In Deutschland sind der Arbeit an Sonn- und Feiertagen enge rechtliche Grenzen gesetzt. Sogar das Grundgesetzt belegt den Anspruch der Arbeitnehmer auf einen arbeitsfreien Sonntag im Artikel 140. Dennoch gibt es inzwischen viele Ausnahmen, die auch zugelassen sind. Diese sind im Arbeitsgesetzt in § 10 aufgeführt. Grundsätzlich kann man sich hier auf die Faustregel stützen, dass eine Arbeit, die auch an einem Werktag durchgeführt werden kann, an Sonn- und Feiertagen nicht erlaubt ist. So besagt es der Anwalt Dr. Gerwin Sonntag von der Kanzlei Bernzen Sonntag. Damit aber kein Streit mit Ihrem Vorgesetzen entfacht wird, sollten Sie hier ein paar wichtige Tipps lesen.

Für die konkrete Gewährung von weiteren Ausnahmen muss man auf das jeweilige Bundesland schauen, welches sich um die Bedürfnisse der Bundesbevölkerung kümmert. Beispielsweise ist die Nachfrage nach Brot und Brötchen an Sonntagen besonders hoch. Daher sind diese Personen auch nicht vom Arbeitsverbot an Sonn- und Feiertagen ausgenommen.
Es sind die Bundesländer im Einzelnen, die bestimmen, wer vom Verbot der Sonntagsarbeit ausgenommen ist. Die Sonntagsarbeit in Videotheken, Lotto- und Totogesellschaften, Callcentern oder Eisfabriken wurde zum Beispiel in Hessen von diesem Gesetz befreit.

Bundesverwaltungsgericht setzt Sonntagsarbeit engere Grenzen

Die Sonntagsarbeit muss entlohnt werden.
Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat nun jedoch entschieden, dass die Regelungen in Hessen für die genannten Branchen nicht zulässig sind. Ein Sonderfall ist jedoch die die Sonntagsarbeit bei der Herstellung von Speiseeis. Sie ist laut BVerwG nur gerechtfertigt, wenn der tägliche Bedarf in Spitzenzeiten durch die Produktion während der Arbeitswoche nicht mehr gedeckt werden könne. Hier fehle es jedoch an Erfahrungswerten, so das BVerwG. Rechtsanwalt Dr. Sonntag betont, dass die Entscheidung über Hessen hinaus eine erhebliche Bedeutung habe. Denn auch andere Bundesländer haben zahlreiche Ausnahmen vom Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit erlassen. Das Urteil hat den Grundsatz gestärkt, dass die Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen notwendig sein muss.

Sonntagsarbeit: Was sollten Arbeitnehmer beachten?

Das BVergG hat mit seiner Entscheidung somit die engen Grenzen der Sonntagsarbeit in Deutschland bestätigt. Dennoch kann der Arbeitgeber in bestimmten Situationen Sonn- und Feiertagsarbeit anordnen. Worauf sollten Sie achten, wenn Ihr Chef plötzlich Sonntagsarbeit von Ihnen verlangt? Hier die wichtigsten Tipps:

• Schauen Sie beim Wunsch Ihres Arbeitgebers nach Sonn- oder Feiertagen zunächst in Ihren aktuellen Arbeitsvertrag. Sofern dort nicht vorgesehen ist, dass eine solche Arbeit geleistet werden muss, dann muss sie natürlich auch nicht geleistet werden. Sofern die Sonn- und Feiertagsarbeit jedoch in Ihrem Betrieb üblich ist, kann Ihr Chef sie auch anordnen, auch wenn dies in Ihrem Arbeitsvertrag so nicht vorgesehen ist. Der Rechtsanwalt Dr. Sonntag erklärt, dass der Vorgesetzte Arbeit an einem Sonntag anordnen kann, wenn der es erforderlich ist. Dies hat sogar das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil aus dem Jahr 2009 bestätigt (AZ. 9 AZR 757/08). Sofern der Arbeitsvertrag aber explizit regelt, dass sich Ihre Arbeitszeit auf die Zeit zwischen Montag und Freitag erstreckt, dann muss sich der Arbeitgeber auch daranhalten.
• Sprechen Sie sachlich mit Ihrem Chef über die Situation, wenn Sie denken, dass die Anordnung rechtlich nicht korrekt ist. In den meisten Fällen ergibt sich eine Lösung, die für beide Seiten vorteilhaft ist.
• Schauen Sie, ob es weitere Ausnahmen gibt: Ausnahmen gibt es in der Regel im Schichtbetrieb. Die Sonn—und Feiertagsruhe kann sechs Stunden vor- oder zurückverlegt werden. Bei Fernfahrern ist eine Vorverlegung um zwei Stunden erlaubt. Dadurch können Speditionen ihre Fahrer bereits am Sonntagabend ab 22 Uhr arbeiten lassen.
• Dann sind noch die Ausgleichsregelungen zu beachten: In der Mehrheit der Betriebe bekommen die Mitarbeiter für ihre Arbeit an Sonn- oder Feiertagen einen Ersatzruhetag. Dieser ist innerhalb der folgenden zwei Tagen auch zu nutzen. Sofern der Feiertag sich in der Woche befindet, so kann der Ersatztag auch innerhalb der nächsten acht Wochen genutzt werden.
• Sofern Ihrem Arbeitsvertrag ein besonderer Tarifvertrag mit Zuschlägen für die Feiertagsarbeit vorliegt, dann fallen darunter zumeist nicht Feiertage, die auf einen Sonntag fallen.

Weitere Artikel

Feiertagszuschlag an Ostern

Feiertagszuschlag an Ostern

Bei einem Auszug aus einer Wohnung ist es oft gar nicht so einfach zu bestimmen was nun hinterlassen werden darf und kann, und wie die Wohnung nach dem Auszug auszusehen hat.

Minijob neben dem Hauptberuf

Minijob neben dem Hauptberuf

Um Ihr Gehalt aufzubessern, können Sie einen Minijob neben ihrem Hauptberuf ausüben.

Samstag ein Werktag oder nicht?

Samstag ein Werktag oder nicht?

Eine sehr gute Frage ist, ob der Samstag überhaupt ein Werktag ist. Denn manchmal passiert es, dass wir plötzlich samstags auch arbeiten müssen.