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Steuererklärung nach dem Studium: So holst du dir deine Studienkosten zurück

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Abenteuer Alltag
Lesezeit: 6-7 Minuten

Steu­er­er­klä­rung nach dem Stu­dium: So holst du dir deine Stu­dien­kos­ten zurück

Endlich ist das Studium beendet und der Abschluss in der Tasche. Die ideale Gelegenheit, um deine Studienkosten bei der Steuer geltend zu machen. Du kannst dir die Aufwendungen teilweise oder sogar komplett wieder zurückzuholen. Das ist sogar möglich, wenn du bisher noch keine oder über Nebenjobs nur niedrige Steuern bezahlt hast.

Die erste Steuererklärung nach dem Studium ist eine große Herausforderung. Steuernummer, Werbungskosten, Sonderausgaben, Verlustabzug ─ Begriffe, die dich bisher höchstens nebenbei erreicht haben. Keine leichte Aufgabe, aber meistens lohnt es sich eine Steuererklärung zu machen.

Wie du dich außerdem zum Start ins Berufsleben optimal versichern kannst, erfährst du hier.

Ist die Steuererklärung für Studenten freiwillig?

Nicht unbedingt. Denn auch für Studenten gilt der jährlich neu festgelegte Grundfreibetrag als Orientierung. Überschreitet das Einkommen diesen Grundfreibetrag, der im Jahr 2021 bei 9.744 EUR liegt, so wird das darüber hinausgehende Einkommen steuerpflichtig. Ob du steuerpflichtig bist oder dich innerhalb des Grundfreibetrages bewegst, erfährst du spätestens vom Finanzamt, in deren Steuerprogrammen die genannte Grenze hinterlegt ist.

Die Folge: Beträgt dein Einkommen im Jahr 2021 mehr als 9.744 EUR, bist du verpflichtet, für das entsprechende Jahr eine Steuererklärung abzugeben. Freiwillig bleibt die Abgabe der Steuererklärung nur dann, wenn deine Einkünfte unter diesem Grundfreibetrag liegen.

Wie lange kann ich rückwirkend eine Steuererklärung einreichen?

Wer seine Steuererklärung freiwillig abgibt, obwohl er nicht dazu verpflichtet ist, hat dafür 4 Jahre Zeit.

Tipp: Selbst bei attraktiven Rückerstattungen, solltest du dich dennoch in Geduld üben. Denn wer die vierjährige Wartezeit ausnutzt, kann sich jährlich über 6 % Zinsen vom Fiskus freuen, die 15 Monate nach Ende des Steuerjahres fällig werden.

Selbstverständlich sind auch diese Zinserträge steuerpflichtig. Übersteigen deine Zinsen gemeinsam mit anderen Zinserträgen den Sparerpauschalbetrag (801 bzw. 1602 EUR), musst du darauf Abgeltungssteuer bezahlen.

Ansonsten gilt:

  • Bist du aufgrund der Einkünfte verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben, läuft deren Abgabefrist am 31.07. des Folgejahres ab.
  • Erstellst du die Steuererklärung mit Unterstützung eines Steuerberaters oder eines Lohnsteuerhilfevereins, verlängert sich die Frist bis zum 28.02. des übernächsten Jahres. Deine Steuererklärung für 2020 kann daher bis zum 28.02.2022 beim Finanzamt abgegeben werden.

Darf jeder Student seine Kosten voll absetzen?

Inwieweit du die Kosten nach deinem Studium als Werbungskosten oder Sonderausgaben absetzen kannst, hängt von einigen Faktoren ab:

  • Handelt es sich nämlich um Ausgaben im Rahmen eines Erststudiums, das eine Erstausbildung nach § 9 EStG vermittelt, sind nur Sonderausgaben absetzbar. Diese sind auf jährlich 6.000 Euro begrenzt. Sie werden nur anerkannt, wenn du ausreichend hohe zu versteuernde Einkünfte hast. Ein Verlustvortrag ist im Rahmen des Sonderausgabenabzugs nicht möglich.
  • Mit einem Bachelorzeugnis gilt eine berufliche Erstausbildung als abgeschlossen. Hast du vor dem Erststudium etwa eine Berufsausbildung abgeschlossen oder absolvierst du ein Masterstudium, gilt das als weiteres Studium. Für ein solches Zweitstudium kannst du Werbungskosten absetzen. Zur ersten Steuererklärung nach dem Studium gehört neben den Werbungskosten auch der Verlustvortrag. Mit ihm kannst du Verluste, die du in einem Steuerjahr gemacht hast, in die nächsten Jahre übertragen.


