Fructoseintoleranz ‚Äď Ein meist unerkanntes Leiden

  1. ALLE THEMEN IM √úBERBLICK
  2. FRUCTOSEINTOLERANZ ‚Äď EIN MEIST UNERKANNTES LEIDEN
Gesund bleiben

Fruc­to­sein­to­le­ranz ‚Äď Ein meist uner­kann­tes Lei­den

Bei Fructose (auch Fruchtzucker genannt) handelt es sich um einen Einfachzucker, der vor allem in Obst und Honig sowie in Spuren auch in den meisten Gem√ľsesorten vorkommt. Die Aufnahme von Fructose erfolgt im Darm √ľber spezielle Transport-Proteine. Lange Zeit glaubte man, dass es sich hierbei um einen Zucker handelt, der f√ľr Diabetiker besser vertr√§glich ist als andere Zuckerarten, da Fructose nicht durch Insulin verstoffwechselt wird. Diese vermeintliche Alternative stellte sich jedoch als Irrtum heraus, da Fructose im Gegenzug einen Einfluss auf die Gewichtszunahme hat.

Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass Fructose auch f√ľr andere Bev√∂lkerungsgruppen ein Problem darstellen kann. Hierbei gibt es drei Formen von Unvertr√§glichkeiten: die Fructos√§mie bzw. die Fructosurie, die Fructosemalabsorption und die heredit√§re Fructoseintoleranz. Dabei weist jeder Mensch individuelle Toleranzgrenzen auf. Lesen Sie hier, was es mit dem Begriff Fructoseintoleranz auf sich hat und woran sie erkennen k√∂nnen, ob Sie m√∂glicherweise betroffen sind.

Fructosämie und Fructosemalabsortion

Von Fructos√§mie spricht man, wenn ein bestimmtes Enzym in der Leber, das f√ľr den Abbau der Fructose zust√§ndig ist (die sogenannte Fructokinase), ausf√§llt. Dadurch sammelt sich Fructose aus der Nahrung im Blut (Fructos√§mie) und im Harn (Fructosurie) an. Dies ist nicht weiter problematisch und nicht behandlungsbed√ľrftig. Meist wird die Fructos√§mie bzw. Fructosurie nur zuf√§llig erkannt.

Jedoch kann die Aufnahme von Fructose im Darm auch generell gest√∂rt sein, was in einer Fehlfunktion bestimmter Transport-Proteine begr√ľndet liegt. Eine Fructosemalabsorption, die √ľber l√§ngere Zeit bestehen bleibt, kann Probleme nach sich ziehen, da sie dazu f√ľhrt, dass sich die Zusammensetzung der Bakterien im Dickdarm ver√§ndert. Die Folge k√∂nnen vielf√§ltige Beschwerden wie Bl√§hungen und Durchfall sein. Dabei kann es sich schwierig gestalten, der Ursache dieser diffusen Symptome auf die Spur zu kommen.

Interessanterweise stellen Mediziner in den vergangenen Jahren die Diagnose der Fructosemalabsortion deutlich h√§ufiger als fr√ľher. Dies l√§sst sich damit erkl√§ren, dass die Lebensmittelindustrie Fructose inzwischen oft als billigen Rohstoff gezielt vielen Fertiglebensmitteln wie S√ľ√üigkeiten, Softdrinks und Tiefk√ľhlpizzas zusetzt, um deren Geschmack zu verbessern und um somit den Absatz dieser Produkte zu erh√∂hen. Als Folge nehmen zahlreiche Menschen vermehrt Fructose auf. Aufschluss geben √ľber eine Fructosemalabsortion kann ein Wasserstoff-Atemtest, nachdem den Betroffenen auf n√ľchternen Magen Fructose verabreicht wurde.

Behandelt wird dieses Ph√§momen dadurch, dass Patienten eine bestimmte Zeit ihren Fructose-Konsum und ihren Konsum von Zuckeralkoholen stark einschr√§nken, um anschlie√üend gemeinsam mit einem Ern√§hrungstherapeuten herauszufinden, wo ihre individuelle Toleranzgrenze liegt. Grunds√§tzlich wird Betroffenen empfohlen, mehr Gem√ľse als Obst zu essen und vor allem auf Fertiglebensmittel mit Fructose-Zusatz zu verzichten. Beim Essen von Obst ist es dabei ratsam, die konsumierte Gesamtmenge auf mehrere kleine Portionen zu verteilen, da dies f√ľr den K√∂rper besser vertr√§glich ist. Obstsorten, die sehr viel Fructose enthalten (zum Beispiel Trauben, Rosinen oder Trockenobst), sollten generell gemieden werden.

Was ist eine heriditäre Fructoseintoleranz?

