Eine Frau sitzt im Wohnzimmer und schreibt ihr Testament.

Wie man in drei Schritten ein Testament aufsetzt

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Wie man in drei Schrit­ten ein Tes­ta­ment auf­setzt

Auch wer nicht unmittelbar mit seinem baldigen Ableben konfrontiert ist, sollte sich mit dem Thema Testament auseinandersetzen. Denn die Anforderungen, die das Schreiben eines Testamentes mit sich bringt, werden häufig unterschätzt. Zahlreiche Testamente sind aus formellen Gründen unwirksam. Umso wichtiger ist es, bestimmte Grundsätze zu beachten und somit die Gültigkeit des Testaments zu gewährleisten.

In den folgenden Absätzen erfährst du, wie du ein Testament richtig aufsetzt und was du beim Schreiben beachten musst.

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Testament aufsetzen – Wann ist es sinnvoll?

Das Testament selbst aufzusetzen, ermöglicht es dir über deinen Nachlass nach eigenem Wunsch zu bestimmen. Wer kein Testament hinterlässt, bei dem tritt die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Nach der gesetzlichen Erbfolge erben zunächst die engsten Verwandten. Meist sorgt diese Bestimmung für eine gerechte Verteilung innerhalb der Familie. Es lohnt sich daher zunächst zu überprüfen, wie deine Familie bei Eintritt der gesetzlichen Erbfolge erben würde.

Solltest du mit dieser Aufteilung nicht übereinstimmen, kannst du ein Testament mit deinen eigenen Bedingungen aufsetzen. In diesem kannst du an weitere Personen und Organisationen einen Teil deines Nachlasses vererben oder aber bestimmte Angehörige enterben.

1. Richtlinien und Anforderungen: Wie schreibe ich ein gültiges Testament?

Beim Verfassen des Testamentes sind einige Richtlinien zu beachten, damit es vor Gericht gültig ist. Grundsätzlich muss der Erblasser sein Testament eigenhändig schreiben. Ist es dem Erblasser nicht (mehr) möglich, sein Testament selbst zu schreiben, dann hat er die Möglichkeit einen Notar oder Rechtsanwalt zu beauftragen. Dieser wird sich selbst davon überzeugen, dass der Erblasser nicht von Dritten beeinflusst wird und dessen letzten Willen zu Papier bringen.

Solange du dein Testament selber schreiben kannst, ist es nicht zwangsläufig notwendig, dieses von einem Notar beglaubigen zu lassen. Auch eine neutrale Person darf als Zeuge dafür unterschreiben, dass dein letzter Wille aus deiner Feder stammt. Wer ganz sichergehen möchte, dass das Testament auch formwirksam und unanfechtbar ist, kann es dennoch vor einem Notar beglaubigen lassen.

Um ein Testament richtig zu schreiben ist grundsätzlich folgendes zu beachten:

  • Ein privates Testament muss der Erblasser handschriftlich, eigenhändig und lesbar verfassen.
  • Das Testament muss das Datum und den Ort, den vollen Namen und die eigene Unterschrift enthalten.
  • Es muss außerdem klar und detailliert verfasst sein, damit es nicht zu falschen Interpretationen kommt.

Eingesetzte Erben dürfen nur Personen sein, die zum Zeitpunkt des Erbfalls bereits leben, ebenso können juristische Personen erben. Tiere allerdings nicht.

Wer darf ein persönliches Testament schreiben?

Grundsätzlich darf jeder, der volljährig ist, sein Testament selber schreiben. Minderjährige, ab mindestens 16 Jahren dürfen ebenfalls ein Testament aufsetzen lassen, allerdings nur in Anwesenheit eines Notars. Eine Zustimmung der Eltern oder des gesetzlichen Vertreters ist dazu nicht notwendig.

Um ein gültiges Testament verfassen zu dürfen, bedarf es außerdem einer Testierfähigkeit: Der Erblasser muss über die Fähigkeit verfügen, sich ein klares Urteil über die Auswirkungen seiner Wünsche auf die Hinterbliebenen zu bilden. Zudem muss der Erblasser unbeeinflusst von den Interessen Dritter handeln können.

Bei geistigen oder psychischen Störungen, sowie Bewusstseinsstörungen ist keine Testierfähigkeit gegeben. Eine Ausnahme kann im Falle einer Demenzdiagnose auftreten, welche nicht zwangsläufig eine Testierunfähigkeit impliziert. Im Zweifelsfall entscheiden Gutachter über die Testierfähigkeit.

Du kannst dein Testament zu einem späteren Zeitpunkt auch noch einmal verändern. Ausschlaggebend ist das letzte datierte, gültige Testament. Fehlt jedoch die Unterschrift, ist das vorherige Testament gültig. Im Zweifelsfall tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Enterbt der Erblasser den rechtmäßigen Erben, so erhält dieser dennoch einen Pflichtteil. Bis zu einem bestimmten Freibetrag unterliegt das Erbe nicht der Versteuerungspflicht.

