Diätpillen

Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es meistens auch nicht wahr – dieser Satz gilt auch für die Versprechungen vieler Anbieter von sogenannten Diätpillen, die für eine schnelle Gewichtsabnahme ohne körperliche Anstrengung und ohne Hungern innerhalb kürzester Zeit sorgen sollen. Meist wird außerdem versucht, diesen zweifelhaften Angeboten mit einer „Geld-zurück-Garantie“ einen serösen Anstrich zu geben. Verbraucher sehen sich in der Regel aber getäuscht.

Doch auch Diätpillen, die offiziell von den Arzneimittelbehörden zugelassen werden, sind nicht automatisch unproblematisch. Insbesondere Zusammensetzung, die auf amphetaminartigen Wirkstoffen basieren, können schwere Nebenwirkungen wie Blutdruckkrisen, Herzinfarkt, Hautausschlag, Übelkeit, Angstzustände und Erbrechen auslösen. Beispielsweise wurde zuletzt in Europa ein Medikament zugelassen, das zum Teil auf einem Amphetamin basiert. Dies ist insbesondere deswegen erwähnenswert, weil mit Adipositas (Fettleibigkeit, starkem Übergewicht) häufig Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert werden. Leidet jemand aufgrund von Übergewicht bereits unter Bluthochdruck, kann ein weiterer Anstieg der Blutdruckwerte, der durch Amphetamine ausgelöst wird, lebensgefährlich werden. Insofern ist die Zulassung solcher Medikamente sehr umstritten. Böse Zungen sagen außerdem, dass eine Appetitzügelung durch Übelkeit und Erbrechen nicht unbedingt der beste Weg zur Traumfigur ist.

Andere Mittel sorgen lediglich dafür, dass Wasser aus dem Körper ausgeschwemmt wird. Trinken Betroffene aber wieder vermehrt, ist auch die Gewichtsabnahme Vergangenheit. Zudem können manche dieser Präparate wichtige Organe wie die Nieren nachhaltig schädigen.

Andere Diätpillen, die auf sogenannten natürlichen Fatburnern basieren, sind bestenfalls unwirksam. Häufig handelt es sich dabei um Mittel, die auf exotischen Pflanzenextrakten basieren. Es wird damit geworben, dass es sich um ein exotisches Geheimnis handelt, mit dem Abnehmwillige in dem jeweiligen Land schon seit Jahrhunderten sensationelle Resultate erzielt haben – unentdeckt von der restlichen Welt. In seriösen Diätmittel-Tests fallen solche Präparate aber in der Regel durch und es fehlt jede wissenschaftliche Grundlage für solche Behauptungen. Ein Beispiel hierfür sind Präparate mit Garcinia Cambogia, einer südostasiatischen Frucht, die auch als Malabar-Tamarinde bekannt ist. Viele Anbieter fluten zwar das Internet mit diversen Versprechungen, in wissenschaftlichen Studien konnte aber keinerlei Beweis für die Wirksamkeit von Garcinia Cambogia erbracht werden.

Der Wirkstoff Orlistat

Es existieren allerdings Wirkstoffe, die gezielt eingesetzt werden, um bei stark übergewichtigen Menschen Menschen mit einem BMI über 30 (Adipositas) unter ärztlicher Betreuung und im Zuge einer Reduktionsdiät eine Gewichtsabnahme zu erzielen. Dazu gehört ein Medikament, das den Wirkstoff Orlistat enthält. Dieser sorgt dafür, dass die Aufnahme von Fetten im Magen-Darm-Trakt gehemmt wird, so dass der Körper letztlich nur 35 Prozent der Lipide verwerten kann. Dies aber soll zu einer Gewichtsabnahme führen.

In zahlreichen Studien zeigte sich dabei, dass mit dem Wirkstoff Orlistat tatsächlich Erfolge erzielt werden können. Dies heißt, dass ein beachtlicher Teil der Versuchsteilnehmer mindestens fünf Prozent des Körpergewichts innerhalb von zwölf Wochen verlor. Einigen Probanden gelang sogar eine Gewichtsabnahme von bis zu 10 Prozent. Diese Gewichtsabnahme ist auch deswegen positiv zu bewerten, da sich gewichtsabhängige Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 damit ebenfalls oft bessern.

