Informationen zum Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG)
Zur Stabilisierung der deutschen Lebensversicherer hat die Bundesregierung das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) verabschiedet. Das LVRG hat bereits Anfang Juli 2014 alle parlamentarischen Hürden durchlaufen. Es liegt derzeit zur Prüfung und Unterzeichnung bei Bundespräsident Joachim Gauck. Erst nach seiner Unterzeichnung wird das LVRG im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und tritt voraussichtlich Anfang September 2014 in Kraft. Ein Teil der Änderungen tritt sofort mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft, andere greifen erst zum 01.01.2015.

Die Generali Deutschland Gruppe begrüßt – wie auch der GDV – das Ziel der Bundesregierung, die Risikotragfähigkeit der Lebensversicherer im anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu stärken. Der Gesetzesvorschlag zur Modifikation der Beteiligung der Versicherungsnehmer an Bewertungsreserven wird daher ausdrücklich unterstützt. Einige Maßnahmen schießen allerdings über das Ziel hinaus und können in der aktuellen Form unbeabsichtigte Folgewirkungen haben.

Absenkung des Höchstrechnungszins (Garantiezins)
Zum 01.01.2015 sinkt der Höchstrechnungszins von derzeit 1,75% auf 1,25%. Das ist der Wert, mit dem bei klassischen Lebens- und Rentenversicherungen der gebildete Kapitalstock mindestens verzinst wird. Er bleibt während der gesamten Laufzeit gleich und wird deshalb auch Garantiezins genannt. Die Absenkung betrifft nur Neuverträge, die ab 2015 abgeschlossen werden. Bei allen bestehenden Verträgen bleibt es bei den zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses abgegebenen Garantiezusagen.

Der Garantiezins ist jedoch nur ein Baustein der Gesamtrendite einer Lebensversicherung und damit alleine nicht aussagekräftig, um die tatsächliche Rendite von Lebensversicherungen zu quantifizieren. Denn zusätzlich zum Garantiezins erhalten Kunden auf ihren Sparanteil eine Überschussbeteiligung, die im Marktschnitt aktuell eine Gesamtverzinsung des Deckungskapitals von rund 4% ergibt.

Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven
Mit dem Lebensversicherungsreformgesetz wird die Beteiligung an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere neu geregelt. Unternehmen dürfen an ausscheidende Kunden künftig nur noch jene Reserven zur Hälfte auskehren, die den sogenannten Sicherungsbedarf übersteigen. Das ist der Betrag, der im jeweils aktuellen Zinsumfeld erforderlich ist, um die zugesagten Garantien langfristig erfüllen zu können. Wichtig: An den Bewertungsreserven auf Aktien und Immobilien werden ausscheidende Kunden unverändert zur Hälfte beteiligt.

Höhere Beteiligung der Versicherungsnehmer am Risikoergebnis
Ab 2015 steigt die Mindestbeteiligung der Kunden an den sogenannten Risikoüberschüssen von derzeit 75% auf 90%. Dies gilt sowohl für Bestands- als auch Neukunden. Die Risikoüberschüsse zählen neben den Kapitalerträgen und den Kostenüberschüssen zu den drei Quellen der Überschussbeteiligung. Sie entstehen beispielsweise bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn weniger Versicherungsnehmer berufsunfähig werden als vom Versicherer kalkuliert, und somit die ausgezahlten Leistungen geringer sind. In der Generali Deutschland Gruppe haben wir unsere Versicherungsnehmer bereits in der Vergangenheit grundsätzlich mit deutlich mehr als 75% an den Risikogewinnen beteiligt.

Pauschale Ausschüttungssperre für Unternehmen
Um sicherzustellen, dass die Lebensversicherer ihre Garantieverpflichtungen auch bei dauerhaft niedrigen Zinsen erfüllen können, hat der Gesetzgeber eine Ausschüttungssperre für Dividenden beschlossen, sofern der Sicherungsbedarf die Bewertungsreserven übersteigt. Mit dieser Maßnahme soll sichergestellt werden, dass kurzfristig keine zur Wahrung der Garantieversprechen benötigten Mittel aus den Unternehmen an die Aktionäre abfließen. Kritisch an dieser Regelung ist, dass alle Unternehmen ungeachtet ihrer finanziellen Stabilität gleich behandelt werden und ihnen der Zugang zu den Refinanzierungsmöglichkeiten des Kapitalmarktes faktisch verwehrt wird.

Absenkung des "Höchstzillmersatzes" von Vertriebskosten
Ab 01.01.2015 sinkt der Höchstzillmersatz bei Lebensversicherungen von 40 auf 25 Promille. Das bedeutet, dass die Unternehmen in den ersten fünf Jahren der Vertragslaufzeit die Abschlusskosten nur in Höhe von bis zu 25 Promille der Beitragssumme eines Lebensversicherungsvertrages bilanziell anrechnen können. Die Bundesregierung verspricht sich davon höhere Rückkaufwerte bei vorzeitiger Beendigung des Vertrags und einen stärkeren Druck auf die Abschlusskosten.

Es ist zu befürchten, dass diese Maßnahme zu einem Rückgang des Neugeschäfts führen wird, da eine Absenkung der bilanziellen Anrechenbarkeit der Vertriebs- und Abschlusskosten zunächst eine erhebliche Vorfinanzierungslast für die Lebensversicherungsunternehmen bedeutet. In der Folge entsteht erhöhter Druck, Provisionssenkungen mit dem Außendienst zu vereinbaren. Was für den Kunden zunächst positiv aussieht, kann jedoch zu empfindlichen finanziellen Einbußen insbesondere kleinerer Agenturen führen. Wie stark sich gesetzliche Eingriffe in die Vertriebsvergütungen auswirken können, zeigen die Beispiele aus England und den Niederlanden, wo die Vermittlerzahlen und damit die Versorgung der Bevölkerung mit Altersvorsorgeprodukten dramatisch abgenommen hat. Die Notwendigkeit, privat für das Alter vorzusorgen wird damit eindeutig konterkariert. Dies ist umso kritischer zu sehen, als das bislang kein für die breite Masse geeignetes Alternativprodukt am Markt existiert, das in puncto Rendite und Sicherheit sowie zusätzlichem Todesfallschutz und Absicherung von Langlebigkeitsrisiken auch nur annähernd vergleichbar mit der Lebensversicherung ist.

Einführung der Effektivkostenquote
Lebensversicherungsverträge müssen ab 01.01.2015 eine Kennzahl zur effektiven Kostenbelastung enthalten. Die sogenannte Effektivkostenquote („Reduction in Yield“) gibt an, wie sich die Kosten auf die Rendite einer Police auswirken. Die Kennziffer bezieht alle einkalkulierten Kosten ein, also neben den laufenden auch die Abschluss- und Vertriebskosten sowie bei fondsgebundenen Produkten die Fondskosten. Damit schafft sie eine umfassende Transparenz im Sinne der Verbraucher.