Rundum-Schutz
Werdende Eltern und Familien mit kleinen Kindern können in Deutschland auf eine Vielzahl von Unterstützungs- und Förderangeboten zurückgreifen. Insbesondere die Frühen Hilfen begleiten Familien frühzeitig. Aber es fällt vielen Eltern schwer, sich im Geflecht unterschiedlicher Leistungen, Zuständigkeiten und Anlaufstellen zurechtzufinden. Häufig bleiben passende Angebote unbekannt oder werden erst spät genutzt.
Gemeinsam mit Prof. Dr. Sabine Walper, Professorin an der LMU München und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats im BMBFSFJ, und Ilsabe von Campenhausen, Geschäftsführerin der wellcome gGmbH, haben wir dieses Thema diskutiert. Ihr Fazit: Es braucht ein modernes, niedrigschwelliges Unterstützungssystem. Digitale Lotsenfunktionen und KI-gestützte Lösungen können Familien dabei helfen, passende Angebote leichter zu finden.
Die Elternschaft ist anspruchsvoller geworden, betonte Sabine Walper. Faktoren wie Migration und Sprachvielfalt, Digitalisierung, höhere Trennungsraten und zunehmende soziale Ungleichheiten setzen Eltern unter Druck. Gleichzeitig investieren Mütter und Väter heute mehr Zeit in die Betreuung ihrer Kinder als früher. Viele fühlen sich dabei unsicher.
Parallel bietet der Staat rund 150 familienbezogene Leistungen an. Doch Bekanntheit allein führt nicht zur Nutzung. Frau Walper unterstrich: Besonders Familien in belasteten Lebenslagen kennen viele Angebote nicht oder stoßen auf Hürden wie begrenzte Verfügbarkeit, Kosten oder fehlende Passgenauigkeit.
Sowohl die Sozialstaatskommission als auch die Bundesregierung betonen die Notwendigkeit, Zugänge zu vereinfachen und Unterstützungsangebote besser zu vernetzen. Die Frühen Hilfen verfolgen genau dieses Ziel. „Was Familien wirklich brauchen sind diese vielfältigen Angebote […] die untereinander vernetzt sind“, so Frau Walper.
Ilsabe von Campenhausen ist überzeugt, dass Familien heute neue Formen der Unterstützung benötigen. Genau hier setzt das neue App-Konzept von wellcome an. Mithilfe eines KI-gestützten Chatbots sollen Familien passende Angebote finden. Der mehrsprachige, fachlich geprüfte Chatbot beantwortet Fragen, verweist auf Hilfsangebote und vermittelt bei Bedarf an Beratungsstellen vor Ort.
Gerade wenn Eltern unsicher sind oder nicht wissen, an wen sie sich wenden können, kann eine digitale Lotsenfunktion den Weg zu Hilfen erleichtern. Zugleich ermöglicht sie eine stärkere Orientierung an den individuellen Bedürfnissen der Familien. „Mit jeder Interaktion wird dadurch auch die Hilfe passgenauer“, erläuterte Frau von Campenhausen.
Die Erfahrungen von wellcome zeigen zudem, dass digitale Angebote auch Familien erreichen können, die bisher nur schwer Zugang zu Unterstützungsstrukturen gefunden haben. Sie schaffen Orientierung und bauen Brücken zu lokalen Beratungsstellen und nachbarschaftlichen Netzwerken. Wellcome hat sich das Ziel gesetzt, ein verlässlicher Anlaufpunkt für Familien zu werden: „Wir möchten dieser eine Ort sein, dem Familien vertrauen […] und wo Eltern sich finden“, so Frau von Campenhausen.
Die Diskussion zeigte, wie wichtig ein leichter Zugang zu Unterstützungsangeboten für Familien ist. Digitale Lotsenfunktionen können dabei helfen, Orientierung zu geben und Familien frühzeitig mit passenden Hilfen zu verbinden. The Human Safety Net, die globale Stiftung der Generali Group und seit 2022 Partner von wellcome, unterstützt diesen Ansatz. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, jedem Kind ein liebevolles Aufwachsen zu ermöglichen – unabhängig von Herkunft oder Einkommen.