Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Chatbots, Connected Devices: Eine ganze Reihe an technologischen Innovationen sorgen momentan für viel frischen Wind in der Versicherungsbranche. Doch welche dieser Technologien werden das Geschäftsmodell der Assekuranz tatsächlich nachhaltig verändern? Dieser Fragen widmet sich am 15./16. November die Digital Insurance Agenda Konferenz, kurz DIA, in München. Hauptpartner der diesjährigen Konferenz ist der vor kurzem ins Leben gerufene InsurTech Hub Munich e.V., dem u.a. die Generali Deutschland angehört. Im Gespräch mit Vincenzo Reina, Head of Strategy and Smart Insurance sowie Mitglied des InsurTech Hub Vorstands, und Martin Schmidt-Schön, Head of Digital, berichten sie von ihren Erwartungen an die DIA und die Sicht der Generali auf die aktuellen Trends der Branche.

Dia MunichInterview:
Mit der DIA kommt eine der weltweit führenden InsurTech-Messen zu Ihnen nach München, wo Sie erst vor wenigen Monaten gemeinsam mit 11 anderen Versicherern den InsurTechHub Munich gegründet haben. InsurTech trifft InsurTech, könnte man meinen. Was, denken Sie, macht München so attraktiv?

Vincenzo Reina (VR): München ist ein hervorragender Austragungsort für diese hochkarätige Messe – und das nicht nur aufgrund der bayerischen Gemütlichkeit und der Nähe zur wunderschönen Voralpen-Landschaft. München ist eine der wichtigsten Städte für Insurtechs in Europa, fast 200 Start-Ups aus der Versicherungsszene haben hier ihren Sitz. Die Stadt weist eine sehr große Dynamik in der Assekuranz auf, zahlreiche Versicherer haben hier ihre digitalen Hubs. Der Ausdruck „Silicon Valley der Versicherungswirtschaft“ ist insofern nur allzutreffend. Mit der Gründung des InsurTech Hubs München werden wir die bereits vorhandene Technologie-Landschaft hier auf ein nächstes Level heben, um letztendlich global der Anlaufpunkt für InsurTech-Startups, Investoren und Talente zu werden.


Was können wir von der DIA erwarten?

Martin Schmidt-Schön (MSS): Wir können uns auf zwei spannende Tage freuen. Die DIA Veranstalter bauen auf ein hohes Maß an Qualität bei der Auswahl der Startups und Keynotes. Die 50 Jungunternehmen, die live auf der Bühne ihre innovativen Lösungen vorstellen werden, wurden aus über 1.500 ausgewählt. Entscheidend für die Selektion ist, inwiefern die Startups aktuelle Herausforderungen der Versicherungsbranche aus einer Kundenperspektive heraus adressieren und schon erprobte Lösungen vorweisen können. Im Rahmen der DIA wird übrigens auch der Demo Day des aktuellen Startup Batches unseres Werk1 Accelerators stattfinden. Ein tolles Erfolgserlebnis für die Gründer, den InsurTech Hub München und uns! Ich freue mich besonders, dass sich Generali Kollegen aus den verschiedensten Bereichen zur DIA zusammenfinden werden und wir die Möglichkeit haben, uns in diesem kreativen und inspirierenden Setting auszutauschen.

Was möchte die Generali Deutschland konkret auf der DIA erreichen?

VR: Im Rahmen der digitalen Transformation der Generali Deutschland haben wir vor rund zwei Jahren unsere Smart Insurance-Offensive gestartet. Diese wollen wir in den nächsten Jahren kontinuierlich ausbauen und sind dabei auf innovative Ideen u.a. von Startups angewiesen. Deswegen haben wir auch die Gründung des Accelerators Werk1 und des InsurTechHub München mit vorangetrieben. In dieselbe Richtung geht unser Engagement auf der DIA. Als eine der Leitmessen zum Thema Insurtech ist es der ideale Ort, um mit Jungunternehmen in Kontakt zu treten, sich mit Ihnen auszutauschen und kreative Ideen in Erfahrung zu bringen. Wir sind schon sehr gespannt, was sie zu bieten haben.

Wie beurteilen Sie generell die Entwicklung im Bereich Insurtech?

MSS: Es ist eine überaus spannende Entwicklung. Wir merken eine unglaubliche Dynamik in der Assekuranz, in der innovative Ideen als Antwort auf verändertes Kundenverhalten traditionelle Geschäftsfelder umgestalten und hoch interessante Startups auf den Markt kommen. Wir als Generali sind ja schon lange in diesem innovativen Geschäftsfeld aktiv. Immerhin können wir mit dem führenden Direktversicherer CosmosDirekt, der ebenso zum Generali-Konzern gehört, mehr als 30 Jahre Erfahrung als quasi „FinTech“ vorweisen. Mit unser Smart Insurance Offensive bauen wir das Geschäftsfeld weiter aus.

Sie haben von ihrer Smart Insurance-Offensive gesprochen. Was verstehen Sie genau darunter?

MSS: Das Thema „Smart Insurance“ nimmt in unserem Haus eine sehr hohe Stellung ein, indem wir mittels neuester IoT-Technologien Versicherung neu denken. Dabei setzen wir auf Prävention, so dass ein Schaden im Idealfall erst gar nicht entsteht. Als einziger Versicherungskonzern bieten wir unseren Kunden innovative Smart Insurance-Lösungen in beinahe jedem Bereich an: Generali Vitality zur Unterstützung eines gesünderen Lebens; Generali Mobility in Form unserer Telematik-Tarife für sicheres Fahren und Generali Domocity bzw. Smart Home für ein sicheres Zuhause. Damit sind wir Pionier.

Und können Sie auch schon ein erstes Resümee zu ihrer Offensive ziehen?

MSS: Insgesamt sind wir sehr gut unterwegs. Die Entwicklung und die Feedbacks übertreffen zum Teil unsere Erwartungen. Es gibt in den verschiedenen Bereichen zwar gewisse Unterschiede, so etwa dass der Domocity-Ansatz noch stärker als der Mobility-Ansatz angenommen wird; allerdings halte ich letzteres für eine branchenweite Entwicklung. Zusammenfassend kann ich bestätigen, dass wir mit unserer Strategieinitiative auf genau dem richtigen Weg sind, was sowohl das Kundenfeedback als auch die Nutzerzahlen angeht, und werden daher unsere Smart Insurance-Lösungen kontinuierlich weiterentwickeln und ausbauen.

VR: Diese Entwicklung bestätigt sich auch in Hinblick auf die DIA: Vitality darf auch hier auf der Bühne nicht fehlen und wird durch Andrew Scott von Vitality UK im Rahmen einer Keynote vorgestellt werden. Auch in den weiteren Smart Insurance Bereichen hat sich eine enge Zusammenarbeit mit hochinnovativen Start-Ups bewährt, so mit myDrive bei Generali Mobility und mit devolo sowie mit der Google bzw. Alphabet-Tochter Nest Labs bei Generali Domocity. Das zeigt: Für eine erfolgreiche digitale Transformation ist die Zusammenarbeit von traditionellen Versicherern mit innovativen Startups ein Erfolgsmodell. Ich bin mir sicher, dass die DIA dieses belegen und gleichzeitig neue Chancen für erfolgreiche Kooperationen schaffen wird.