Leider ist es für viele Deutsche zur Realität geworden: Ein befristeter Arbeitsvertrag. Dieser Trend trifft zunehmend auf die Frauen, Ausländer und jungen Menschen zu. Sicherlich ist es nicht verwunderlich, dass die Skepsis gegenüber befristeten Arbeitsverträgen groß ist. Doch gibt es wirklich Anlass dazu?

Was Sie bei dem Abschluss eines befristeten Arbeitsverhältnisses beachten sollten und welche Rechte Sie als Arbeitnehmer haben, das erläutert Anwalt Dr. Gerwin Sonntag von der Kanzlei Bernzen Sonntag im Interview mit dem Streitlotsen.

Streitlotse: Warum gibt es in Unternehmen überhaupt befristete Arbeitsverträge?

Dr. Gerwin Sonntag: Oft deckt ein befristeter Arbeitsvertrag einen vorübergehenden Bedarf an Mitarbeitern ab, wenn beispielsweise ein fehlender Kollege vertreten wird. Die drei häufigsten Gründe sind Schwangerschaften, Elternzeit oder länger andauernde Krankheiten von Mitarbeitern. Wir sprechen hier von einer Befristung mit einem Sachgrund. Die Befristung eines Arbeitsvertrages für mehr als zwei Jahre ist nämlich immer nur dann rechtens, wenn ein sachlicher Grund vorliegt – das regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG). In diesem Fall gibt es keine zeitliche Obergrenze, wie lange der Arbeitnehmer für das Unternehmen arbeiten darf.

Bei der Befristung ohne Sachgrund ist das aber anders. Hier dürfen es nur maximal 2 Jahre sein. Wenn Sie z. B. für ein Projekt eingestellt sind, welches doch länger dauert als angenommen, dann kann der Arbeitgeber den Vertrag von bis zu zwei Jahren verlängern. Diese Verlängerung darf aber nur initiiert werden, wenn die Vertragsbedingungen sich nicht ändern und die Dauer des Vertrages entsprechend angepasst wird. Sofern Sie nach der Verlängerung einen anderen Aufgabenbereich vereinbaren, dann kommt es zur Bildung eines unbefristeten Vertrages.

Sofern ein befristeter Vertrag ohne Sachgrund abgelaufen ist, so kann ein neuer Vertrag abgeschlossen werden, welcher aus sachlichem Grund befristet ist. Dabei muss aber nicht die Höchstdauer von zwei Jahren berücksichtigt werden. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Elternzeitvertretung oder die Mitarbeit an einem klar umrissenen und zeitlich begrenzten besonderen Projekt erforderlich wird.

Streitlotse: Muss ich beim Abschluss eines befristeten Vertrags andere Dinge beachten, als bei einem unbefristeten Vertrag?

Dr. Gerwin Sonntag: Ja, das sollten Sie. Aber zunächst sei einmal gesagt, dass ein befristeter Arbeitsvertrag keinesfalls schlechter ist als ein unbefristeter. Es gilt nur ein paar Aspekte zu beachten:

Überprüfen Sie ganz genau, ob es in dem Vertrag eine Regelung zur Kündigungsfrist gibt. Sehr oft hat ein unbefristeter Arbeitsvertrag überhaupt keine Kündigungsfrist, sondern nur die gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen. Doch sei es eigentlich egal, ob Sie den Vertrag kündigen möchten oder nicht. Sie sollten sich stets drei Monate vor Ablauf des Arbeitsvertrags arbeitslos melden, ansonsten kann es passieren, dass Ihnen das Arbeitslosengeld gesperrt wird.

Zusätzlich sollten Sie auf Nummer sichergehen, dass Ihr Arbeitgeber die Dauer der Befristung aufführt. Beispielweise gilt ein Vertrag mit einer Zweckbefristung nur für die Dauer der Erkrankung eines bestimmten Arbeitnehmers.

Streitlotse: In welchen Fällen kann ich gegen befristete Verträge rechtlich vorgehen oder klagen?

Dr. Gerwin Sonntag: Sie können beispielsweise klagen, wenn Sie Formmängel sehen. Grundsätzlich muss ein befristeter Arbeitsvertrag von Anfang an von beiden Seiten unterschrieben werden. Sofern Sie aber schon vor Zustandekommen des unbefristeten Arbeitsverhältnisses Ihren Job angefangen haben, dann ist automatisch ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstanden. Möchte Ihr Arbeitgeber erst dann einen befristeten Arbeitsvertrag aufsetzen, dann befinden Sie sich weiterhin in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis.

Sofern der Sachgrund des Vertrages nicht ausreichend ist, dann können Sie auch gegen den Vertrag vorgehen. Beispielsweise ist dies der Fall, wenn Sie gar nicht als Vertretung für einen Kollegen oder für ein bestimmtes, zeitlich begrenztes Projekt einspringen könne, sondern eine Stelle einnehmen, welche gerade neu besetzt werden musste.

Eine Klage können Sie einreichen, wenn bei der Vertragsverlängerung Fehler gemacht worden sind. Sogenannte „Kettenbefristungen“ sind zwar erlaubt, sie dürfen aber nicht missbraucht werden. Obwohl es keine zeitliche Obergrenze gibt, kann man nach einem vierteljährigen Arbeitsverhältnis mit mehr als sechs Verlängerungen von einem Missbrauch der Befristung sprechen. Eine Entfristungsklage müssen Sie jedoch in jedem Fall spätestens drei Wochen nach dem vorgesehenen Vertragsende beim Arbeitsgericht einreichen.

Streitlotse: Hat denn ein befristeter Arbeitsvertrag überhaupt Vorteile für einen Arbeitnehmer?

Dr. Gerwin Sonntag: Ja, durchaus. Oft ist ein befristetes Arbeitsverhältnis als eine Vorstufe zu einem unbefristeten Arbeitsvertrag zu sehen. Haben Sie sich erst einmal in der Abteilung richtig eingearbeitet, so werden Sie für ihren Arbeitgeber unersetzlich. Dabei ist es nützlich zu wissen, dass auch Arbeitgeber oft davon ausgehen, dass Arbeitnehmer nach einem befristeten Arbeitsverhältnis auf eine Übernahme hoffen. Überstunden und geringe Gehälter sind dann oft die Konsequenz. Sollte es zu einem Übernahmegespräch kommen, dann sollten Sie stark und überzeugend auftreten. Argumentieren Sie vernünftig, damit Sie sich bessere Konditionen sichern können.

Sollte es nicht zu einer Übernahme bzw. zu einem befristeten Arbeitsvertrag kommen, dann sollten Sie diese Zeit als wertvolle Berufserfahrung betrachten. Gehen Sie in das nächste Unternehmen, und dann wird es sicherlich mit der Übernahme klappen.