Tipp: Findet das Erststudium während eines Dienstverhältnisses als duales Studium statt, dürfen dafür auch Werbungskosten inklusive eines Verlustvortrags steuerlich geltend gemacht werden.

Was versteht man unter einem Verlustvortrag?

Hattest du bisher noch keine oder kaum Steuern gezahlt, speichert das Finanzamt deine angegebenen Aufwendungen als Verluste. Dieser Verlustvortrag bleibt solange bestehen, bis steuerpflichtige Einkünfte erzielt werden. Bei der ersten Steuererklärung reduziert sich auf diese Weise das zu versteuernde Einkommen.

Jetzt werden die vorgemerkten Verluste mit den anfallenden Steuern verrechnet, sodass du dich eventuell über eine Steuererstattung freuen kannst. Bist du inzwischen selbstständig, fallen zumindest deutlich weniger Steuern pro Jahr an.

Das sieht dann beispielsweise so aus: Du hast für dein Studium 10.000 EUR steuerlich abgesetzt, die mit deinen ersten Einkünften verrechnet werden. Verdienst du im ersten Jahr 55.000 EUR, reduziert sich das zu versteuernde Einkommen durch den gespeicherten Verlustvortrag auf 45.000 EUR. Da du mit deiner monatlichen Gehaltszahlung die vollen Steuern auf dein Bruttogehalt gezahlt hast, erstattet das Finanzamt dir die zu viel entrichteten Abgaben.

Tipp: Wenn du deine erste Steuererklärung nach dem Studium selbstständig ohne Steuerberater erledigst, vergiss nicht das Kreuz für den Verlustvortrag im sogenannten Mantelbogen in Zeile 2 zu setzen.

Kann ich Studiengebühren rückwirkend geltend machen?

Auch bei geringen Einkünften solltest du nicht auf eine rückwirkende Steuererklärung nach dem Studium verzichten. Bei Verlusten empfiehlt es sich, den Verlustvortrag geltend zu machen. Das kann nach aktueller Regelung des Fiskus noch bis zu 7 Jahre nach dem Steuerjahr erledigt werden. Du kannst also die Studienkosten für die Jahre 2014 bis 2016 noch bis Ende 2021 geltend machen, ohne dass diese verjähren.

Voraussetzung für die rückwirkende Abgabe ist, dass für die entsprechenden Jahre noch keine Erklärungen abgegeben wurden und ein Verlust vorhanden ist.

Tipp: Beachte, dass die 7-jährige Frist jederzeit gekürzt werden kann. Es lohnt sich deshalb die Studienkosten dieser Jahre schnellstmöglich im Rahmen einer Steuererklärung einzureichen. Für die Jahre 2017 bis 2020 gilt eine vierjährige Verjährungsfrist.

Zudem solltest du die Abgabefristen für Einkommensteuererklärungen beachten. Verspätet eingereichte Unterlagen liegen zwar möglicherweise noch innerhalb der Verjährungsfrist, können jedoch Verspätungszuschläge nach sich ziehen.

Welche Studienkosten kann ich steuerlich absetzen?

