Rundum-Schutz
Am 10. Februar 2026 ist der Safer Internet Day. Die Generali Stiftung The Human Safety Net startet dazu eine deutschlandweite Kampagne für die digitale Gesundheit von Kindern unter sechs Jahren und ihren Eltern zum Thema Medienkompetenz und Bildschirmzeit. Kinder kommen bereits vor dem 2. Lebensjahr mit digitalen Medien in Kontakt. Die Auswirkungen von unbegleitetem übermäßigem Medienkontakt in diesem Alter sind gravierend.
Das Wichtigste in Kürze:
- Eltern sind zentrale Begleiter – aber oft überfordert
Viele Eltern kennen die Risiken nicht oder haben selbst keine gesunden digitalen Gewohnheiten. „Technoference“ – die Unterbrechung der Eltern-Kind-Interaktion durch Smartphone-Nutzung – kann die Bindung und Entwicklung beeinträchtigen.- Soziale Ungleichheit spiegelt sich auch digital wider
Kinder aus benachteiligten Familien nutzen digitale Medien häufiger passiv und weniger für Bildung.- Zu viel Bildschirmzeit kann Schlaf und Bewegung beeinträchtigen
Abends oder im Schlafzimmer genutzte Geräte erhöhen das Risiko für Schlafstörungen und Übermüdung.- Nicht die Bildschirmzeit allein zählt – sondern die Art der Nutzung
Studien zeigen: Aktive, dialogische Nutzung (z. B. gemeinsames Lesen von E-Books) fördert die Sprachentwicklung, während passive Nutzung (Videos ohne Interaktion) neurokognitive Risiken bergen kann.- Digitale Medien können Lernprozesse und Kreativität fördern
Interaktive Inhalte und kreative Anwendungen unterstützen Future Skills und Frühbildung.
Gemeinsam mit unseren Partnern in ganz Deutschland nutzen wir das Jahr 2026, um die Medienkompetenz von kleinen Kindern zu stärken. Im Mittelpunkt unserer Kampagne steht, dass Eltern verstehen, wie sich digitale Medien auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken. Eltern sollen bewusster mit ihrer Vorbildrolle umgehen und sich fragen, wie oft und in welchen Momenten sie selbst zum Smartphone greifen. Studien zeigen: Kinder, deren Eltern oft am Smartphone oder Tablet sind, lernen schlechter, haben häufiger emotionale oder Verhaltensprobleme und tun sich im Umgang mit anderen Kindern schwerer. Außerdem ist ihre Bindung zu den Eltern schwächer, und sie verbringen selbst deutlich mehr Zeit vor Bildschirmen.
Digitale Ablenkung betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Eltern. Studien zeigen: Wenn Eltern beim Spielen, Essen oder Reden immer wieder aufs Handy schauen und dadurch die direkte Kommunikation mit ihren Kindern leidet, sprechen Fachleute auch von „Technoference“ – ein Begriff, der sich aus den englischen Wörtern techno (für Technik) und interference (für Störung) zusammensetzt. Technoference kann die Sprachentwicklung, die Aufmerksamkeit und die emotionale Bindung beeinträchtigen.
Unser Tipp: Leg das Smartphone bewusst beiseite – gemeinsame Zeit ist offline am wertvollsten.
Unser Alltag ist geprägt von digitalen Medien. Wie beeinflusst das die Entwicklung von kleinen Kindern? Raquel Paz Castro forscht zu diesem Thema bei unserer Schweizer THSN-Partnerorganisation, dem Marie Meierhofer Institut für das Kind (MMI) und weiß, wo sich Eltern Unterstützung wünschen.
Je gesünder Eltern mit digitalen Medien umgehen, desto bessere Vorbilder haben ihre Kinder.
Raquel Paz Castro
Projektleiterin Studien
Raquel Paz Castro ist Gesundheitspsychologin und Projektleiterin von Studien am Marie Meierhofer Instituts für das Kind (MMI). Sie forscht unter anderem zum Thema «Kinder und digitale Medien». Ihre Aufgabe ist es, die Ergebnisse dieser Studie zu jenen zu bringen, die sie wirklich brauchen.
THSN: Frau Paz Castro, für die Langzeitstudie «Kinder und digitale Medien» wurden Familien mit Kindern bis drei Jahre ein Jahr lang begleitet. Was ist dabei herausgekommen?
Raquel Paz Castro Wir sind noch dabei, diese Daten zu analysieren. Aber wir wissen zum Beispiel, dass gestresste Eltern ihren Kindern schneller und öfter Zugang zu digitalen Medien ermöglichen. Wenn sie zum Beispiel Job, Kinderbetreuung und Freizeit unter einen Hut bringen wollen. Darum ist es für uns ganz wichtig, auch den Eltern Sorge zu tragen - mit unseren Informationsanlässen, im direkten Austausch und mit niederschwelligen Unterstützungsangeboten. Damit sie besser mit Stress umgehen und mehr Raum für Begegnungen mit dem Kind schaffen können.
THSN: Gibt es konkrete Tipps, wie viel Zeit ein Kind vor dem Bildschirm verbringen soll?
Raquel Paz Castro: Das ist schwierig. Man kann digitale Medien wie Smartphones, Computer oder den Fernseher ganz unterschiedlich nutzen – vom stundenlangen Zuschauen über Memory spielen bis zum Wörter lernen. Es geht darum, herauszufinden, welche Inhalte sinnvoll sind. Grundsätzlich empfehle ich: Je jünger ein Kind ist, desto weniger Zeit sollte es vor dem Bildschirm verbringen. Kleine Kinder lernen von digitalen Medien wenig, verpassen aber gleichzeitig wertvolle Erfahrungen im echten Leben.
Zudem rate ich Eltern, ihr Kind beim Konsumieren von digitalen Medien zu begleiten. Auf ein Kind mit einem abwechslungsreichen Alltag in einem interessierten Umfeld hat eine Stunde vor dem Bildschirm andere Auswirkungen als auf ein Kind, das von seinen Eltern wenig Interesse spürt.
THSN: Zwischen den Ergebnissen von Studien und dem Alltag von Familien klafft eine große Lücke. Wie schließen Sie die?
Raquel Paz Castro: Beim MMI sehen wir uns als Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis, aber auch umgekehrt. Unsere Aufgabe ist es, die Ergebnisse aus der Studie «Kinder und digitale Medien» zu jenen zu bringen, die sie wirklich brauchen. Um die konkreten Bedürfnisse von Eltern zu erfahren, haben wir Gespräche in kleinen Gruppen oder einzeln geführt. Wir haben herausgefunden, dass sie über 50 verschiedene Situationen, in denen Kinder digitale Medien nutzen, als herausfordernd empfinden. Und sie vermissen konkrete Informationen zu diesem Thema. Das zeigt auf: Jede Familie ist einzigartig in Bezug auf ihre Bedürfnisse.
THSN: Sie kennen also die Bedürfnisse der Eltern. Wie und wo können Sie Unterstützung anbieten?
Raquel Paz Castro: Eltern sollen spüren, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Aber weil die Ausgangslage je nach Familie enorm unterschiedlich ist, braucht es eine individuelle Beratung. Und die entwickeln wir momentan mit unserem «KiDiMCoach». Dieses WhatsApp-Tool soll Eltern beim Thema «Kinder im Umgang mit digitalen Medien» individuell unterstützen. Der «KiDiMCoach» ersetzt keine persönliche Beratung, aber er bietet niederschwellig Hilfe zur Selbsthilfe. Das Tool wird in der zweiten Jahreshälfte 2025 in einer Pilotphase getestet.
THSN: Inwiefern sollten Eltern sich und ihr eigenes Verhalten hinterfragen?
Raquel Paz Castro: Ich wünsche mir, dass Eltern sich nicht gegenseitig verurteilen, wenn Familien unterschiedlich mit digitalen Medien umgehen. Eltern wollen das Beste für ihr Kind – aber es wird immer komplexer, dieses Ziel zu erreichen. Das Smartphone steuert unseren Alltag und ist so oft zur Hand, gleichzeitig sollen Kinder einen gesunden Umgang damit lernen. Je gesünder Eltern mit digitalen Medien umgehen, desto bessere Vorbilder haben ihre Kinder.
Quelle: Klicksafe
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