Wenn Sie Ihren Vertrag im Fitnessstudio beenden möchten, müssen Sie nicht zwingend die Kündigungsfrist abwarten. Es gibt verschiedene Anlässe, die Ihnen ein Sonderkündigungsrecht einräumen.

Auf regulärem Weg oft erst nach langer Wartezeit möglich

Eine ordentliche Kündigung steht Kunden von Fitnessstudios immer offen. Die reguläre Kündigungsfrist beträgt bei den meisten Studios drei Monate. Allerdings wird beim Vertragsabschluss häufig eine Mindestvertragslaufzeit vereinbart. Diese erstreckt sich meistens über 12-24 Monate. Manche Kunden möchten deshalb nicht bis zum Ablauf dieser Frist warten und früher aus dem als teuer empfundenen Vertrag aussteigen.

In welchen Fällen greift das Sonderkündigungsrecht?

Einige Anlässe begründen laut geltender Rechtsprechung ein Sonderkündigungsrecht von Fitnessstudio-Kunden. So entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Februar 2012, dass eine außerordentliche Kündigung unter bestimmten Voraussetzungen möglich ist. Diese Voraussetzungen sind insbesondere erfüllt, wenn gravierende Gründe auftreten, die bei Vertragsabschluss noch nicht bekannt und nicht vorhersehbar waren (AZ IIX ZR 42/10).

Dazu gehören insbesondere der Umzug in eine andere Stadt, Schwangerschaft und Krankheit sowie ein verschlechtertes Angebot im Fitnessstudio. Auch Preiserhöhungen rechtfertigen eine Sonderkündigung. Allerdings betreffen Preiserhöhungen im Fitnessstudio regelmäßig keine Kunden, deren Vertrag sich noch in der vereinbarten Mindestlaufzeit befindet.

Sportuntauglichkeit durch Attest nachweisen

Sowohl eine bestehende Schwangerschaft als auch eine nicht nur bagatellartige Erkrankung können dazu führen, dass kein Sport mehr ausgeübt werden kann. Kunden von Fitnessstudios können ihren Vertrag in diesen Fällen vorzeitig kündigen. Dazu muss die Sportuntauglichkeit mit einem ärztlichen Attest nachgewiesen werden. Diese sollte innerhalb von zwei Wochen nach der außerordentlichen Kündigung beim Fitnessstudio vorliegen. Es ist zu beachten, dass eine außerordentliche Kündigung nur möglich ist, wenn die Erkrankung einen längeren Zeitraum andauert.

Sonderkündigungsrecht bei Veränderungen von Leistungen und Preisen

Neben in der Praxis seltenen Preissteigerungen für Bestandskunden stellen insbesondere signifikante Veränderungen der Leistungen und Bedingungen einen Anlass für ein Sonderkündigungsrecht dar. Eine solche signifikante Veränderung liegt zum Beispiel vor, wenn ein Fitnessstudio für Damen in ein gemischtes Studio umgewandelt wird. Auch der Wegfall des Saunabereichs, eine erhebliche Reduzierung der vorhandenen Geräte und Trainingsmöglichkeiten sowie längerfristige und störende Bauarbeiten sind Gründe für eine Kündigung.

Umzug? Lassen Sie das Fitnessstudio an Ort und Stelle!

Ein Sonderkündigungsrecht gilt auch, wenn Kunden eines Fitnessstudios umziehen und nach dem Umzug der Weg zum Fitnessstudio unzumutbar lang wäre. Zumeist findet sich in den Vertragsbedingungen ein detaillierter Hinweis darauf, was als „zu lang“ gilt. In der Regel reichen 50 km Entfernung aus, um den Vertrag kündigen zu können. Ausnahme: Befindet sich am neuen Standort eine andere Filiale des Studiobetreibers, muss diese genutzt werden.

Sonderkündigungsrecht: So gehen Sie vor

Soll ein Sonderkündigungsrecht gegenüber einem Fitnessstudio geltend gemacht werden, ist zunächst eine Fristsetzung von 3-4 Wochen erforderlich. Innerhalb dieser Zeit muss dem Studio die Möglichkeit gegeben werden, die Mängel zu beheben.
Beachten Sie unbedingt, dass es sich um erhebliche Mängel handeln muss. Es reicht nicht aus, wenn ein einzelner Kurs aus einem Portfolio von dutzenden angebotenen Kursen entfällt, ein einzelnes Gerät nicht angeboten wird etc.

Sonderfall Coronavirus: Was gilt jetzt bei Fitnessstudio-Verträgen?

Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen haben in Deutschland Fitnessstudios geschlossen. Viele sehen das als idealen Zeitpunkt um aus Jahresverträgen auszusteigen oder fragen sich, ob sie weiterhin Mitgliedsbeiträge zahlen müssen. Die Frage ist durchaus berechtigt, schließlich kann das Fitnessstudio die Leistungen nicht gewährleisten.
Ist eine Sonderkündigung im Fitnessstudio wegen Corona möglich?

Verträge mit dem Fitnessstudio können trotz der aktuellen Ausnahmesituation nicht außerordentlich gekündigt werden. Die Corona-Epidemie ist als Grund nicht ausreichend, da die Fitnessstudios nicht dauerhaft geschlossen sind, sondern wieder nutzbar, sobald sie geöffnet werden.

Müssen die Beiträge weiterhin gezahlt werden?

Anders ist es bei den Beitragszahlungen: Die vorübergehende Schließung der Fitnessstudios sind eine Vertragsstörung, da die Betreiber die angebotenen Dienstleistungen nicht gewährleisten können. Aus diesem Grund sind Mitglieder von der Leistungspflicht - dem Zahlen des Mitgliedbeitrags - befreit. Für bereits bezahlte Beträge, wie z.B. per Lastschrift oder bei einer Vorauszahlung für einen Jahresvertrag, können Verbraucher verlangen, dass diese anteilig zurückerstattet werden.

Sprich am besten mit dem Betreiber deines Fitnessstudios: Viele bieten an, dass die Verträge kostenfrei verlängert werden, um die Anzahl der Monate, die das Studio geschlossen ist.

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