Der Gesetzgeber unterstützt Studenten und Absolventen insofern, dass er die steuerliche Abzugsfähigkeit weit ausgelegt hat. Du darfst alle Ausgaben für dein Studium in der Steuererklärung geltend machen. Zu den absetzbaren Kosten zählen:

  • Semester- und Lehrgangsgebühren einschließlich Verwaltungskosten
  • Fahrtkosten zur Universität, Fachhochschule, Bibliothek, Projektorten
  • Ausgaben für Seminare, Fachliteratur, Webinare
  • Ausgaben für Arbeitsmittel, Schreibtisch, Stuhl, IT-Ausstattung, Telefon, WLAN, Verpflegung, Regal
  • Kosten für studienbedingte Auslandsaufenthalte
  • Unterkunftskosten doppelte Haushaltsführung
  • studienbedingte Umzugskosten (Transportkosten, Maklercourtage)

Pauschalen statt Einzelnachweise

Der Einfachheit halber können Studenten dafür Pauschalen in Anspruch nehmen, die ohne Rechnungen und Belege gültig sind. Hier ein kleiner Auszug:

  • Als Umzugskostenpauschale in die Stadt deiner Universität oder Fachhochschule kannst du ohne Belege 820 EUR geltend machen.
  • Für Telefon und Internet erkennt der Fiskus pauschal 20 EUR p. M. bzw. 240 EUR p. a. an.
  • Während eines Praktikums kannst du eine Verpflegungspauschale von max. 24 EUR in Anspruch nehmen, sofern dir Kosten für Essen und Getränke nicht gestellt werden.
  • Die Fahrtkosten zur Uni oder FH bzw. zum Nebenjob erkennt das Finanzamt pauschal mit 30 Ct./km an.
  • Suchst du noch eine Stelle, gibt es hierfür eine Pauschale von 8,50 pro Bewerbung in Papierform und 2,50 EUR für E-Mail-Bewerbungen.
Grafische Übersicht: Kosten, die sich von der Steuer absetzen lassen

Wenn du einige Belege nicht mehr griffbereit hast, sollte dir das kein Kopfzerbrechen bereiten. Auf viele Nachweise kannst du aufgrund der Pauschalen verzichten. Sollte dir ein Beleg fehlen, den das Finanzamt fordert, kannst du diesen in der Regel bei Banken, Versicherungen oder Shoppinganbietern nochmals erstellen lassen.

Siehe hier unsere Tipps und Tricks zur cleveren Dokumentenaufbewahrung.

Lohnt sich der Aufwand einer Steuererklärung?

Über mehrere Studienjahre hinweg sammeln sich reichlich Aufwendungen für das Studium an. Kommen noch Umzüge, Verpflegungsmehraufwände und Kosten für Auslandssemester dazu, kann unterm Strich eine fünfstellige Summe deine zu versteuernden Einkünfte deutlich schmälern.

Es lohnt sich, weniger Studienaufwendungen geltend zu machen, wenn ein Student während des Studiums Einkünfte aus nicht selbstständiger oder selbstständiger Tätigkeit hatte. Fallen Studium und Arbeit in der Steuererklärung zusammen, ergibt sich nach Verrechnung oft kein oder nur ein geringer Verlust. In diesem Fall lohnt sich das Absetzen der Studienkosten nicht.

Ebenfalls ins Leere geht deren steuerliche Geltendmachung, wenn im ersten Berufsjahr nach Abzug üblicher Werbungskosten und Sonderausgaben so wenig Einkommen verbleibt, dass der Grundfreibetrag unterschritten wird.

Tipp: Achte darauf, dass nach Verrechnung mit diesem niedrigen Einkommen noch ein fünfstelliger Verlustvortrag zur Verrechnung mit dem nächsten Jahreseinkommen verbleibt.

Fazit: Die erste Steuererklärung nach dem Studium lohnt sich oftmals

Was auf den ersten Blick sehr komplex wirkt, funktioniert recht unkompliziert, sobald du dich mit der ersten Steuererklärung und mit unseren Tipps beschäftigst. Zur Erleichterung gibt es online und offline viele kostengünstige Steuersoftware-Anbieter, die dich interaktiv durch die Steuererklärung lotsen. Die Finanzbehörden unterstützen dich via Elster bei deiner ersten Steuererklärung.

Wichtige Tipps findest du in FAQ: Versicherungen von der Steuer absetzen und unter Schenkung: Tipps zu Steuer, Freibeträgen und Fristen.

Wer sich lieber unter vier Augen helfen lassen möchte, kann die Hilfe eines Lohnsteuerhilfevereins oder eines Steuerberaters in Anspruch nehmen.

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