Die hauptsächlichen Nebenwirkungen von Orlistat betreffen den Magen-Darm-Trakt. Hier kann es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie vermehrtem Stuhldrang kommen. Zudem sinkt offenbar unter einer Behandlung von Orlistat der Spiegel der Vitamine D und E sowie des Beta-Carotins, das im Körper zu Vitamin A verstoffwechselt wird. Dies macht eine ergänzende Behandlung mit Vitaminen notwendig. In seltenen Fällen kam es bereits zu schwerwiegenden Leberschädigungen. Zu beachten ist auch, dass es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann, beispielsweise mit Acetylsalicylsäure.

Orlistat (120 Milligramm) ist dabei rezeptpflichtig, in niedriger Dosierung (60 Milligramm) aber auch rezeptfrei erhältlich. Dennoch ist es empfehlenswert, eine Anwendung unter ärztlicher Aufsicht durchzuführen und zwar nur dann, wenn starkes, behandlungsbedürftiges Übergewicht besteht. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Europäische Arzneimittelbehörde den rezeptfreien Status von Orlistat und das Nebenwirkungsprofil neu bewerten will. Insofern sollte man auch dieses Mittel nur mit Bedacht und bei der entsprechenden Indikation anwenden. Es gilt der Satz: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung!

Unsere Empfehlungen

Zunächst ist anzumerken, dass an gesunder Ernährung und ausreichender körperlicher Betätigung kein Weg vorbei geht, wenn man effektiv abnehmen will. Letztendlich errechnet sich die Gewichtsabnahme aus der Kalorienzufuhr (wie viele Kalorien pro Tag?) und dem Kalorienverbrauch. Daraus ergibt sich die Kalorienbilanz. Abnehmwillige sollten nicht mehr als 1.500 Kalorien (Frauen) bzw. 2.000 Kalorien (Männer) pro Tag zu sich nehmen und sich mindestens eine halbe Stunde am Tag bewegen, um Erfolge erzielen zu können.

Statt Tabletten zum Abnehmen auf chemischer Basis einzunehmen, ist es außerdem ratsamer, auf natürliche Fatburner zu setzen. Tatsächlich gibt es einige natürliche Substanzen, die die Fettverbrennung beschleunigen und den Kalorienverbrauch des Körpers steigern können. Wissenschaftlich nachgewiesen ist dies zum Beispiel für Grüntee, Koffein und Guarana. Koffein und Guarana müssen jedoch in hohen Mengen konsumiert werden, um eine Wirkung zu erzielen. Dann

aber treten auch gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Zittern oder Herzrasen auf, so dass von einer Gewichtsabnahme auf diese Weise abzuraten ist.

In zahlreichen wissenschaftlichen Studien wurde nachgewiesen, dass Grüntee hingegen auch in Maßen konsumiert (drei bis vier Tassen am Tag) einen anregenden Effekt auf den Stoffwechsel hat, Heißhunger und Appetit auf Süßigkeiten eindämmt und außerdem eine gute Wirkung auf den Hormonhaushalt und die Leber hat. Dreimal pro Woche Matcha unterstützt diese positiven Effekte offenbar noch. Es sind auch Grüntee-Extrakte in verschiedenen Darreichungsformen auf dem Markt erhältlich, jedoch ist es vorteilhafter, sich regelmäßig frischen Tee aufzubrühen. Zu beachten ist hierbei, dass viele verschiedene Sorten Grüntee existieren. Für die Gewichtsabnahme günstig sind zum Beispiel die Sorten Sencha, Bancha und Matcha. Der südafrikanische Hoodia-Tee soll sogar nicht nur eine appetitzügelnde, sondern auch eine stimmungsaufhellende Wirkung haben. Nicht jedem aber bekommt Grüntee, manche Menschen klagen nach dem Genuss über Übelkeit oder Nervosität. Ob Grüntee bekömmlich ist, muss letztlich jeder für sich selbst herausfinden.

Obwohl die Wirkung von Grüntee auf das Körpergewicht nachgewiesen ist, kann auch dies nur eine unterstützende Maßnahme im Rahmen einer gesunden Ernährung mit reduzierter Kalorienaufnahme und mit ausreichend körperlicher Aktivität sein. Insgesamt ist es jedoch vorteilhafter, sich öfter eine Tasse Grüntee aufzubrühen, statt zu chemischen Mitteln mit riskantem Kosten-Nutzen-Profil zu greifen.

Weitere Artikel

Clean Eating

Clean Eating

Clean Eating

Was es mit dem Ernährungstrend auf sich hat.

Kolloidales Silber

Kolloidales Silber

Kolloidales Silber kann auf natürliche Weise effektive gegen Bakterien und Viren ankämpfen. Mehr erfahren Sie hier.