Wenn der berühmt-berüchtigte Max Mustermann in den 1990er Jahren eine kapitalgedeckte Lebensversicherung abgeschlossen hätte, dann wäre ihm dafür von seiner Versicherung ein Garantiezins von etwa 4 Prozent angeboten worden. Ginge sein Sohn Maximilian heutzutage zu der gleichen Versicherung, müsste er sich mit viel weniger zufrieden geben: Seine Versicherung könnte ihm nur einen Garantiezins von 0,9 Prozent gewähren. Wie kommt es zu dieser Entwicklung?

Die herkömmliche Lebensversicherung: Vom großen Hit zum Partycrasher

Auf die klassische Lebensversicherung gab es in Deutschland über Jahrzehnte einen wahren Run. Für Millionen Menschen hatte sie den Ruf als sichere Bank in Sachen Geldanlage, Rendite und Vorsorge. Denn mit einem Vertrag über eine sogenannte Kapitallebensversicherung konntest du aktiv deine eigene Rente aufbessern und gleichzeitig deine Liebsten im Todesfall finanziell absichern, und das steuerlich gefördert. Dabei waren diese Lebensversicherungen bei den Kunden über Jahrzehnte wegen einer Leistung besonders beliebt: Sie garantierten im Alter eine vertraglich festgeschriebene Mindestleistung in Form eines Garantiezinses auf die eingezahlten Beträge.

Klingt eigentlich nach einem phänomenalen Service. Aber: Bei neuen Verträgen wäre diese kombinierte Form aus Kapitalbildung und Hinterbliebenenschutz eher ein Ladenhüter. So wird sie kaum noch angeboten. Um zu verstehen, warum sich diese Art der Lebensversicherung heutzutage nicht mehr wirklich lohnt, müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf die große Politik werfen.

Nichts ist mehr wie es war: Die neue Geldpolitik der Europäischen Zentralbank

In der Europäischen Union wacht die Europäische Zentralbank, kurz EZB, darüber, wie viel Geld sich im Raum der Euro-Währung im Umlauf befindet und wie dieses Geld an Banken verliehen werden kann. Diese Bedingung nennt sich Leitzins: Er legt fest, welchen Zinssatz Banken zahlen müssen, wenn sie sich von der EZB neues Geld, also Euros, leihen wollen. Das wirkt sich unmittelbar auf die gesamte Finanzwirtschaft aus: Ist der Leitzins hoch, lohnt es sich für Anleger Geld auf die hohe Kante zu legen. Ist er niedrig, können sich Staaten, Unternehmen und Kunden bei ihrer Bank zu besonders günstigen Konditionen Geld leihen, um es zu investieren oder für den Konsum auszugeben. Auf diese Weise ist der Leitzins eine wichtige Stellschraube, mit der die EZB die Wirtschaft in der Europäischen Union steuert.

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 hat die EZB eine wichtige Weichenstellung für die Geldpolitik der EU getroffen: Sie hat beschlossen, dass der Leitzins in Europa sehr niedrig sein soll, damit Unternehmen mehr in die Wirtschaft investieren und Kunden mehr Geld für den Konsum ausgeben. Das hatte zur Folge, dass der Leitzins im Euroraum immer weiter abgesunken ist: Von 4,25 Prozent im Juli 2008 auf 0 Prozent seit März 2016. Dadurch sind die Geldmenge sowie die Verschuldung innerhalb des Euroraums enorm angestiegen.

Wie die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank die herkömmliche  Lebensversicherung verändert hat

Die Rendite einer herkömmlichen Lebensversicherung setzt sich aus zwei Faktoren zusammen: einer Überschussbeteiligung, mit der die Kunden in der Ansparphase am Erfolg der Anlagestrategie der Versicherung beteiligt werden, und dem sogenannten Garantiezins. Der Garantiezins ist die Mindestverzinsung mit der du als Kunde beim Abschluss einer Lebensversicherung in der Auszahlungsphase auf jeden Fall rechnen kannst. In Deutschland wird dieser Garantiezins vom Bundesfinanzministerium verbindlich für alle Unternehmen festgelegt, die eine Lebensversicherung anbieten. Dabei gilt die rechtliche Regel: Ein Versicherer darf seinen Kunden zwar weniger, also eine schlechtere Verzinsung anbieten, als der Garantiezins festlegt, aber auf keinen Fall mehr!

Und an dieser Stelle kommt der Leitzins der EZB ins Spiel. Denn der niedrige Leitzins der EZB ist in den letzten Jahren auf den gesamten Finanzmarkt in Europa durchgeschlagen. In der Folge wurde auch der Garantiezins von der staatlichen Aufsicht immer weiter abgesenkt. Schließlich müssen Lebensversicherer immer einen großen Teil der Prämien, die sie von ihren Kunden bekommen haben, in verlässlich kalkulierbare, zinsbasierte Werte anlegen. Und die Renditen aus diesen zinsbasierten Wertpapieren, wie z.B. Staatsanleihen, sind auch stark gefallen und rentieren aktuell sogar teilweise negativ.

Aus diesem Grund liegt der staatlich vorgegebene Garantiezins seit dem Jahr 2017 für alle Lebensversicherungen in Deutschland bei nur noch 0,9 Prozent. Das bedeutet im Klartext: eine Versicherung darf in Deutschland eine kapitalgedeckte Lebensversicherung im Jahr 2020 aus rechtlichen Gründen lediglich mit einem Garantiezinssatz von maximal 0,9 Prozent anbieten. Würde ein Versicherer mehr garantieren, würde er gegen geltendes Recht verstoßen. Zudem verminderte die Bundesregierung die steuerliche Förderung der Lebensversicherung für neue Verträge deutlich.

Der neue Weg: Die Lebensversicherung 2.0

Aber was bedeutet das für Maximilian Mustermann, der im Jahr 2020 in den Genuss der Vorteile einer Lebensversicherung kommen will? Die klassische Kapitallebensversicherung wird kaum noch angeboten. An ihre Stelle sind modernere und vor allem flexiblere Produkte getreten. Sie machen die Vorsorge fürs Alter mit einer Rentenversicherung und hervorragenden Kombinationsmöglichkeiten mit vielseitigen Risikoabsicherungen nach wie vor sehr attraktiv. Fondsanlagen im Versicherungsmantel sind nicht nur chancenorientiert, sondern heute individuell steuerbar. So kann Maximilian Mustermann z.B. auch mit einem Fondseinstiegsmanagement nach und nach in die Anlage seiner Wahl einsteigen. Also seinen Vermögensaufbau mit einem Sicherheitsplan ganz nach Wunsch kombinieren.

Dabei hat Maximilian sogar einen Vorteil gegenüber der alten Lebensversicherung seines Vaters Max: Denn mit diesen zeitgemäßen Formen der Lebensversicherung kann Maximilian Schutz und Vorsorge genau so wählen, dass beides ganz individuell auf seine Bedürfnisse und seine Lebenssituation zugeschnitten ist, und er kann beides auch wieder anpassen. Auf diese Weise holt er das optimale aus seiner Lebensversicherung raus – und zwar lebensbegleitend.

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