Rundum-Schutz
Über Geld spricht man nicht, über den Tod erst recht nicht: Beim Erben treffen gleich zwei Tabus aufeinander. Viele Familien meiden daher das unangenehme Thema – oft so lange, bis es zu spät ist. Doch früher oder später kommt der Zeitpunkt, an dem man sich damit auseinandersetzen muss. Umso besser also, wenn du das klärende Gespräch schon vorher gesucht hast und vorbereitet bist.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Vermögen der privaten Haushalte in Deutschland steigt: Allein das Geldvermögen erreichte im zweiten Quartal 2024 fast 9 Billionen Euro.
- Schätzungen zufolge werden in Deutschland jährlich bis zu 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt.
- Angehörige haben zwar einen Rechtsanspruch auf ihren Pflichtteil, aber im Erbfall kommt es dennoch oft zu Streitigkeiten, da Erwartungen nicht offen besprochen wurden.
- Wer seine Familie finanziell absichern will, sollte früh das Gespräch suchen und konkrete Vorkehrungen treffen.
Geld gilt in Deutschland als Privatsache. Was auf dem eigenen Gehaltszettel oder dem Kontoauszug steht, behalten die meisten lieber für sich – selbst im Freundeskreis. Beim Thema Erben kommt ein weiterer Punkt dazu: Es berührt Fragen nach dem Tod. Wer ein Testament schreibt, denkt an das eigene Ende.
Ein doppeltes Tabu also, mit gravierenden Folgen: Viele sprechen erst dann über Erbthemen, wenn ein Angehöriger oder Freund schwer erkrankt oder jemand aus dem nahen Umfeld stirbt. Besonders Jüngere gehen dem Thema aus dem Weg. So haben die wenigsten Menschen unter 50 Jahren eine Patientenverfügung oder gar ein Testament.
Doch je später man sich mit dem Erben auseinandersetzt, desto weniger Zeit bleibt für eine sorgfältige Planung – und irgendwann ist es womöglich zu spät, sodass sich die Hinterbliebenen mit allen ungeklärten Fragen befassen müssen.
Deutschland verfügt über ein klar strukturiertes Erbrecht: Die gesetzliche Erbfolge legt genau fest, wer erbt, wenn kein Testament vorliegt. Kinder, Ehepartner und weitere Verwandte erben in einer bestimmten Reihenfolge. Doch zwischenmenschliche Beziehungen und individuelle Wünsche kann das Gesetz nicht regeln. Es berücksichtigt nicht, wer sich jahrelang um die Eltern gekümmert hat oder welches Kind besondere Unterstützung verdient. Wer sich nur auf die gesetzliche Erbfolge verlässt, überlässt dem Staat also eine eigentlich sehr persönliche Entscheidung.
Das deutsche Erbrecht sichert nahen Angehörigen einen Mindestanteil am Nachlass. Dieser Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Kinder, Ehepartner und in bestimmten Fällen auch Eltern haben darauf Anspruch, selbst wenn sie im Testament übergangen wurden.
Was sich fair anhört, gibt in der Praxis jedoch häufig Anlass zum Streit. Wer enterbt wurde, kann seinen Pflichtteil einklagen, doch das bedeutet Anwaltskosten, Gerichtsverfahren – und nicht selten böses Blut. Der Pflichtteil ist laut Anwaltskammern einer der häufigsten Gründe für Erbstreitigkeiten in Deutschland. Viele solche Konflikte entstehen aber nicht, weil das Gesetz versagt, sondern weil Erwartungen nie offen ausgesprochen wurden.
Das liebe Geld ist meist nur der äußere Anlass für Familienstreit. Die eigentlichen Ursachen liegen oft ganz woanders – etwa in dem Gefühl, jahrelang benachteiligt worden zu sein. Nach einem Todesfall brechen sich diese Gefühle Bahn. Die Fragen, die dann aufkommen, sind selten juristischer Art: Wurde ich weniger gemocht? Warum bekommt mein Bruder das Haus? Warum hat niemand mit mir darüber gesprochen?
