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Obwohl fast alle es gutheißen: Nur rund drei Prozent aller Deutschen spenden regelmäßig Blut. Wünschenswert wäre die doppelte Anzahl an Bereitwilligen. Denn Blutspenden rettet Leben – zum Beispiel via Transfusion nach Unfällen oder bei Krankheiten. Du möchtest Lebensretter werden? Wir sagen dir, was du rund um deine erste Blutspende wissen solltest. Hierbei beziehen wir uns auf die am weitesten verbreitete Spendenart, die Vollblutspende. In Deutschland stammen rund 75 Prozent der Vollblutspenden von den Blutspendediensten des Deutschen Roten Kreuzes, kurz: DRK.

Ablauf Blutspende: Wie geht Blutspenden?

Damit du weißt, was dich erwartet, beschreiben wir hier einen typischen Blutspende-Ablauf.

Finde deinen Blutspende-Termin

Oft machen regionale Werbebanner auf Blutspende-Termine aufmerksam. Wer gezielt einen Termin zum Blutspenden sucht, hat täglich die Wahl zwischen ca. 180 Blutspendeterminen des DRK in ganz Deutschland. Zu den meisten Blutspendeterminen kann man sich seinen persönlichen Termin online reservieren. Da ist sicher einer in deiner Nähe dabei! Zusätzlich gibt es staatlich-kommunale und universitäre Blutspendedienste.

Auf Blutspende vorbereiten

Am besten bereitest du dich auf eine Blutspende vor, indem du ausgeruht, satt und mit Personalausweis zum Termin erscheinst. Besonders wichtig ist es, vor einer Blutspende ausreichend zu trinken. Denn über die Blutspende gibst du 500 ml Blut ab – dies klappt am besten, wenn dein Kreislauf nicht gleichzeitig mit Flüssigkeitsmangel umgehen muss. Trinke also auf dein Wohl – im Wartebereich stehen meist kostenlose Getränke für die Spender bereit. Apropos Wartebereich: Hier erfolgen zuerst die Formalitäten rund um die Anmeldung. Die Mitarbeiter vor Ort kontrollieren deinen Personalausweis und falls du das erste Mal dabei bist, nehmen sie zusätzlich deine Daten für einen Blutspendeausweis auf.

Untersuchungen vor der Blutspende

Nach der Anmeldung geht es darum, mittels Fragebogen und Untersuchung zu klären, ob du die Voraussetzungen für eine Blutspende erfüllst. Hierfür erfolgt ein kurzes Gespräch mit einem Arzt, der sich den ausgefüllten Fragebogen anschaut.Er oder seine Helfer messen Blutdruck, Temperatur und bestimmen mit einem kleinen Blutstropfen, der aus dem Finger oder Ohrläppchen entnommen wird, den Hämoglobin-Gehalt des Blutes. Der sogenannte HB-Wert ist der Eisenwert des Blutes. Darüber kann man rückschließen, wie hoch der Sauerstoffgehalt des Blutes ist. Wenn du alle Voraussetzungen erfüllst, kann es losgehen!

Die Blutspende

Die Blutspende-Helfer bitten dich, auf einer der bequemen Liegen Platz zu nehmen. Anschließend erhältst du einen Zugang in deine Armvene, über den das Blut in einen kleinen Beutel, das Spendegebinde, fließt. Da die Blutspende-Helfer sehr erfahren im Blutabnehmen sind, finden sie auch bei „schwierigen“ Venen auf Anhieb die optimale Stelle. Wenn das Blut fließt, kannst du dich entspannt zurücklehnen. Nach rund zehn Minuten hast du 500 ml Blut abgegeben.

Nach der Blutspende

Nach ein paar Minuten auf der Liege darfst du aufstehen. Im Wartebereich erwartet dich eine kleine Stärkung. Gönne deinem Kreislauf hier eine kleine Verschnaufpause, bevor du dich wieder in den Alltag begibst. Autofahren ist im Anschluss kein Problem. In den nächsten beiden Tagen solltest du jedoch keine Hochrisikosportarten wie Tauchen, Klettern oder Fliegen betreiben. Auf einen Saunagang solltest du am Tag der Blutspende verzichten. Genauere Informationen erhältst du vor Ort.

Wie lange dauert eine Blutspende?

Die eigentliche Blutspende dauert nur rund 10 Minuten. Doch mit Voruntersuchungen, Wartezeiten und anschließendem kleinen Imbiss solltest du rund eine Stunde Zeit für den Termin einplanen.

