Rundum-Schutz
Die Generali Stiftung The Human Safety Net startet eine deutschlandweite Kampagne rund um die digitale Gesundheit von Kindern unter 6 Jahren und ihren Eltern zum Thema Medienkompetenz und Bildschirmzeit. Kinder kommen bereits vor dem 2. Lebensjahr mit digitalen Medien in Kontakt. Die Auswirkungen von unbegleitetem übermäßigem Medienkontakt in diesem Alter sind gravierend:
Gemeinsam mit unseren Partnern in ganz Deutschland nutzen wir 2026, um die Medienkompetenz von kleinen Kindern zu fördern. Besonders steht hierbei das Wissen der Eltern um die Auswirkungen der Nutzung digitaler Medien durch Kinder im Fokus. Eltern sollen für ihre Vorbildfunktion sensibilisiert werden und das eigene Nutzungsverhalten hinterfragen. Studien zeigen, dass Kinder, deren Eltern häufig am Smartphone oder Tablet sind, geringere kognitive Fähigkeiten aufweisen, häufiger emotionale und Verhaltensprobleme haben und weniger soziale Kompetenzen zeigen. Zudem ist ihre Bindung zu den Eltern schwächer, und sie verbringen selbst deutlich mehr Zeit vor Bildschirmen.
Digitale Ablenkung betrifft nicht nur Kinder, sondern auch Eltern. Studien zeigen:
Wenn Eltern beim Spielen, Essen oder Reden ständig aufs Handy schauen, leidet
die Interaktion. Diese „Technoference“ kann die Sprachentwicklung, Aufmerksamkeit
und emotionale Bindung beeinträchtigen.
Unser Tipp: Leg das Smartphone bewusst beiseite – gemeinsame Zeit ist offline am
wertvollsten.
Digitale Technologien sind längst fester Bestandteil im Alltag kleiner Kinder. Schon im Vorschulalter nutzen viele regelmäßig Tablets, Smartphones oder Smart-TVs. Laut OECD kommen Kinder durchschnittlich ab dem zweiten Lebensjahr mit digitalen nGeräten in Kontakt. Bereits 83 % der Fünfjährigen verwenden mindestens einmal pro Woche digitale Medien, 42 % sogar täglich. Für Eltern stellt sich daher die zentrale Frage: Wie viel Bildschirmzeit ist gesund – und wie lässt sich die Nutzung sinnvoll begleiten?
Viele Initiativen zur digitalen Gesundheit setzen erst an, wenn Probleme bereits sichtbar sind. Doch erste Anzeichen für spätere Schwierigkeiten entstehen oft schon in den frühen Lebensjahren. Wie in allen Bereichen der kindlichen Entwicklung sind gerade die ersten Jahre entscheidend – und die Rolle der Eltern ist dabei von zentraler Bedeutung. Kinder orientieren sich stark an dem Verhalten, das ihnen vorgelebt wird.
Wenn eine Mutter beim Spaziergang den Kinderwagen schiebt, aber statt mit ihrem Kind zu sprechen auf das Smartphone blickt, oder wenn Kinder regelmäßig allein vor dem Bildschirm sitzen, nur damit die Eltern eine kurze Pause haben, kann das langfristig negative Folgen haben. Natürlich: Eltern sind oft gestresst und suchen manchmal nach schnellen Lösungen. Doch wenn Ausnahmen zur Gewohnheit werden, ist es wichtig, innezuhalten, das eigene Verhalten zu reflektieren und gegebenenfalls Unterstützung zu suchen. Denn was Kinder in jungen Jahren lernen, prägt ihr späteres Leben – mit allen Chancen und Risiken.
Eine internationale Studie der University of Wollongong mit 15.000 Teilnehmenden in zehn Ländern zeigt: Kinder, deren Eltern häufig am Smartphone oder Tablet sind, weisen geringere kognitive Fähigkeiten auf, haben häufiger emotionale und Verhaltensprobleme und zeigen weniger soziale Kompetenzen. Zudem ist ihre Bindung zu den Eltern schwächer, und sie verbringen selbst deutlich mehr Zeit vor Bildschirmen.