2. Unterschiedlichen Arten und Inhalte von Testamenten

Um ein Testament aufzusetzen, gibt es drei unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Privates oder eigenhändiges Testament
  • Notarielles oder öffentliches Testament
  • Mündliches Testament

Das eigenhändige Testament ist vom Erblasser selber zu schreiben und unterschreiben. Zudem sollten Ort und Datum zum Zeitpunkt des Verfassens auf dem Testament vermerkt sein. Das eigenhändige Testament darf nicht mit dem Computer oder anderen maschinellen Geräten geschrieben werden.

Ein notarielles Testament muss schriftlich oder mündlich erfolgen und wird anschließend vom Notar beurkundet sowie amtlich verwahrt.

Das mündliche Testament ist auch als Nottestament bekannt. Es ist nur gültig, wenn sich der Erblasser in akuter, lebensbedrohender Lage befindet und keinen Notar mehr rufen kann. Ein Nottestament ist nur drei Monate lang rechtsgültig.

Das gemeinschaftliche Testament unter Ehegatten

Zusätzlich zu den genannten Arten gibt es das Ehegattentestament. Besteht eine Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft, dann können die Ehepartner ein gemeinsames Testament schreiben. Hierbei ist es ausreichend, wenn einer der beiden Ehegatten den Text schreibt und beide ihn unterschreiben. Lediglich Erbverträge müssen notariell beglaubigt werden. Eine zusätzliche Sonderform ist das Berliner Testament. Bei diesem Testament setzen die Ehegatten sich gegenseitig als Alleinerben ein.

Gültiges Testament selber schreiben – Was darf im Testament stehen?

Zunächst erstellst du eine Liste mit allen Vermögenswerten. Darin führst du sämtliche Sach- und Geldwerte auf. Über Gegenstände, die zu 100 Prozent deinem Eigentum entsprechen kannst du nach Wunsch verfügen. Allerdings müssen immer die Pflichtteilberechtigten, also die engsten Angehörigen des Erblassers, bedacht werden. Sollen bestimmte Erbstücke in der Familie bleiben, oder soll eine Organisation finanzielle Unterstützung erhalten, dann muss dies einzeln und detailliert aufgeführt werden. Das Vermögen, welches nicht gezielt vermacht wird, unterliegt der prozentualen Aufteilung.

Folgende Daten kannst du in dein Testament aufnehmen:

  • Der Einsatz der Erben: Du kannst Alleinerben oder beliebig viele Personen als Erben einsetzen.
  • Enterbung: Du kannst Verwandte enterben, trotzdem erhält der Erbe aber einen Pflichtteil.
  • Vermachen des Vermögens an Organisationen: Karitativen Einrichtungen kannst du einen Teil deines Vermögens vermachen.
  • Erbe an Bedingungen knüpfen: Du kannst zum Beispiel festlegen, dass ein Erbe die Erbschaft erst ab einem bestimmten Alter antreten darf.
  • Ersatzerben benennen: Im Falle, dass der eingesetzte Erbe vor dir verstirbt, besteht die Möglichkeit einen Ersatzerben zu benennen.
  • Rechte einräumen: Es ist dir gestattet, beliebigen Personen Rechte einzuräumen, wie zum Beispiel ein Wohnrecht auf Lebenszeit in deiner Immobilie.

Für Kinder unter 18 Jahren sollte man außerdem einen Vormund benennen, der im Falle des Ablebens die elterliche Sorge der Kinder übernimmt. Ist kein Vormund vorhanden, so bestellt das Gericht diesen gesetzlich.

3. Aufbewahrung und Vollstreckung des Testaments

Um deine Wünsche und Anweisungen umsetzen zu lassen, kannst du einen Testamentsvollstrecker und eine zweite Person als Ersatz ernennen. Dabei sollte es sich um eine möglichst zuverlässige und organisierte Person handeln. Idealerweise erhält der Testamentsvollstrecker auch eine Kopie des Testaments. Unter Umständen soll dieser eventuelle Streitigkeiten zwischen den Erben verhindern. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit mehrere Testamentsvollstrecker zu ernennen.

Eine sichere Aufbewahrung des Testaments ist wichtig, um Missbrauch vorzubeugen. Allerdings sollte es auffindbar sein, denn ansonsten kann keine Vollstreckung stattfinden. Im Zweifelsfall tritt dann die gesetzliche Erbfolge ein. Es gibt jedoch keine gesetzliche Vorschrift, wie das Testament aufzubewahren ist. Demnach ist auch eine Aufbewahrung des Testaments in den eigenen vier Wänden nicht auszuschließen, zum Beispiel in einem Safe.

Wichtig ist jedoch, dass du den Testamentsvollstrecker oder eine Vertrauensperson über den Aufbewahrungsort informierst. Eine besonders sichere Möglichkeit ist die Aufbewahrung des Testaments beim zuständigen Nachlassgericht, allerdings entstehen hierbei Kosten.

Fazit

Wenn du dein Testament aufsetzen möchtest, muss dieses gewissen Anforderungen entsprechen, um seine Gültigkeit zu gewährleisten. Um Streit unter den Erben zu vermeiden, muss das Testament klar und detailliert formuliert sein. Ein Testamentsvollstrecker kann hierbei unterstützen.

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