v.l.n.r.: Walter Kahlenborn, Dr. Andrea Timmesfeld, Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Dr. Konstantin von Notz

Ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Folgen des digitalen Wandels

Laut einer Greenpeace-Studie verbraucht das Internet so viel Energie, dass es – wäre es ein Land – der sechstgrößte Energieverbraucher weltweit wäre. Doch fördert oder verhindert Digitalisierung eine nachhaltige Entwicklung? Oder haben Nachhaltigkeit und Digitalisierung gar nichts miteinander zu tun? Diese und andere Fragen wurden bei der Generali // Open minded Sommerveranstaltung am 26. Juni im Berliner Hauptstadtbüro Lindencorso by Generali diskutiert. Neben Dr. Konstantin von Notz, MdB, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, waren Prof. Dr. Stefan Schaltegger, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Leuphana Universität Lüneburg und Leiter des Centre for Sustainability Management, sowie Walter Kahlenborn, Mitbegründer und Geschäftsführer von adelphi research und adelphi consult, auf dem Podium vertreten.

Dr. Konstantin von Notz (Mitte) Moderiert wurde die Diskussion von Dr. Andrea Timmesfeld, Head of Public Affairs & Community Engagement und Hauptstadtbüroleiterin der Generali Deutschland AG. Sie machte zu Beginn deutlich, dass es bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit um zwei globale Megatrends geht, die unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren fundamental verändern werden.

Dr. Konstantin von Notz vertrat den Standpunkt, dass die großen Chancen der Digitalisierung, auch und gerade für die Vereinbarkeit von Ökonomie und Nachhaltigkeit, nur dann voll ausschöpft werden können, wenn die Menschen und die demokratischen Grundwerte in den Mittelpunkt der politischen Konzepte gestellt werden. Der Gesetzgeber muss dabei durch entsprechende Standards – wie in allen Lebensbereichen – die für eine erfolgreiche Digitalisierung der Gesellschaft geeigneten Rahmenbedingungen setzen. Besorgt zeigte sich Dr. von Notz über die IT Sicherheit in Deutschland. Auch für die Versicherungswirtschaft mit ihren Smart Insurance-Produkten stellt sie die wesentliche künftige Herausforderung dar.

Prof. Dr. Stefan Schaltegger Walter Kahlenborn (Mitte) Fragen aus dem Publikum Prof. Dr. Schaltegger war der Ansicht, dass Digitalisierung an sich ein neutraler Prozess ist. Sie kann von Nachhaltigkeitsmanagern zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen genutzt werden oder von Managern „nachhaltigkeitsignorant“ verwendet werden. Technologien sollten so genutzt werden, dass sie der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen beitragen können. Dies erfordert eine ausdrückliche und rechtzeitige Auseinandersetzung mit den Nachhaltigkeitswirkungen der Digitalisierung. Prof. Schaltegger betonte, wie die beiden anderen Podiumsteilnehmer auch, die herausragende Bedeutung, zukünftig digitale Bildung so früh wie möglich verpflichtend zu etablieren.


Walter Kahlenborn von adelphi Research schilderte, dass der hohe Energieverbrauch der IT-Infrastruktur nicht der entscheidende Nachhaltigkeitsaspekt von Digitalisierung ist. Vielmehr müssen Digitalisierung und die damit verbundenen Wirkungszusammenhänge ganzheitlich gesehen werden. So wird es in den kommenden Jahren durch Digitalisierung enorme Energie- und damit Emissionseinsparpotentiale in den Bereichen Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und Smart Cities geben.


Am Ende war sich die Runde einig, dass Digitalisierung mehr positive als negative Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung haben wird. Wie und in welchem Umfang wird maßgeblich von den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen.