Kinder und Familie? Selbstverwirklichung und Karriere? Beruf und Freizeit? Vor allem junge Menschen genießen gerne das Leben und dies auch zu Recht. Dennoch stellt sich früher oder später unweigerlich die Frage, welche Weichen im Leben man stellen möchte. Fragen wie: Was ist mir persönlich wichtig und was sind meine Prioritäten? Wo möchte ich hin? Und wie komme ich zu meinem Ziel? Die Zeitschrift „Eltern“ hat zu diesem Thema eine Studie beim Meinungsforschungsinstitut „forsa“ in Auftrag gegeben. Dabei wurden insgesamt 1.000 Deutsche im Alter zwischen 18 und 30 Jahren befragt, worauf es ihnen im Leben ankommt.

Lies im Folgenden die spannenden Ergebnisse, denn sie verraten eine Menge über den Zeitgeist, der in einer ganzen Generation von jungen Erwachsenen lebendig ist und zeigt, welche Vorstellungen junge Menschen haben.

Eine feste und stabile Partnerschaft ist wichtig

Junge Menschen sind ohnehin egoistisch und völlig auf Karriere fixiert? Spätestens die „forsa“-Studie im Auftrag der Zeitschrift „Eltern“ räumt mit diesem Vorurteil auf. Ganz oben in der Prioritätenliste rangiert mit 73 Prozent demnach der Wunsch nach einer festen, stabilen und harmonischen Partnerschaft. 87 Prozent der Befragten wünschen sich zwar im Laufe des Lebens ein oder mehrere Kinder, betrachten jedoch eine stabile Partnerschaft als eine wichtige Voraussetzung für eine Familie (74 Prozent). Rund die Hälfte der Befragten (56 Prozent) gab an, dass ihnen die richtige Balance zwischen Beruf und Freizeit wichtig ist, und dass ein guter Ausgleich wiederum eine Voraussetzung für ein funktionierendes Familienleben ist. Interessanterweise rangieren Aspekte wie Selbstverwirklichung (31 Prozent), Wohlstand (17 Prozent) und Karriere (14 Prozent) eher weiter hinten. Beruflich betrachtet legen die meisten Befragten mehr Wert auf Selbstverwirklichung und Spaß am Beruf als auf ein besonders gutes Gehalt und außergewöhnliche Karrierechancen.

Wie bekommt man Beruf & Familie unter einen Hut?

Die Ergebnisse der Studie stellen junge Erwachsene, junge Eltern, Arbeitgeber und auch den Gesetzgeber vor wichtige Fragen. Junge Erwachsene stehen vor der Herausforderung, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten bringen es nämlich mit sich, dass Paare und Familien meist auf zwei Gehälter angewiesen sind. Dies ist beispielsweise durch die steigenden Lebenshaltungskosten bedingt. Wer sich also Familie und Kinder wünscht, sollte rechtzeitig überlegen, wie er/sie sich organisiert.

Vor allem Frauen aber sind dabei sehr oft mit Beruf, Familie und Haushalt einer Doppel- und Dreifachbelastung ausgesetzt. Häufig verlieren sie durch Kindererziehungszeiten auch den Anschluss an den Beruf. Und etwas Freizeit sollte es schließlich auch noch geben, denn sonst brennt man bei so viel Stress frühzeitig aus. Worin besteht also die Lösung?

Der Gesetzgeber hat es zum Beispiel ermöglicht, dass auch Väter Eltern- und Auszeiten nehmen können und auf diese Weise schon in frühen Jahren für den Nachwuchs da sind, eine engere Bindung zu ihren Kindern aufbauen und frischgebackene Mütter entlasten. Für Geburten ab dem 1. Juli 2015 ist es inzwischen für beide Elternteile möglich, bis zu 24 Monate Elternzeit zu nehmen. In dieser Zeit besteht Kündigungsschutz und es ist eine Teilzeitbeschäftigung bis zu 30 Wochenstunden erlaubt. Im europäischen Vergleich nehmen aber immer noch vergleichsweise wenige Männer in Deutschland Elternzeit in Anspruch. Die genauen gesetzlichen Bestimmungen zu Elternzeiten findest du hier.

