Bei Fructose (auch Fruchtzucker genannt) handelt es sich um einen Einfachzucker, der vor allem in Obst und Honig sowie in Spuren auch in den meisten Gemüsesorten vorkommt. Die Aufnahme von Fructose erfolgt im Darm über spezielle Transport-Proteine. Lange Zeit glaubte man, dass es sich hierbei um einen Zucker handelt, der für Diabetiker besser verträglich ist als andere Zuckerarten, da Fructose nicht durch Insulin verstoffwechselt wird. Diese vermeintliche Alternative stellte sich jedoch als Irrtum heraus, da Fructose im Gegenzug einen Einfluss auf die Gewichtszunahme hat.

Den meisten Menschen ist nicht bekannt, dass Fructose auch für andere Bevölkerungsgruppen ein Problem darstellen kann. Hierbei gibt es drei Formen von Unverträglichkeiten: die Fructosämie bzw. die Fructosurie, die Fructosemalabsorption und die hereditäre Fructoseintoleranz. Dabei weist jeder Mensch individuelle Toleranzgrenzen auf. Lesen Sie hier, was es mit dem Begriff Fructoseintoleranz auf sich hat und woran sie erkennen können, ob Sie möglicherweise betroffen sind.

Fructosämie und Fructosemalabsortion

Von Fructosämie spricht man, wenn ein bestimmtes Enzym in der Leber, das für den Abbau der Fructose zuständig ist (die sogenannte Fructokinase), ausfällt. Dadurch sammelt sich Fructose aus der Nahrung im Blut (Fructosämie) und im Harn (Fructosurie) an. Dies ist nicht weiter problematisch und nicht behandlungsbedürftig. Meist wird die Fructosämie bzw. Fructosurie nur zufällig erkannt.

Jedoch kann die Aufnahme von Fructose im Darm auch generell gestört sein, was in einer Fehlfunktion bestimmter Transport-Proteine begründet liegt. Eine Fructosemalabsorption, die über längere Zeit bestehen bleibt, kann Probleme nach sich ziehen, da sie dazu führt, dass sich die Zusammensetzung der Bakterien im Dickdarm verändert. Die Folge können vielfältige Beschwerden wie Blähungen und Durchfall sein. Dabei kann es sich schwierig gestalten, der Ursache dieser diffusen Symptome auf die Spur zu kommen.

Interessanterweise stellen Mediziner in den vergangenen Jahren die Diagnose der Fructosemalabsortion deutlich häufiger als früher. Dies lässt sich damit erklären, dass die Lebensmittelindustrie Fructose inzwischen oft als billigen Rohstoff gezielt vielen Fertiglebensmitteln wie Süßigkeiten, Softdrinks und Tiefkühlpizzas zusetzt, um deren Geschmack zu verbessern und um somit den Absatz dieser Produkte zu erhöhen. Als Folge nehmen zahlreiche Menschen vermehrt Fructose auf. Aufschluss geben über eine Fructosemalabsortion kann ein Wasserstoff-Atemtest, nachdem den Betroffenen auf nüchternen Magen Fructose verabreicht wurde.

Behandelt wird dieses Phämomen dadurch, dass Patienten eine bestimmte Zeit ihren Fructose-Konsum und ihren Konsum von Zuckeralkoholen stark einschränken, um anschließend gemeinsam mit einem Ernährungstherapeuten herauszufinden, wo ihre individuelle Toleranzgrenze liegt. Grundsätzlich wird Betroffenen empfohlen, mehr Gemüse als Obst zu essen und vor allem auf Fertiglebensmittel mit Fructose-Zusatz zu verzichten. Beim Essen von Obst ist es dabei ratsam, die konsumierte Gesamtmenge auf mehrere kleine Portionen zu verteilen, da dies für den Körper besser verträglich ist. Obstsorten, die sehr viel Fructose enthalten (zum Beispiel Trauben, Rosinen oder Trockenobst), sollten generell gemieden werden.

Was ist eine heriditäre Fructoseintoleranz?

Die heriditäre Fructoseintoleranz ist eine Stoffwechselstörung, die erblich bedingt ist, und deutlich ernstere Folgen als eine Malabsorbtion haben kann. Sie ist recht selten und tritt etwa bei einer Person von 20.000 auf. Der Grund für diese Unverträglichkeit liegt in einem Defekt, der das Enzym Fructose-1-Phosphataldolase betrifft. Dieses Enzym ist dafür zuständig, Fructose in der Leber, den Nieren und im Darm zu spalten. Fehlt es, kommt es zu einer Anreicherung von Fructose-Abbauprodukten im Körper, die zu Vergiftungserscheinungen und anderen Schäden führen.

