch Marderbiss nicht ab.

Bei der Übernahme der Kosten durch deine Teilkasko- oder Vollkasko-Versicherung wird zwischen direkten und indirekten Schäden unterschieden:

  • Direkte Schäden sind alle Beschädigungen an deinem Auto, die direkt durch den Marderbiss entstanden sind. Das können zum Beispiel das zerbissene Zündkabel, die angenagte Gummimanschette oder der durch Marderbiss undicht gewordene Kühlschlauch sein.
  • Die indirekten Schäden sind alle Beschädigungen, die als Folge eines Marderbisses an deinem Auto entstehen. Das sind zum Beispiel die Antriebseinheit oder der Katalysator, die durch das defekte Zündkabel beschädigt werden, defekte Antriebs- oder Achsgelenke infolge einer kaputten Gummimanschette oder ein Motorschaden als Folge der ausgelaufenen Kühlflüssigkeit.

Bei Generali sind in der Kfz-Versicherung Optimal durch Marderbisse entstandene direkte Schäden an Kabeln, Schläuchen, Leitungen, Gummimanschetten und Dämmmatten im Rahmen der vereinbarten Deckungssumme versichert. Daraus resultierende indirekte Schäden, die sogenannten Folgeschäden, sind bei Pkws im Optimal-Schutz und allen anderen Fahrzeugarten in der Teil-, sowie in der Vollkasko bis zu einer Höhe von 10.000 Euro mitversichert. Bei Pkws und anderen Privatfahrzeugen, die mit einem E-Kennzeichen zugelassen sind, sogar bis 20.000 Euro.

Was muss ich als Versicherter tun, wenn ich einen Schaden durch Marderbiss am Auto habe?

Wenn du einen Schaden durch Marderbiss an deinem Auto feststellst, musst du ihn so schnell wie möglich deiner Versicherung melden. Bei Generali geht das ganz einfach online unter diesem Link: https://www.generali.de/schaden/

Wie verhindere ich Marderbiss am besten?

Am besten ist es natürlich, wenn du es erst gar nicht zu einem Marderbiss kommen lässt. Im Internet finden sich viele Tipps, wie Autohalter Marderschäden verhindern können. In der Praxis haben sich nicht alle dieser Hinweise bei der Abwehr von Mardern als wirksam erwiesen. Zu den weniger gut geeigneten Abwehrmitteln zählen:

  • Hausmittel wie Hundehaare, WC-Steine oder Mottenkugeln. Sie sollen die Tiere mit ihrem Duft von deinem Auto fernhalten. Ihre Wirksamkeit ist jedoch nicht belegt. Ein weiteres Problem dieser Mittel besteht darin, dass sie bei Regen schnell weggespült werden.
  • Auch Marderabwehrsprays wollen den Marder mit Geruchsstoffen abwehren. Ob sie einen nachhaltigen Schutz bieten, ist jedoch umstritten, da sich Marder mit der Zeit an ein Mittel gewöhnen können.
  • Flache Gitter aus Maschendrahtzaun, die unter den Motorraum deines Autos gelegt werden. Für Marder ist es unangenehm mit ihren empfindlichen Pfoten über diese Gitter zu laufen. Die Marderabwehr soll deshalb dadurch funktionieren, dass die Tiere dein Auto aus diesem Grund meiden. Jedoch kann auch hier ein Gewöhnungseffekt eintreten. Der Marder kann dann unter Umständen einen Weg an dem Gitter vorbei in den Motorraum finden.

Einen größeren und nachhaltigeren Erfolg bei der Marderabwehr bieten dir hingegen die folgenden Abwehrmaßnahmen:

  • Wenn du bemerkst, dass ein Marder in der Nähe deines Autos war, solltest du eine Motorwäsche durchführen lassen. Denn dabei werden auch die Geruchsstoffe, die Mardermännchen aggressiv machen, aus dem Motorraum ausgewaschen.
  • Marder können sehr effektiv mit kleinen Stromstößen von deinem Auto ferngehalten werden. Dazu wird von einem Fachbetrieb ein spezielles Elektroschock-System in deinem Motorraum installiert. Es fängt die Tiere an gern genutzten Einstiegsstellen ab und hindert sie so daran, in den Motorraum zu gelangen. Die Spannung dieser Elektroschocker ist so ausgelegt, dass sie die Marder abschreckt, für die Tiere aber nicht lebensbedrohlich ist.
  • Manche Autohersteller bieten spezielle Nachrüstpacks an, mit denen der Motorraum deines Autos mit Verkleidungen gezielt vor Marderbissen in Kabel und Schläuche geschützt wird.

Zusammenfassung:

Marderbisse können Kabeln, Leitungen und anderen empfindlichen Teilen im Motorraum deines Autos einen gefährlichen Schaden zufügen. Betroffen sind Autos, die nachts in Mardergebieten draußen stehen. Marderschäden werden nur durch eine Teilkasko oder Vollkasko-Versicherung abgedeckt. 

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