5 Tipps zur Vereinbarkeit von Beruf & Familie

1. Für Frauen, die mittelfristig weiterhin erfolgreich berufstätig sein wollen, ist es wichtig, sich frühzeitig mit dem Partner über mögliche Optionen zu verständigen, wer wann wie viel Elternzeit nimmt. Wissenschaftliche Studien zeigen dabei eindeutig, dass Kinder sehr davon profitieren, wenn Väter aktiv an der Erziehung teilnehmen.

2. Es gibt inzwischen zahlreiche Angebote der Kinderbetreuung. Möglichkeiten sind zum Beispiel Kindertagesstätten, qualifizierte Tagesmütter oder helfende Verwandtschaft wie Oma und Opa. Kläre im Vorfeld, ob dein Kind einen Kita-Platz bekommen kann, ob es qualifizierte und (wichtig!) deinem Kind sympathische Tagesmütter im Umkreis gibt oder ob Familienangehörige bereit sind, bei der Kinderbetreuung mit einzuspringen. In der Regel sind Großeltern überglücklich, wenn sie Zeit mit ihren Enkelkindern verbringen können. Die Kitas unterscheiden sich übrigens in ihren Öffnungszeiten voneinander, wobei die Tendenz dahin geht, dass diese immer mehr ausgedehnt werden.

3. Sprich rechtzeitig mit deinem Arbeitgeber darüber, welche Möglichkeiten es gibt, Beruf und Kindererziehung zu vereinbaren. Viele Arbeitgeber sind diesbezüglich sehr kooperativ und aufgeschlossen. Schildere dabei deine Situation ohne Vorbehalte.

4. Offene Kommunikation und eine gute Abstimmung in der Partnerschaft sind die halbe Miete. Besprich, wer wann welche Aufgaben übernimmt. Ideal ist es, Kinder möglichst früh zur Selbständigkeit zu erziehen und sie zur Mithilfe bei der Hausarbeit anzuhalten. Sieh deine Familie als Team: Alle helfen mit, um ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen. Kinder verstehen dabei oftmals viel mehr, als man ihnen eigentlich zutrauen möchte.

5. Reserviere von vornherein Zeiten der Zweisamkeit mit deinem Partner und Zeit für dich selbst. Wer seine Batterien nicht regelmäßig auflädt, der brennt früher oder später aus. Und damit ist doch erst recht nichts gewonnen.

Arbeitgeber aktiv mit einbeziehen

Arbeitgeber haben ein berechtigtes Interesse daran, dass ihnen qualifizierte, leistungsfähige Arbeitnehmer erhalten bleiben. Sowohl Industrie als auch Handwerk klagen häufig, dass es an Fachpersonal fehlt. Sprich deswegen mit deinem Arbeitgeber, ob beispielsweise flexible Arbeitsmodelle wie Gleitzeit, Homeoffice oder Teilzeitarbeit auf Zeit möglich sind. Flexible Arbeitsmodelle setzen sich ohnehin immer mehr durch. Verweise bei dem Gespräch vor allem auf den Nutzen für den Betrieb, beispielsweise dass zeit- und kostenraubende Anlernzeiten für Neueinstellungen überflüssig werden.

Viele Arbeitgeber sind auch dazu übergegangen, selbst Kinderbetreuungsmöglichkeiten anzubieten. Dies kann beispielsweise eine betriebseigene Kindertagesstätte sein. Andere bezahlen Zuschüsse für die Kita-Kosten und entlasten auf diese Art junge Familien finanziell, die sich erst eine Existenz aufbauen müssen. Es ist gesetzlich geregelt, dass dieser Zuschuss steuerfrei ist. Du profitierst also in mehrfacher Hinsicht davon.

Zeit nehmen und Hobbies nachgehen

Bei aller Freude über die eigene Familie solltest du aber unbedingt Zeiten für dich selbst reservieren. Familie und Kinder können daran gewöhnt werden, dass ein Nachmittag und Abend in der Woche nur Mutter oder Vater gehört. Pflege weiterhin Hobbys, Freundschaften, Geselligkeit oder bummle einfach durch die Stadt und entspann dich bei einer Tasse Kaffee. Wer so viel leistet wie junge Mütter und Väter, die es schaffen, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, hat es sich auf jeden Fall verdient. Und alle in der Familie freuen sich darüber, wenn du gesund und munter bleibst! 

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