Die Deutschen sind trotz steigender Eigentumsquote immer noch ein Volk der Mieter. Laut Statista leben rund 57,9 % zur Miete (2018) und sie mögen es grün. Beliebt sind Wohnungen im Mehrfamilienhaus mit Balkon oder eine Wohnanlage mit Gemeinschaftsgarten. Vor allem Familien träumen von einem eigenen Garten mit Blumen, Obststräuchern und Spielgeräten.
Erfahre hier, was du bei einem Gemeinschaftsgarten beachten solltest und welche Pflichten du bei der Gartennutzung hast.

Wann dürfen Mieter den Garten nutzen?

Eine Mietwohnung mit Terrasse oder einem Gartenzugang gehört ebenso zu den begehrten Wohnimmobilien wie ein gemietetes Einfamilienhaus mit Garten. Als Mieter hast du aber nicht immer auch das vollständige Nutzungsrecht für den Garten. Während in manchen Mietshäusern der Gemeinschaftsgarten genutzt werden darf, dürfen in anderen die Grünflächen kaum betreten werden. Spielen, Sonnen oder Grillen sind auf solchen Anlagen nur selten erlaubt.

Grundsätzlich gilt: Die Nutzung des Gartens muss mit dem Vermieter abgestimmt sein. Der Garten gehört nicht automatisch zum Mietumfang.

Gemeinschaftsgarten ─ Welche Rechte hat der Mieter?

Vor der Nutzung solltest du klären, ob die Grünfläche überhaupt als Gemeinschaftsgarten ausgewiesen ist. In manchen Mehrfamilienobjekten haben die Mieter der Erdgeschosswohnung das alleinige Nutzungsrecht an einem Garten oder an einem Gartenteil. Oder der Vermieter behält sich die Nutzung selbst vor. Dieser Bereich steht dann nicht als Gemeinschaftsgarten zur Verfügung.

Die Nutzung der Außenanlagen muss ausdrücklich vereinbart sein. Informationen dazu solltest du in deinem Mietvertrag oder in der Hausordnung finden. Manchmal gibt es auch eine Zusatzvereinbarung mit dem Vermieter. Dabei dürfen die Vereinbarungen nicht gegen das geltende Recht verstoßen. Erst wenn der Eigentümer der Immobilie ausdrücklich zugestimmt hat, dass die Mieter die dazugehörige Grünfläche nutzen dürfen, steht dem Sonnenbad nichts im Weg. Im Streitfall muss der Mieter sein Recht am Gemeinschaftsgarten und dessen konkrete Ausgestaltung nachweisen können.

Tipp: Mündliche Vereinbarungen sind ungeeignet, es sei denn es gibt Zeugen. Andernfalls liegt eine unberechtigte Leihe des Mieters vor. Eine Situation, die das Mietverhältnis stark belasten kann. Alle Vereinbarungen sollten deshalb schriftlich festgehalten werden.

Was darf ein Mieter im Garten verändern?

Ist die Gartennutzung vereinbart, steht oft das nächste Missverständnis an. Mieter dürfen den Gemeinschaftsgarten zwar nutzen oder pflegen, sie haben aber nicht auch das Recht den Garten umzugestalten. Sprich: Das Gemüsebeet darf nicht einfach zu einem Sandkasten für die Kinder umgebaut werden. Ebenso dürfen nicht einfach neue Sträucher gepflanzt oder Grünflächen als Parkplatz für Autos genutzt werden.

Wer unberechtigt in einem Gemeinschaftsgarten Blumen, Sträucher oder Bäume pflanzt beziehungsweise entfernt oder anderweitige Veränderungen ausführt, muss den vorherigen Zustand wiederherstellen, wenn der Vermieter dies verlangt. Möchten Mieter im Gemeinschaftsgarten konkrete Änderungen vornehmen, muss das mit dem Vermieter vorher ─ am besten schriftlich ─ abgesprochen werden. Auch die Übernahme der einzelnen Kosten sollte vereinbart werden.

Gibt es weder im Mietvertrag noch in der Hausordnung konkrete Angaben zur Nutzung des Gemeinschaftsgarten, dann haben die Beteiligten selbst in der Hand, wie sie die Gartennutzung regeln. Um allen Interessen und Bedürfnissen gerecht zu werden, sollten sich die Hausbewohner mit dem Vermieter oder der Hausverwaltung zusammensetzen und die wichtigsten Gemeinschaftsgarten-Regeln festlegen.

Gartenmitbenutzung ─ Was ist erlaubt und was nicht?