Die heridit√§re Fructoseintoleranz ist eine Stoffwechselst√∂rung, die erblich bedingt ist, und deutlich ernstere Folgen als eine Malabsorbtion haben kann. Sie ist recht selten und tritt etwa bei einer Person von 20.000 auf. Der Grund f√ľr diese Unvertr√§glichkeit liegt in einem Defekt, der das Enzym Fructose-1-Phosphataldolase betrifft. Dieses Enzym ist daf√ľr zust√§ndig, Fructose in der Leber, den Nieren und im Darm zu spalten. Fehlt es, kommt es zu einer Anreicherung von Fructose-Abbauprodukten im K√∂rper, die zu Vergiftungserscheinungen und anderen Sch√§den f√ľhren.

Erste Anzeichen einer heridit√§ren Fructoseintoleranz stellen sich schon im S√§uglingsalter ein, wenn Kinder Milch trinken, die Haushaltszucker bzw. Saccharose enth√§lt. In der Folge kommt es zu Erbrechen, Unterzucker, Gerinnungsst√∂rungen, Eiwei√üausscheidung √ľber die Nieren und zuletzt zu Lebersch√§den bis hin zur Leberzirrhose. Die Ursachenforschung f√ľr diese Symptome gestaltet sich h√§ufig schwierig. Betroffene Kinder haben oft eine instinktive Abneigung gegen Lebensmittel wie Obst oder Fruchts√§fte. Letztendlich kann der Arzt dann √ľber eine Gewebeentnahme feststellen, ob ein entsprechender Enzymmangel vorliegt, der den Beschwerden zugrunde liegt. Betroffene m√ľssen daraufhin lebenslang eine bestimmte Di√§t einhalten, um einer chronischen Lebererkrankung vorzubeugen. Vermieden werden sollten dabei Haushaltszucker (Saccharose) in jeglicher Form, Honig, s√§mtliche zuckerhaltigen Lebensmittel (S√ľ√üigkeiten, Fruchts√§fte, Obst- und Gem√ľsekonserven etc.), Fisch, Fleisch und Wurst, Ketchup, Mayonnaise, Fertigso√üen, Lebensmittel mit Sorbit (ein Zuckeralkohol), bestimmte Gem√ľsesorten wie Artischocken und Topinambur, die Inulin enthalten, und viele andere Produkte. Die Betroffenen m√ľssen deswegen mit zahlreichen Einschr√§nkungen bez√ľglich ihrer Ern√§hrung leben.

Behandlung der Fructoseintoleranz

Inzwischen sind zur Behandlung der Fructoseintoleranz Pr√§parate auf dem Markt erh√§ltlich, die die sogenannte Xylose-Isomerase enthalten. Hierbei handelt es sich um ein Enzym, das Glucose in Fructose umwandeln kann und umgekehrt. In der Folge entsteht wieder ein Gleichgewicht im Darm zwischen Fructose und Glucose und die Beschwerden der Betroffenen bessern sich. Diesen Mechanismus der Xylose-Isomerase macht man sich f√ľr die Therapie der Fructoseintoleranz zunutze. Der Nachteil dieser Pr√§parate ist, dass sie relativ teuer sind, wobei die Patienten die Kosten in der Regel selbst tragen m√ľssen. Aus diesem Grunde bleibt h√§ufig keine Alternative zu einer konsequenten Di√§t.

W√§hrend die heridit√§re Fructoseintoleranz nicht vermeidbar ist, da sie erblich ist, lassen sich andere Formen der Fructoseintoleranz verhindern bzw. lindern. Als Faustregel lassen sich folgende Ern√§hrungsempfehlungen geben: Im Idealfall sollte man so selten wie m√∂glich zu Fertigprodutken wie S√ľ√üigkeiten, Softdrinks, Geb√§ck, Fertigso√üen, Tiefk√ľhlpizzas etc. greifen und stattdessen frische, regionale Lebensmittel bevorzugen. Au√üerdem sollte man Gem√ľse den Vorzug vor Obst geben. Mit einer solchen Ern√§hrung lassen sich auch zahlreiche andere Zivilisationserkrankungen vermeiden oder zumindest verz√∂gern, weshalb Ern√§hrungswissenschaftlern dazu raten.

Wenn eine Aufnahme von zu viel Fructose auch nicht direkt zu Beschwerden f√ľhrt, so bremst sie doch die Gewichtsabnahme, da sie einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel hat. Aus diesem Grunde ist man auch davon abgekommen, Diabetiker mit Fructose als Alternativzucker zu behandeln und Abnehmwilligen den Verzehr von viel Obst zu empfehlen, wie es in fr√ľheren Jahren der Fall war.

Letztendlich lässt sich dabei keine genaue Grenze festlegen, wie viel Fructose verzehrt werden darf, da die Toleranzgrenze sehr individuell ist. Testen Sie also am besten selbst, wie gut sie Fructose vertragen. Sollten jedoch oben genannte Beschwerden auftreten, die zunächst diffus erscheinen, ist der Verdacht auf eine Fructoseintoleranz nahe liegend. Dann ist der Gang zum Arzt angezeigt.

Unsere Emp­feh­lung

Besserer Gesundheitsschutz f√ľr GKV-Mitglieder: Krankenzusatzversicherungen nach Ma√ü

Mehr erfahren

√Ąhn­li­che Arti­kel