Auch der österreichische Ableger von Safer Internet untersuchte 2020 das Medienverhalten der Jüngsten. Das Ergebnis: Fast drei Viertel der Eltern von 0- bis 6-Jährigen geben an, dass ihr Kind zumindest gelegentlich internetfähige Geräte nutzt – im Durchschnitt bereits ab einem Alter von 12 Monaten. Gerade in dieser sensiblen Phase sind Eltern besonders gefordert, können sich aber nicht auf eigene Kindheitserfahrungen stützen.
„Es gibt hier eine klare Verbindung zu psychischen Belastungen wie Depressivität“, erklärt Prof. Rainer Thomasius, Ärztlicher Leiter des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ). „Wir erleben im klinischen Alltag, dass die digitale Welt zunehmend als störend empfunden wird. Gleichzeitig fehlt es oft an wirksamer elterlicher Regulierung. Das Handeln der Eltern passt häufig nicht zu ihrem eigentlichen Erziehungsanspruch.“ Laut Studien legen rund 40 % der Eltern keine klaren zeitlichen Grenzen für die Mediennutzung fest.
Eltern spielen eine zentrale Rolle, wenn es um den Umgang mit digitalen Medien geht – vor allem, weil sie für ihre Kinder die wichtigsten Vorbilder sind. Der eigene Medienkonsum wirkt unmittelbar: Wie oft liegt das Handy griffbereit? Wird nebenbei gescrollt, während Gespräche laufen? Gerade bei älteren Kindern lohnt es sich, den eigenen Umgang bewusst zu reflektieren und transparent zu machen: Was ist berufliche Nutzung, was Entspannung, was Gewohnheit? Ebenso wichtig ist ein klarer, verantwortungsvoller Umgang mit Privatsphäre – etwa bei Familienfotos,
WhatsApp-Gruppen oder Posts in sozialen Medien. Kinder beobachten sehr genau, was Erwachsene teilen und wie sorgsam sie mit persönlichen Informationen umgehen. Mediennutzung sollte nicht kontrolliert, sondern begleitet werden. Das bedeutet: mitspielen, mitschauen, nachfragen und echtes Interesse zeigen. Wenn Kinder erklären dürfen, was sie begeistert, entsteht Austausch statt Abwehr. Bewertungen oder vorschnelle Kritik sind dabei wenig hilfreich. Entscheidend ist, informiert zu bleiben und Medien als Teil der Lebenswelt der Kinder ernst zu nehmen. So können Eltern alters- und typgerechte Inhalte auswählen und besser einschätzen, welche Bedürfnisse hinter der Nutzung stehen – Unterhaltung, Entspannung, Zugehörigkeit oder Neugier.
Medien sollten außerdem nicht als Machtinstrument eingesetzt werden. Sie sind kein Belohnungs- oder Druckmittel, sondern ein selbstverständlicher Teil der Freizeitgestaltung. Gerade bei älteren Kindern kann es sinnvoll sein, gemeinsam klare Regeln zu vereinbaren, etwa in Form eines Mediennutzungsvertrags. Solche Absprachen fördern Verantwortung, Verlässlichkeit und Augenhöhe.
Zu den zentralen Aufgaben von Eltern gehört es daher, Vorbild im Umgang mit Medien zu sein, Inhalte bewusst auszuwählen und den Medienkonsum aufmerksam zu begleiten. Gleichzeitig brauchen Kinder attraktive Alternativen: Bewegung, Kreativität, gemeinsame Zeit und Freiräume ohne Bildschirm. Eltern sollten über Risiken aufklären, Schutz bieten und dennoch Vertrauen ermöglichen. Eine begleitende Haltung auf Augenhöhe, die Medien nicht verteufelt, sondern kreativ und reflektiert nutzt, stärkt Kinder langfristig in ihrer Medienkompetenz – und damit in ihrer Selbstständigkeit.
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