Vermietet der Eigentümer den Garten an seine Mietergemeinschaft, darf er die Nutzung nicht unzulässig einschränken. Das Spielen von Kindern, auch wenn das nicht immer geräuschlos abläuft, darf beispielsweise nicht verboten werden. Außerdem dürfen Mieter eine Sitzgruppe einrichten oder Fahrräder abstellen, solange dies im Mietvertrag oder der Hausordnung nicht anderweitig geregelt ist.

Mieter dürfen auch Feste feiern und Gäste einladen, sofern die Hausordnung und die gesetzlichen Bestimmungen, wie Ruhezeiten eingehalten werden. Außerdem dürfen Nachbarn nicht gestört oder in ihren Persönlichkeitsrechten eingeschränkt werden. Gleiches gilt für das Aufstellen von Spielgeräten auf Gemeinschaftseigentum: Ein Trampolin darf z. B. nicht unmittelbar vor den Fenstern der Erdgeschosswohnung positioniert werden. Zudem ist das Spielgerät vom Aufsteller zu warten und beim Spielen zu beaufsichtigen, um Unfälle zu vermeiden.

Weitere mögliche Beschränkungen:

  • Der Vermieter kann festlegen, dass Fahrräder aus Versicherungsgründen nur im verschlossenen Fahrradkeller abgestellt werden dürfen.
  • Grundsätzlich ist den Mietern das Grillen erlaubt. Dabei ist eine sichere Grillvorrichtung zu nutzen ohne übermäßige Rauchentwicklung. Der Vermieter darf jedoch die Zubereitung der Speisen auf elektrische und gasbetriebene Geräte einschränken. Offenes Feuer darf der Vermieter verbieten.
  • Ohne Zustimmung ist es den Mietern nicht erlaubt, bauliche Veränderungen vorzunehmen. Dazu gehört auch das Aufstellen einer Gartenhütte oder eines Tiny House, selbst wenn es auf Rädern steht.
  • Auch das Aufhängen von Wäsche darf der Vermieter regeln. Wenn ein Trockenraum vorhanden ist, kann das Aufhängen von Wäsche im Garten untersagt oder nur in einem dafür ausgewiesenen Bereich zugelassen werden. Das Trocknen der Wäsche auf dem Balkon darf der Vermieter jedoch nicht verbieten.
  • Der Vermieter darf kein Verbot aussprechen, den Rasen zu betreten, wenn dieser Bestandteil des mitvermieteten Gemeinschaftsgartens ist.


Sind Mieter zur Gartenpflege verpflichtet?

Mieter und Vermieter sollten auch zweifelsfrei klären, wer für die Pflege des Gartens zuständig ist und wer die Kosten dafür übernimmt. Wer einen Garten nutzen darf, ist nämlich nicht grundsätzlich auch zur Gartenpflege verpflichtet. Ist der Mieter zur Gartenpflege verpflichtet muss das im Mietvertrag oder in einer Zusatzvereinbarung festgehalten sein. Häufig übernimmt der Vermieter die Gartenpflege in Eigenregie oder beauftragt einen Gärtner dazu. Die Kosten können auf die Mieter umgelegt werden.

Die Pflege des Gemeinschaftsgarten und Außenanlagen kann auch von einem oder mehreren Mitgliedern der Hausgemeinschaft übernommen werden. Die Aufwandsentschädigung wird dann entweder bereits in der Miete einkalkuliert oder kann den Personen im Rahmen der Nebenkostenabrechnung erstattet werden. Auch die Gartengeräte können gegen eine Nutzungsentschädigung wahlweise vom Vermieter oder den ausführenden Mietern gestellt werden.

Wird die Gartenpflege durch die Hausgemeinschaft übernommen, heißt das nicht, dass die Mieter alle Aufgaben im Garten übernehmen müssen. Gartenarbeit, die ein hohes Sicherheitsrisiko birgt und für die ein Unternehmen oder ausgebildete Fachkräfte nötig sind, muss die Hausgemeinschaft nicht ausführen. Dazu gehören beispielsweise Baumfällarbeiten, Baum- oder Heckenschnitt.

Nutze dein Garten gemeinsam mit Nachbarn oder Vermieter

Ein Gemeinschaftsgarten schafft für die Mieter die Möglichkeit, zu entspannen und Kontakte zu pflegen. Du solltest immer Rücksicht auf Hausbewohner und anderweitige Nachbarn nehmen. Es hilft, regelmäßig Nachbarn und Vermieter zum Grillen oder zu einer frischen Erdbeertorte einzuladen. Denn zusammen macht ein Gemeinschaftsgarten doppelt Freude.

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