Clean Eating

Immer öfter ist die Rede vom sogenannten „Clean Eating“-Konzept, einer Ernährungsform, die erstmals durch die US-Amerikanerin und Köchin Tosca Reno vor einigen Jahren populär wurde. In den USA und Großbritannien hat sich „Clean Eating“ inzwischen zu einem richtigen Trend entwickelt und in der Folge sind zahlreiche Ernährungsratgeber und Kochbücher erschienen. Doch was ist das eigentlich?

Das Geheimnis des „sauberen Essens“ ist im Grunde simpel: Prinzipiell werden dabei nur naturnahe, industriell nicht verarbeitete Lebensmittel verzehrt. Auf dem Speiseplan stehen viel frisches Obst und Gemüse (möglichst unbehandelt) sowie Fisch und fettarmes Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Fast Food, Weißmehl und raffinierter Zucker werden aus der Küche verbannt, stattdessen kommen regionale und saisonale Lebensmittel auf den Tisch. Kohlenhydrate und Fette sind zwar nicht verboten, allerdings setzen Clean Eater statt auf „Low Carb“ auf komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornbrot und Vollkornnudeln sowie auf gesunde Fette wie natürliche Pflanzenöle und Nüsse.

Dabei soll man beim „Clean Eating“ außerdem das Essen genießen und sich bewusst dafür Zeit nehmen. Vorgesehen sind sechs kleine Mahlzeiten am Tag, morgens beginnend mit einem gesunden Frühstück. Auf diese Weise sollen Heißhungerattacken erst gar nicht aufkommen, da der Blutzuckerspiegel stabil bleibt. Appetit, Hunger und Heißhunger aber entstehen durch Blutzuckerschwankungen. Auch beim Einkaufen soll sich der Mensch Zeit nehmen: Wochenmarkt statt Supermarkt, Bioläden und Reformhäuser statt Schnellimbiss. Ziel dieser Ernährungsweise ist es, dass nur vollwertige, nicht industriell verarbeitete Nahrung auf den Tisch kommt. Als Ergebnis sollen wir fitter, schlanker und gesünder werden, uns besser fühlen und leistungsfähiger werden.

Die Erfinderin des „Clean Eating“, die einst selbst übergewichtige Köchin Tosca Reno, betont, dass es sich dabei nicht um eine Diät handelt, sondern um einen gesunden Lebensstil. Durch diese Ernährungsform sollen die Pfunde aber auch noch wie von selbst purzeln. Tatsächlich gibt es inzwischen viele Menschen, die auf die positiven Effekte von „Clean Eating“ schwören.

Alles ist erlaubt: „Clean Eating“

Wer seine Ernährung auf „Clean Eating“ umstellen will, sollte zunächst raffinierten Zucker und Weißmehl verbannen und immer mehr auf ungesunde Zusätze wie Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker und künstliche Süßstoffe verzichten. Stattdessen sollen mehr Obst und Gemüse verzehrt werden. Prinzipiell geht es darum, dem Körper keine „leeren Lebensmittel“ zuzuführen, die ihn nur mit Kalorien und chemischen Zusätzen belasten, sondern beim Essen auf den Nährstoffgehalt zu achten. Deswegen empfehlen Verfechter des „Clean Eating“, dass man beim Einkaufen die Nährwertangaben auf den Verpackungen sorgfältig studieren soll. Dabei kann man davon ausgehen: Je länger die Liste an Zutaten auf den Packungen ist, umso mehr wurden Lebensmittel industriell verarbeitet und sind somit zu meiden. Chips, Schokolade & Co. verschwinden mit diesem Ernährungskonzept dann automatisch vom Speiseplan.

Die Umstellung auf „Clean Eating“ sollte dabei aber langsam vor sich gehen, weil es durch die für den Körper zunächst ungewohnte erhöhte Ballaststoffzufuhr ansonsten zu Verdauungsbeschwerden kommen kann. Im Grunde genommen gibt es beim „Clean Eating“ aber keine Verbote, sondern auch kleine Sünden sind erlaubt. Jedoch zielt die Ernährungsumstellung letztendlich darauf ab, immer mehr zu naturnahen Produkten zu greifen und ausgewogene Mahlzeiten mit komplexen Kohlenhyraten, gesunden Fetten und hochwertigen Eiweißen zu sich zu nehmen. Eine komplette Ernährungsumstellung ist das Ergebnis.