Voraussetzungen zum Blutspenden

Wer darf kein Blut spenden? Blutspenden muss sicher sein – für dich ebenso wie für den Empfänger der Spende. Darum gibt es bestimmte Voraussetzungen, die du erfüllen musst, um Blutspenden zu können. Du selbst solltest dich gesund fühlen und keine ansteckenden oder chronischen Krankheiten haben. Der Fragebogen vor dem Blutspenden fragt im Detail nach vorausgegangenen, akuten Erkrankungen sowie Medikamenten. Impfungen mit Lebendimpfstoffen sollten mehr als vier Wochen zurückliegen. Weitere Voraussetzungen sind:

  • Alter: die erste Blutspende ist zwischen 18 und 68 Jahren möglich (in bestimmten Bundesländern bis 76 Jahre)
  • Gewicht: > 50 kg
  • Hämoglobin-Wert: Männer > 13,5g/dl, bei Frauen > 12,5 g/dl
  • frei von Erkältungssymptomen und Fieber
  • gesunde Blutdruckwerte - hier mehr dazu
  • keine bestehende Schwangerschaft – Periode ist kein Problem
  • keine Tätowierungen in den letzten vier Monaten

Du fragst dich: Darf ich Blut spenden? Dann mach jetzt den online Spende-Check beim DRK.

Auslandsaufenthalte als Ausschlusskriterium

Wer sich innerhalb des letzten halben Jahres in tropischen Gebieten aufgehalten hat, darf kein Blut spenden. Dies dient dem Schutz vor Tropenkrankheiten. Je nach Krankheitsgeschehen kann es zu temporären Ausschlüssen von bestimmten Regionen kommen. Ein auf den ersten Blick kurios anmutender Ausschlussgrund ist zum Besipiel ein Aufenthalt in Großbritannien zwischen 1980 und 1996, der länger als sechs Monate andauerte. Denn dieses Kriterium dient zum Beispiel als Schutz vor der Creutzfeld-Jacob-Krankheit, die via Bluttransfusion in seltenen Fällen übertragbar sein kann. Weitere Informationen zum Blutspenden nach einem Auslandsaufenthalt, findest du hier.

Dürfen Homosexuelle Blut spenden?

Eine umstrittene Voraussetzung rund um Blutspenden ist, dass Homosexuelle in vielen Ländern, nur eingeschränkt Blut spenden dürfen. Weshalb bestehen diese Einschränkungen? Die „Richtlinie Hämotherapie“ der deutschen Bundesärztekammer zählt „Männer, die Sexualverkehr mit Männern haben und transsexuelle Personen mit sexuellem Risikoverhalten“ zu den „Personen, deren Sexualverhalten ein gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für durch Blut übertragbare schwere Infektionskrankheiten, wie HBV, HCV oder HIV, birgt“. In Deutschland sind homosexuelle Männer darum für eine Dauer von 12 Monaten nach dem letzten Geschlechtsverkehr von der Blutspende ausgeschlossen.

Sexuelles Risikoverhalten

Auch wer Geschlechtsverkehr mit häufig wechselnden Partnern hat oder sich prostituiert ist von der Blutspende ausgeschlossen. Zumindest für 12 Monate ab dem Zeitpunkt des letzten Geschlechtsverkehrs. Aktuell laufen Überlegungen, diesen Zeitraum auf vier Monate zu verkürzen.

Blutspenden und Corona

Das Blutspenden ist während der Corona-Pandemie weiterhin möglich und dringend erforderlich. Das Corona-Virus ist bei Symptomlosen nach derzeitigem Kenntnisstand nicht im Blut nachweisbar. Zudem wird vor Ort auf ein umfangreiches Hygienekonzept geachtet, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Wer allerdings Erkältungssymptome, Verdacht auf Corona oder Kontakt zu einem Infizierten hat oder sich im Ausland aufgehalten hat, ist gemäß DRK für zwei Wochen von der Blutspende ausgeschlossen. Eine Impfung hingegen hat keine Wartezeit zur Folge.

Wie oft darf man zum Blutspenden?

Nach der Blutspende muss dein Körper neues Blut bilden – dafür braucht er Zeit. Darum beträgt der Abstand zwischen zwei Blutspenden bei Blutspendediensten des DRK mindestens 56 Tage. Männer dürfen sechsmal pro Jahr Blut spenden. Frauen können viermal jährlich zur Blutspende gehen. Je nach Blutspendedienst und Land kann es Unterschiede bei der Häufigkeit geben – so sind beispielsweise bei der Blutspende SRK Schweiz nur vier Spenden für Männer und drei für Frauen pro Jahr erlaubt.

Blutspenden: Nachwirkungen

Welche körperlichen Auswirkungen hat eine Blutspende? Hier eine kleine Übersicht:

  • nach 15 bis 20 Minuten hat sich dein Kreislauf wieder stabilisiert
  • nach einem Tag ist der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen
  • nach zwei Tagen sind die Proteine im Blut nachgefüllt
  • nach zwei Wochen hat der Körper die gespendeten Blutzellen ersetzt
  • acht bis zwölf Wochen dauert das Auffüllen der Eisenspeicher

Mit der Einnahme bestimmter Vitamine und Mineralstoffe kannst du deinen Körper beim Regenerationsprozess unterstützen. Vitamin B12 ist zum Beispiel wichtig für die Bildung roter Blutkörperchen! Außerdem solltest du darauf achten eisenhaltige Lebensmittel zu dir zu nehmen, denn Eisen kann dein Körper nicht von selbst bilden.

