Unwetter treten verschiedenen Statistiken zufolge immer häufiger auf. Dies betrifft auch Autofahrer. Gerät das Fahrzeug in einen Hagel, entstehen leicht Schäden im Bereich von mehreren tausend Euro. Im Jahr 2013 gab es laut der Versicherungswirtschaft rund 630.000 Kfz Hagelschäden. Wer bezahlt die Reparatur? Und wie reagieren Versicherungsnehmer richtig?

Hagelschaden am Auto: Was müssen Versicherungsnehmer zuerst tun?

Stellen Versicherungsnehmer einen Hagelschaden am Fahrzeug fest, sollte so rasch wie möglich der Kfz Versicherer verständigt werden. Dies ist je nach Versicherer persönlich vor Ort, telefonisch und via Internet oder App möglich.

Es kann nicht schaden, sofort am Ort des Geschehens einige Fotos anzufertigen. Dies ist ganz besonders empfehlenswert, wenn der Schaden weiter entfernt vom Wohnort aufgetreten ist. Die Versicherer gleichen Schadenmeldungen mit Daten zu Wetterereignissen ab. Deshalb sollten Versicherungsnehmer in der Meldung unbedingt Ort und Uhrzeit angeben.

Hagelschaden dokumentieren mit Dellenkarte

Zur sachgerechten Dokumentation von Hagelschäden eignen sich sogenannte Dellenkarten. Dies sind schwarz-weiß gestreifte Karten, die Dellen reflektieren. Dellenkarten gibt es z.B. bei Gutachtern und Sachverständigen und auch manchen Versicherungen – und zwar im PDF-Format zum Ausdrucken. Die Karten werden auf das Karosserie gelegt, bevor Fotos angefertigt werden. Dann sind Dellen und andere Beschädigungen besser zu erkennen.
Im selbst angefertigten Schadenprotokoll sollten Versicherungsnehmer dann angeben, an welcher Stelle des Fahrzeugs welche Beschädigungen entdeckt wurden – z.B. auf dem Dach, am Kotflügel, auf der Motorhaube etc.

Wichtig: Bei geleasten Fahrzeugen sollte umgehend die Leasinggesellschaft verständigt werden. Meistens sehen auch die Leasingverträge eine entsprechende Meldepflicht vor.
Die Versicherung wird einen Gutachter beauftragen. Dieser ermittelt die Schadenhöhe. Der Schaden kann beträchtlich ausfallen. Für eine einzelne durch Hagel bedingte Delle im Größenbereich von 20-30 Millimeter fallen ca. 130-150 EUR an – je nach Ort des Auftretens am Fahrzeug. Gibt es einige Dutzend oder sogar mehr Einschläge, fallen die Kosten entsprechend hoch aus.

Versicherungsnehmer müssen mit dem Gutachter einen Termin vereinbaren. Eine bestimmte Frist dafür gibt es nicht. Grundsätzlich sollten Versicherungsnehmer jedoch eine rasche Begutachtung anstreben – dann erfolgt auch die Auszahlung schneller. Die Kosten für den Gutachter bezahlt die Versicherung.

Wann bezahlt die Versicherung den Hagelschaden?

Hagelschäden werden durch die Kfz Teilkasko versichert. Der Versicherer erstattet die volle Höhe des entstandenen Schadens abzüglich einer eventuellen Selbstbeteiligung. Diese betrifft sowohl die Kosten für Hagelschäden an der Karosserie als auch die Kosten für Schäden am Glas. Die Kfz Haftpflichtversicherung übernimmt Hagelschäden nicht. Wer eine Vollkasko Versicherung besitzt, erhält keine höhere Erstattung als bei der Teilkasko.

Die Meldung des Hagelschadens führt nicht zu einer Beitragserhöhung in der Kfz Versicherung. Versicherungsnehmer bleiben in ihrer Schadenfreiheitsklasse. Lehnt die Versicherung die Auszahlung ab, ist genaues Hinsehen erforderlich. Unterschreitet die Schadenhöhe möglicherweise die Selbstbeteiligung? Wurde die Kfz Teilkasko gekündigt? Falls nicht, ist ggf. Rechtsberatung erforderlich. Bevor ein Anwalt eingeschaltet wird, können sich Versicherungsnehmer an eine Verbraucherzentrale oder den Ombudsmann der Versicherer wenden. Auch Automobilclubs bieten häufiger Rechtsbeistand an.

In einzelnen Fällen können Obliegenheitsverletzungen des Versicherungsnehmers der Grund für eine Ablehnung der Auszahlung sein. Denkbar ist dies etwa bei Versicherungsverträgen mit Garagenrabatt. Manche dieser Verträge sehen vor, dass Fahrzeuge nachts regelmäßig der Garage geparkt werden müssen. Ereignet sich ein Hagel in der Nacht und steht das Fahrzeug statt in der Garage auf dem Hof, kann dies ein Ablehnungsgrund sein.

Hagelschaden reparieren: Wo und wie geht es?

Wenn es an die Reparatur des Hagelschadens geht, steht das Fahrzeug für einige Zeit nicht zur Verfügung. In vielen Versicherungstarifen ist für diese Zeit ein Leihwagen vorgesehen. Die Reparatur von Hagelschäden ist grundsätzlich in jeder Kfz-Werkstatt möglich. Vor allem nach größeren Schadenereignissen finden sich häufig auch mobile Hagelschaden-Reparaturbetriebe.

Wie umfangreich die Reparatur ausfällt, hängt vom Schaden ab. Bei größeren Schäden an Lack und Karosserie ist häufig ein Austausch einzelner Teile (z. B. Kofferraumdeckel, Kotflügel etc.) notwendig. Ansonsten reicht häufig das Auftragen neuen Lacks an den beschädigten Stellen. Auch Ausbeulen kommt als Methode in Betracht. Dann kann das Auto wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Versicherungsnehmer müssen den Schaden nicht zwingend reparieren lassen. Alternativ dazu kann die Auszahlung der Nettoschadenssumme laut Gutachten beantragt werden (ohne Umsatzsteuer). In diesem Fall kommt es jedoch zu einer erheblichen Wertminderung des Fahrzeugs. Wer sein Fahrzeug später verkaufen möchte, muss dann mit einem geringeren Erlös rechnen. Wichtig: Die Versicherung reguliert bei einer Reparatur die tatsächlichen Kosten. Liegen diese über denen des Gutachtens, ist die Reparatur die bessere Variante.

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