Als Folge des Trends des „Clean Eating“ sind zahlreiche verschiedene Unterformen von Ernährung entstanden. So praktizieren manche im Rahmen von „Clean Eating“ die sogenannte Paleo-Ernährung, wobei nur auf Lebensmittel und Zubereitungsweisen zurückgegriffen wird, wie sie während der Steinzeit üblich waren. Andere verstehen unter „Clean Eating“ eine strikt vegane Ernährung und manche meiden außerdem auch Getreideprokute und Gluten. Dies sind nur einige Beispiele, wobei hier viele Varianten existieren.

Pro & Contra „Clean Eating“

Viele Ernährungswissenschaftler stehen dem Konzept des „Clean Eating“ positiv gegenüber, weil es keine radikalen Verbote gibt und es somit zu keinen Mangelerscheinungen wie bei zahlreichen populären Diäten kommt, die eine schnelle Gewichtsabnahme in kurzer Zeit versprechen. Regelmäßig, aber mäßig essen, sich bei den Mahlzeiten Zeit lassen und regionalen und saisonalen Lebensmitteln den Vorzug vor Fast Food geben – all das predigen Fachleute schon lange. Insofern ist das Konzept des „Clean Eating“ nicht wirklich etwas Neues. Jedoch begeistert das trendige Gewand von „Clean Eating“ als eine Art von Lifestyle immer mehr junge Leute, die dadurch vermehrt auf ihre Ernährung achten. In der Fachwelt wird dieser Effekt überwiegend positiv aufgenommen.

Jedoch wird von manchen Medizinern auch Kritik am „Clean Eating“ geäußert. Experten sprechen beim modernen Kult um die Ernährung zum Teil von „Ortherexia nervosa“, der zwanghaften Besessenheit von gesunder Ernährung. Dabei handelt es sich (noch) nicht um eine anerkannte Diagnose, doch manche vergleichen diese Art von Radikalität mit religiösem Extremismus. Kritiker führen an, dass der moderne Körperkult zur Folge habe, dass unter der Bezeichnung „gesund“ immer mehr eingeengt werde, was erlaubt ist und was nicht. Dabei sollen auch andere möglichst von der eigenen „gesunden“ Ernährungsweise überzeugt werden. Als Folge dieser Extreme könnten Unter- und Mangelernährung und verschiedene Essstörungen auftreten. Es leidet zwar nicht jeder, der sich gesund ernähren möchte und mit einem grünen Smoothie in den Tag startet, unter einer Zwangsstörung; doch die goldene Regel besagt: Wer länger als drei Stunden am Tag über das Essen nachdenkt, der bewegt sich im Dunstkreis einer Störung. Selbstredend ist dies keine Problematik, die nur das „Clean Eating“-Konzept betrifft. Vielmehr sehen manche Fachleute darin eine Folge des modernen Körperkults, der nichts anderes ist als der Ausdruck einer sich immer stärker ausprägenden Individualisierung der Gesellschaft.

Letztendlich kommt es aber immer auf ein gesundes Maß an. Die Einwände mancher Experten lassen sich mit dieser Aussage auf einen Nenner bringen, denn Extreme bei der Ernähung sind selbstredend zu meiden.

Um beurteilen zu können, ob „Clean Eating“ eine geeignete Ernährungsform ist, bleibt nur der Selbsttest. Die Erfinderin Tosca Reno unterstreicht dabei, dass dieses Konzept für jeden praktikabel ist, auch für Vollzeitmamas und Menschen, die durch Beruf und Familie stark eingespannt sind. Der Trick bestehe nämlich darin, nicht genügend Zeit zu haben, sondern sich genügend Zeit zu nehmen für die wichtigen Dinge des Lebens wie die Ernährung, so Reno.

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