Kleiner Tipp: In Verbindung mit Vitamin C, kann das Eisen besser aufgenommen werden. Ein Frühstücksbrei aus Haferflocken mit Beeren oder einem frischen Glas Orangensaft ist somit eine gute Art den Eisenspeicher wieder aufzufüllen. Im Gegensatz dazu hemmen tanninhaltige Getränke wie Kaffee oder Schwarztee die Aufnahme von Eisen.

Was wird beim Blutspenden getestet?

Jede Blutspende ist ein kleiner Gesundheitscheck für den Spender. Neben der Messung des HB-Wertes, des Blutdruckes und des Puls, wird das gespendete Blut im Labor untersucht. Kommt es dabei zu Auffälligkeiten, informiert der Blutspendedienst dich darüber. Im Fragebogen vor der Spende kannst du ausfüllen, ob auch dein Hausarzt parallel zu informieren ist. Tests auf HIV, Syphilis und Hepatitis A, B, C und E sowie Parvovirus B19 (Erreger der Ringelröteln) gehören zu den Standarduntersuchungen bei Blutspenden.

Ist Blutspenden gesund?

Blutspenden bedeutet, anderen zu helfen. Besonders „gesund“ ist die Spende, wenn sie das Leben des Empfängers retten kann. Ganz nebenbei berichten viele Blutspender von positiven Effekten für die eigene Gesundheit. Einige Studien geben Hinweise darauf, dass regelmäßiges Blutspenden bei Menschen, die unter Bluthochdruck leiden, den Blutdruck senken kann. Ein für manche angenehmer Nebeneffekt: Bei einer Blutspende verbraucht der Körper rund 2.000 kcal zusätzlich.

Du kennst deine Blutgruppe und möchtest Kilos verlieren? Informiere dich hier rund um die kritisch zu betrachtende Blutgruppendiät.

Der Blutspendeausweis

Im Anschluss an deine erste DRK-Blutspende bekommst du nach rund einem Monat Wartezeit entweder einen Blutspendeausweis im Scheckkartenformat oder deinen persönlichen Zugang zur Blutspende-App, mit dem digitalen Blutspendeausweis (je nach Blutspendedienst). Mit ihm kannst du dich bei weiteren DRK-Spenden anmelden (trotzdem immer einen gültigen Lichtbildausweis mitbringen). Er enthält Informationen zu deiner Blutgruppe und deinem Rhesus-Faktor.

Gibt es eine Entschädigung fürs Blutspenden?

Die wichtigste Entschädigung rund ums Blutspenden ist für die meisten Spender: Blutspenden rettet Leben! Fast jede fünfte Blutspende hilft Krebskranken, zum Beispiel im Rahmen einer Operation. Auch bei Unfällen, Geburten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen Blutspenden zum Einsatz. Dabei sollte einem bewusst werden, dass jeder in eine von diesen Situationen gelangen kann - auch man selbst.
Das Ziel des Blutspendens sollte deshalb keine finanzielle Entschädigung sein, sondern in erster Linie Menschenleben zu retten. 

Bekommt man fürs Blutspenden Geld? Die DRK-Blutspendedienste zahlen keine finanzielle Entschädigung. Doch neben dem guten Gefühl, anderen Menschen entscheidend helfen zu können, gibt es kleine Aufmerksamkeiten. Neben kostenlosen Getränken und Snacks am Tag der Blutentnahme erwartet Blutspender oft ein kleines Dankeschön. Wenige andere Blutspendedienste zahlen eine Aufwandsentschädigung von rund 20 Euro.

Weitere Blutspende-Arten

Wenn du Plakate rund um „Blutspenden“ siehst, handelt es sich dabei fast immer um die hier beschriebene Vollblutspende. Neben der Vollblutspende gibt es zum Beispiel die Plasmaspende (auch: Plasmapherese). Dabei wird das Blut bereits während der Spende in einzelne Bestandteile zerlegt. Rote und weiße Blutkörperchen erhält der Spender sofort wieder zurück. Die Plasmaspende dauert mindestens 30 Minuten. Da dem Körper jedoch „nur“ Plasma entnommen wird, ist sie 60 mal pro Jahr erlaubt. Plasma ist ein unverzichtbarer Bestandteil vieler Medikamente.  Weitere Spendenarten sind die Erythrozyten-Spende und die Thrombozyten-Spende.



Helfen kann so einfach sein

Wie du siehst: Man muss keine Superhelden-Qualitäten mitbringen, um Leben zu retten! Du erfüllst alle Voraussetzungen zum Blutspenden? Dann kreuze dir den Termin für deine erste Spende im Kalender an!

Du hast weitere Fragen? Nutze die kostenlose Spender-Hotline des DRK: Tel.: 0800 11 949 11 und unter www.blutspende.de

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