Erste Anzeichen einer heriditären Fructoseintoleranz stellen sich schon im Säuglingsalter ein, wenn Kinder Milch trinken, die Haushaltszucker bzw. Saccharose enthält. In der Folge kommt es zu Erbrechen, Unterzucker, Gerinnungsstörungen, Eiweißausscheidung über die Nieren und zuletzt zu Leberschäden bis hin zur Leberzirrhose. Die Ursachenforschung für diese Symptome gestaltet sich häufig schwierig. Betroffene Kinder haben oft eine instinktive Abneigung gegen Lebensmittel wie Obst oder Fruchtsäfte. Letztendlich kann der Arzt dann über eine Gewebeentnahme feststellen, ob ein entsprechender Enzymmangel vorliegt, der den Beschwerden zugrunde liegt. Betroffene müssen daraufhin lebenslang eine bestimmte Diät einhalten, um einer chronischen Lebererkrankung vorzubeugen. Vermieden werden sollten dabei Haushaltszucker (Saccharose) in jeglicher Form, Honig, sämtliche zuckerhaltigen Lebensmittel (Süßigkeiten, Fruchtsäfte, Obst- und Gemüsekonserven etc.), Fisch, Fleisch und Wurst, Ketchup, Mayonnaise, Fertigsoßen, Lebensmittel mit Sorbit (ein Zuckeralkohol), bestimmte Gemüsesorten wie Artischocken und Topinambur, die Inulin enthalten, und viele andere Produkte. Die Betroffenen müssen deswegen mit zahlreichen Einschränkungen bezüglich ihrer Ernährung leben.

Behandlung der Fructoseintoleranz

Inzwischen sind zur Behandlung der Fructoseintoleranz Präparate auf dem Markt erhältlich, die die sogenannte Xylose-Isomerase enthalten. Hierbei handelt es sich um ein Enzym, das Glucose in Fructose umwandeln kann und umgekehrt. In der Folge entsteht wieder ein Gleichgewicht im Darm zwischen Fructose und Glucose und die Beschwerden der Betroffenen bessern sich. Diesen Mechanismus der Xylose-Isomerase macht man sich für die Therapie der Fructoseintoleranz zunutze. Der Nachteil dieser Präparate ist, dass sie relativ teuer sind, wobei die Patienten die Kosten in der Regel selbst tragen müssen. Aus diesem Grunde bleibt häufig keine Alternative zu einer konsequenten Diät.

Während die heriditäre Fructoseintoleranz nicht vermeidbar ist, da sie erblich ist, lassen sich andere Formen der Fructoseintoleranz verhindern bzw. lindern. Als Faustregel lassen sich folgende Ernährungsempfehlungen geben: Im Idealfall sollte man so selten wie möglich zu Fertigprodutken wie Süßigkeiten, Softdrinks, Gebäck, Fertigsoßen, Tiefkühlpizzas etc. greifen und stattdessen frische, regionale Lebensmittel bevorzugen. Außerdem sollte man Gemüse den Vorzug vor Obst geben. Mit einer solchen Ernährung lassen sich auch zahlreiche andere Zivilisationserkrankungen vermeiden oder zumindest verzögern, weshalb Ernährungswissenschaftlern dazu raten.

Wenn eine Aufnahme von zu viel Fructose auch nicht direkt zu Beschwerden führt, so bremst sie doch die Gewichtsabnahme, da sie einen Einfluss auf den Fettstoffwechsel hat. Aus diesem Grunde ist man auch davon abgekommen, Diabetiker mit Fructose als Alternativzucker zu behandeln und Abnehmwilligen den Verzehr von viel Obst zu empfehlen, wie es in früheren Jahren der Fall war.

Letztendlich lässt sich dabei keine genaue Grenze festlegen, wie viel Fructose verzehrt werden darf, da die Toleranzgrenze sehr individuell ist. Testen Sie also am besten selbst, wie gut sie Fructose vertragen. Sollten jedoch oben genannte Beschwerden auftreten, die zunächst diffus erscheinen, ist der Verdacht auf eine Fructoseintoleranz nahe liegend. Dann ist der Gang zum Arzt angezeigt.

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