Genau darum ist es so wichtig, frühzeitig übers Erbe zu sprechen. Nicht selten wird gerade in den Familien, die das klärende Gespräch gescheut haben, jahrelang gestritten.
Obwohl in Deutschland viel ge- und vererbt wird, haben die meisten potenziellen Erblasser kein Testament – das gilt vor allem für jüngere Menschen unter 50. Doch auch wenn ein Testament vorhanden ist, ersetzt es kein offenes Gespräch: Wer nicht erklärt, wer was bekommen soll, riskiert, dass Hinterbliebene um die richtige Auslegung streiten.
Deshalb ist es wichtig, der Familie seine Beweggründe mitzuteilen – beispielsweise in einem persönlichen Brief, der mit dem notariellen Testament verwahrt wird und Klarheit schafft.
Dies ist wohl eine der schwierigsten Fragen, die viele umtreibt. Dabei gibt es viele Anlässe, übers Erbe zu reden: beim Kauf einer Immobilie, bei der Geburt eines Kindes, im Scheidungsfall oder wenn der wohlverdiente Ruhestand beginnt. All dies sind entscheidende Lebensphasen und -ereignisse, in denen Vermögen und Verantwortung neu bewertet werden sollten.
Wichtig ist vor allem eines: Die Nachlassplanung beginnt lange vor dem Tod. Wer früh damit anfängt, hat mehr Spielraum, kann Freibeträge nutzen und Konflikte vermeiden.
Krankheit, Unfall, Tod – Schicksalsschläge treffen Familien oft unvorbereitet. Nicht immer geht es dabei ums Erbe, denn genauso wichtig ist die Frage: Was passiert, wenn der Hauptverdiener plötzlich ausfällt? Auch damit sollte sich jeder, der eine Familie hat, frühzeitig auseinandersetzen. So kann eine Risikolebensversicherung sicherstellen, dass Hinterbliebene nicht von heute auf morgen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, und eine Berufsunfähigkeitsversicherung schützt das Einkommen, wenn jemand nicht mehr arbeiten kann.
Viele Erben setzen das erhaltene Vermögen heute gezielt für den eigenen Vermögensaufbau und die Altersvorsorge ein. Das verdeutlicht, wie eng diese Themen miteinander verknüpft sind. Wer frühzeitig fürs Alter vorsorgt, stärkt nicht nur die eigene finanzielle Unabhängigkeit, sondern entlastet auch die nächste Generation – und kann so familiären Konflikten bis hin zum Erbstreit vorbeugen.
Ein oft unterschätzter Aspekt in diesem Zusammenhang sind die Pflegekosten im Alter. Da die Eigenanteile im Pflegeheim steigen, ist vorhandenes Vermögen schnell aufgebraucht. Eine Pflegezusatzversicherung kann hier ein wichtiger Baustein sein, um das eigene Vermögen zu schützen und gleichzeitig die finanzielle Belastung für Angehörige zu reduzieren.
Der Tod gehört zum Leben dazu – und damit auch Erben und Vererben. So unangenehm das Thema auch sein mag, du solltest dich besser früher als später damit befassen. So schützt du deine Familie vor unnötigen Konflikten und schaffst Klarheit.
Hier einige Schritte, die du unternehmen kannst:
Mit diesen Schritten handelst du nicht nur im eigenen Interesse, sondern machst es auch allen Angehörigen und Hinterbliebenen leichter – sei es im Erbfall oder bei unvorhergesehenen Ereignissen.
Neben der rechtlichen Ordnung sorgt vor allem eine Risikolebensversicherung dafür, dass deine Liebsten auch in schwierigen Zeiten finanziell handlungsfähig bleiben.
Du hast Fragen oder Wünsche? Sprich mit einem Experten der Deutschen Vermögensberatung (DVAG).